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Milchmenge

Milch: Hilft AMIKO gegen Preiskrisen?

Kees de Vries beim Vortrag
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Josef Koch, agrarheute
am
21.11.2017

Milcherzeuger diskutieren wieder verstärkt über eine Mengenregulierung, um Preiskrisen besser vorzubeugen. Jetzt liegt eine neues AMIKO- Konzept auf dem Tisch.

Milcherzeuger in Herrsching

Viele Vorsitzende von Milcherzeugergemeinschaften trauten ihren Ohren nicht, als sie gestern den Vortrag Kees de Vries, Milchviehviehhalter in Sachsen-Anhalt und CDU-Bundestagsabgeordneter, über seine Vorstellungen eines europaweiten ablieferbaren Milchkontingentes (AMIKO) auf der Woche der Erzeuger und Vermarkter in Herrsching hörten.

Denn Kees de Vries hält es für notwendig, europaweit wieder eine Art Milchquote einzuführen. Dabei wurde die staatliche Mengenregulierung erst 2015 abgeschafft. „Ich kenne keinen Milcherzeuger in Europa, der unter der letzten Krise 2015/16 erheblich gelitten hat. Daher bin ich der Meinung, der Milchmarkt kommt in Zukunft nicht ohne Mengenregulierung aus.“

„Ziel meines Konzeptes ist nicht ein bestimmtes Milchpreisniveau, sondern die starken Schwankungen zu verringern“, machte der Deutsch-Niederländer klar.

Marktpreis entscheidet über Quotenmenge

Allerdings soll dies nicht die EU machen, sondern ein europäischer Branchenverband Milch, an dem mindestens 60 Prozent der Milchbauern beteiligt sein müssen. Der Verband würde für jeden Betrieb ja nach Marktlage eine ablieferbare Milchquote festlegen. „Das Kontingent würde je nach Marktlage erhöht oder gekürzt werden“ erläutertet de Vries. Dazu sind bestimmte Mindest- und Maximalmilchpreise festgelegt.

Wird der Mindestmilchpreis unterschritten, würde auch die ablieferbare Milchquote für jeden Betrieb verpflichtend sinken. „Ist der Marktpreis aber höher als der Maximalpreis steigt die ablieferbare Milchmenge entsprechend an, damit jeder Milchbauer die guten Preise auch nutzen kann“, so der ostdeutsche Milchviehhalter.
 

Strafe bei Überlieferung

Die künftige Quote soll nach den Vorstellungen von de Vries nicht flächengebunden sein, aber über eine Börse handelbar sein. Verpachtungen sollen aber nicht möglich sein. Ebenso sollen keine Verrechnungen mit Direktvermarktungsmengen erlaubt sein.  „Das führt zu weniger Bürokratie als bei der staatlichen Mengenregulierung“, ist sich der CDU-Abgeordnete sicher.

Wer sein Kontingent überliefert, dem droht nach dem de Vries-Konzept eine Strafzahlung von 35 Cent/kg. Ebenso soll die Quote eingezogen werden, wenn sie 3 Börsentermine lang nicht genutzt wurde.

Europäische Einigung schwierig

Das AMIKO-Konzept stieß bei den Milcherzeugergemeinschaften auf eine heftige Diskussion, zumal der Berufsstand in der Vergangenheit sich für die Quotenabschaffung eingesetzt hatte. Allerdings sahen viele Erzeuger das Problem unter den europäischen Milchbauern eine Mehrheit dafür zu bekommen. Schließlich sind die Interessen sehr unterschiedlich.

So hielt zum Beispiel Milcherzeuger Hans Stöcker, Vorstand bei FrieslandCampina, nicht von dem AMIKO-Konzept. Seiner Meinung nach ließen sich dadurch die Milchpreisschwankungen nicht verringern, da diese weltmarktbedingt seien. Stattdessen setze FrieslandCampina auf eine breite Risikostreuung in der Vermarktung, um so seinen Mitgliedern einen Mehrwert im Milchpreis zu bieten.

 „Mir ist das vollkommen bewusst, dass dies schwierig wird,“ räumte de Vries ein. „Aber einmal muss einer den Anfang machen, damit Milcherzeuger bei den nächsten Krisen besser gewappnet sind“.

Rechtliche Grundlage fehlt

Nach agrarheute-Informationen ist das AMIKO-Konzept auch Milchausschuss des Deutschen Bauenverbandes sehr umstritten.

Zudem fehlen nach Auffassung des Bundeskartellamtes die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen dauerhafte Mengenabsprache zwischen den Milcherzeugern. Bisher erlaubt das EU-Recht, Mengenabsprachen innerhalb von Branchenverbänden nur in einem Krisenfall wie 2015/2016.

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