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Prognose

Milchmarkt 2019: Optimismus trotz Unsicherheit

am
22.01.2019

Der Milchindustrieverband (MIV) blickt relativ optimistisch auf das Milchjahr und die Milchpreise 2019.

Die Milchmengen sind als Folge der Dürre deutlich geschrumpft. Der Absatz von Milchprodukten im Export und am Binnenmarkt ist stabil. Die riesigen Milchpulverbestände sind fast abgebaut.

Unsicherheit geht derzeit vor allem vom Brexit aus. Auch die kräftig wachsenden Produktionsmengen in Neuseeland und den USA bergen Probleme für den europäischen Export.

Dürre sorgte für weniger Milch

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Der Milchindustrie-Verband (MIV) hat im Rahmen seines Milchpolitischen Frühschoppens in Berlin einen ersten Marktausblick auf das Jahr 2019 vorgenommen: „Grundsätzlich sind die Vorzeichen dieses Jahr besser als im Vorjahr. Allerdings ist es gerade schwierig, eine Prognose abzugeben angesichts der Fragezeichen, die immer noch mit dem Brexit verbunden sind“, beurteilte Peter Stahl, der Vorsitzende des MIV die Lage.

Aber auch 2018 war ein Jahr mit Höhen und Tiefen: Die Milcherzeugerpreise sind im Jahresverlauf wieder gestiegen. Lange Zeit hat auch die Milchanlieferung zugenommen. Erst die Dürre im Sommer sorgte weniger Milch. Anfang 2019 lag die Anlieferung rund 3,3 Prozent unter dem Vorjahr. Insgesamt wird für das zurückliegende Jahr 2018 jedoch eine neue Rekordanlieferung von schätzungsweise 32,4 Mio. Tonnen erwartet. Die EU-Milchanlieferung bewegt sich etwa auf dem hohen Vorjahresniveau und zeigt einen ähnlichen Verlauf wie in Deutschland, jedoch nicht so stark ausgeprägt.

Hohe Preise für Milchfett und guter Export

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Die Milchpreise für 2018 werden nach Einschätzung des MIV im Jahresmittel bei 34,5 Cent/kg (bei 4,0 Prozent Fett) liegen. Damit wird der Preis der vorigen Jahres von 36,2 verfehlt, der Zehn-Jahres-Durchschnitt jedoch noch leicht übertroffen. Nach dem sehr schwachen Jahresstart kann das Gesamtergebnis 2018 nach Einschätzung des MIV noch als ordentlich bezeichnet werden.

Getragen wurde die Entwicklung erstens durch die für lange Zeit gute Verwertung für Milchfett. Zweitens hat insbesondere der Export den Markt entlastet. Die Exporte Deutschlands sind etwa auf dem hohen Stand von 2017 stabil geblieben. Die Ausfuhren von Käse und Magermilchpulver konnten sogar ausgeweitet werden. Die Ausfuhren der EU für beide Produkte erreichten neue Rekordhöhen.

Weniger Milch stützt die Preise

Die Ausgangslage zu Beginn des Jahres 2019 steht nach Einschätzung des MIV also unter wesentlich festeren Vorzeichen als das Vorjahr. Die Milchanlieferung wird in den nächsten Monaten wohl nicht sehr kräftig steigen. Das zeigen die Erfahrungen aus früheren Dürrejahren. Die Futtervorräte auf den Höfen sind vielerorts knapp.

Der Verbrauch ist dagegen relativ konstant. Bei einigen Milchprodukten wie Butter hat die Nachfrage nach Einschätzung des MIV deutlich angezogen. In den ersten elf Monaten von 2018 war der Absatz von Butter im Lebensmitteleinzelhandel zuvor um 6,1 Prozent zurückgegangen. Der Rückgang wurde teilweise, durch einen weiteren Absatzanstieg bei den Mischstreichfetten kompensiert.

Die EU-Bestände an Magermilchpulver in der öffentlichen Lagerhaltung wurden um fast 90 Prozent gegenüber Jahresbeginn 2018 reduziert. In Deutschland sind die Läger nach Aussagen des MIV schon geräumt. EU-weit liegen nur noch 22.000 Tonnen zum Verkauf bereit. Der Milchpulvermarkt hat deshalb angezogen, auch wegen der guten Auslandsnachfrage für Milcheiweiß. Auch wenn einige Molkereien im Dezember Abschläge am Milchpreis vornehmen mussten, sollte sich im ersten Quartal ein stabiles Marktbild ergeben, schätzt der MIV die weitere Entwicklung ein.

Steigende Kosten sorgen für Druck

Sorgen bereiten dem MIV die steigenden Kosten. Das betrifft sowohl Erzeuger als auch Molkereien. Gerade bei Energie, Verpackung und Entsorgung sind die Preise kräftig gestiegen. „Nicht in allen Molkereien wurden schwarze Zahlen geschrieben“, so Eckhard Heuser, Hauptgeschäftsführer des MIV. Preiserhöhungen sind daher bei den nächsten Verhandlungen wichtig für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette Milch.

Für den Milchmarkt positiv zu bewerten ist die hohe Nachfrage Chinas auch nach europäischen Milchprodukten sowie das abgeschlossene Freihandelsabkommen der EU mit Japan. Belastend für den Milchmarkt waren, dass zuletzt Neuseeland wie auch die USA steigende Milchanlieferungen meldeten. Das führt zu einer verstärkten Konkurrenz auf den internationalen Märkten. Dazu schwächten die nachgebenden Ölpreise zuletzt die Kaufkraft vieler Importländer und der starke US-Dollar setzt die Währungen verschiedener Schwellenländer unter Druck.

Brexit-Folgen noch nicht klar

EU und Großbritannien gespalten

Unklar sind nach Einschätzung des MIV die Auswirkungen des anstehenden Brexits. Noch immer noch besteht Unklarheit, womit die Marktbeteiligten ab März 2019 rechnen müssen. „Die Zeichen deuten auf einen harten Brexit hin, der zu Zöllen auf die verschiedenen Milchprodukte und aufwändigen Zollabfertigungen führen würde“, so MIV-Chef Stahl.

Dies dürfte sich nach Meinung des MIV vor allem auf den Käsemarkt in der EU negativ auswirken. Das Vereinigte Königreich ist ein großer Nettoimporteur von Käse. „Dies wird eine Herausforderungen für alle Europäer“, ist der MIV-Vorsitzende überzeugt. Insgesamt blickt er jedoch vorsichtig optimistisch in das neue Jahr 2019: „Am Weltmarkt für Milch waren zuletzt wieder festere Preissignale zu beobachten.“

Mit Material von Milchindustrieverband (MIV)
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