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Terminmarkt Milch

Milchkontrakt kommt im Sommer

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
22.03.2018

Die Terminbörse EEX in Leipzig will im Sommer dieses Jahres einen Flüssigmilchkontrakt einführen. Das wurde auf dem Berliner Milchforum noch einmal bestätigt.

Hintergrund für die Einführung des Kontraktes sind die hohen Preisschwankungen am europäischen und internationalen Milchmarkt. Daraus ergibt sich ein wachsender Bedarf der Preisabsicherung und Risikominimierung bei allen Akteuren am Milchmarkt.

Derzeit werden an der Leipziger Terminbörse Futures auf Butter, Magermilchpulver und Molkepulver gehandelt. Diese wurden 2011 eingeführt.

Der Umsatz im Handel mit Milchprodukten hat sich allerdings erst ab 2016 deutlich erhöht und nahm 2017 noch einmal sehr kräftig zu.

Preisabsicherung für Landwirte

Ein Flüssigmilchkontrakt würde die Preisabsicherung für Landwirte erheblich erleichtern. Bisher ist eine Milchpreisabsicherung an der Börse lediglich indirekt über Kontrakte für Magermilchpulver und Butter möglich.

Aus den Kontraktpreisen für diese Produkte errechnet sich ein sogenannter Börsenmilchwert. Dieser Börsenmilchwert zeigt dann den aus den Milchprodukten abgeleiteten möglichen Absicherungspreis. Für die meisten Landwirte ist diese Verfahrensweise jedoch sehr umständlich.

Der Flüssigmilchkontrakt bezieht sich indessen direkt auf Rohmilch. Dadurch werden Vergleichbarkeit und Transparenz am Milchmarkt für die Milcherzeuger erheblich verbessert.

Milchpreis 18 Monate im Voraus

Die Handelsmenge für den Flüssigmilchkontrakt liegt bei 25.000 kg, was die Handelbarkeit auch für durchschnittlich große Betriebe erleichtert. Die Preisermittlung erfolgt in Euro je 100 kg.

Gehandelt werden die Fälligkeiten des jeweils aktuellen und der folgenden 18 Kalendermonate. Abgerechnet (gesettelt) wird der Flüssigmilchkontrakt - wie die Futures für Butter und Magermilchpulver - über einen Barausgleich.

Grundlage hierfür ist die Differenz zwischen dem Schlusskurs und dem Abrechnungspreis des Börsenvortages. Eine Lieferung physischer Ware ist wie bei den Milchprodukten nicht möglich. Der Schlusspreis (Final Settlement Price) wird mit Hilfe eines Index gebildet.

Schwierige Konstruktion des Index

Die Konstruktion eines belastbaren und allgemein akzeptierten Vergleichsindex für die Abrechnung des Flüssigmilchkontraktes war für die Börse eine große Herausforderung. Der Index wird jetzt auf der Grundlage der von der Europäischen Kommission erfassten Milchpreise aus vier europäischen Ländern gebildet.

Bestandteil des Index sind die Milchpreise aus Deutschland, Dänemark, Irland und den Niederlanden. Die von der Kommission erfassten und gemeldeten Milchpreise aller vier Länder werden jeweils zu 25 Prozent bei der Bildung des sogenannten "EEX European Liquid Milk Index" berücksichtigt. Sie werden also nicht nach der Milchmenge der vier Länder gewichtet.

Die von der Kommission gemeldeten Milchpreise beziehen sich allerdings auf den jeweiligen natürlichen Fett- und Eiweißgehalt und nicht auf die sogenannte Standardmilch (4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß). Hinzu kommt, dass die für die Indexberechnung verwendeten Milchpreise sich auf Milch beziehen, die von den Landwirten zwei Monate zuvor abgeliefert wurde (Referenzmonat).

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