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Lieferbeziehung

Milcherzeuger wollen den Milchpreis vorab wissen

Futtertisch im Milchviehstall
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
18.06.2018

Der Milchindustrie-Verband (MIV) hat die Molkereien nach den Lieferbeziehungen zu ihren Milcherzeugern befragt. Danach ist die Preisinformation bisher unbefriedigend. Eine verbindliche Mengenplanung lehnt die Mehrheit ab.

Der MIV befragte seine 80 Mitgliedsmolkereien. Davon hat die Hälfte geantwortet. Diese Molkereien vertreten laut MIV drei Viertel der Rohstoffmenge.

Wie in der Befragung herauskam, wünschen sich die Milcherzeuger eine Information über den Milchpreis im jeweils nächsten Monat statt der üblichen rückwärtigen Information über den zurückliegenden Liefermonat.

Eine verbindliche Mengenplanung zum Beispiel mit Höchstmengen lehnen die Landwirte laut Milchindustrie-Verband ab. Allerdings würden viele Milchviehhalter auf freiwilliger Basis die Molkereien über ihre geplante Produktion informieren, um die Verwertung der Rohmilch zu erleichtern. Verbindliche Systeme der Milchmengensteuerung pflegen laut MIV derzeit nur drei Molkereien.

15 Molkereien planen Preisabsicherung über die Börse

Zehn Molkereien bieten ihren Milcherzeugern Festpreismodelle an. Eine Molkerei gab zu Protokoll, dass ihre Landwirte ein solches Angebot komplett abgelehnt hätten.

Mehr Zuspruch finden laut MIV Modelle der Preisabsicherung über Warenterminbörsen – das antworteten 15 Molkereien. Dabei zeichnet die Molkerei – sofern sich der Einzellandwirt dafür entscheidet – Butter- und Magermilchkontrakte für die Zukunft an der Warenterminbörse und sichert so den Milchpreis für diesen Milcherzeuger ab. Die Einführung dieser Vertragsmodelle läuft gerade bei den verschiedenen Molkereien an.

MIV überrascht über Haltung zur Bindungsfrist

Große Überraschungen erlebte der MIV nach eigener Darstellung bei der Betrachtung der Laufzeit von Lieferverträgen beziehungsweise der Bindung an die eigene Genossenschaft.

Bis zu 12 Jahre wollten sich Landwirte fest an ihre Molkerei binden, so der Verband. Im Genossenschaftswesen liegt die Kündigungszeit meist bei zwei Jahren. Viele Molkereien haben sich mit ihren Milcherzeugern auf kürzere Fristen geeinigt. Das Bundeskartellamt hält zu lange Bindungsfristen für wettbewerbswidrig.

Molkereien lehnen staatlichen Eingriff ab

Eckhard Heuser, MIV

MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser stellte fest: "Die Ergebnisse dieser MIV-Umfrage bei den Unternehmen der deutschen Molkereiwirtschaft zeigen, dass der Dialog zwischen Milcherzeuger und Molkerei zu Vertragsinhalten gelebte Praxis ist. Dies geschieht unabhängig von der Rechtsform der Unternehmen. Ein staatlicher Eingriff in die Vertragsbeziehungen ist nicht Aufgabe der Politik, die Wirtschaftsbeteiligten können das allein deutlich besser."

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