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Milchmarkt und Corona-Krise

Milchmarkt Global: Bessere Aussichten für Milchbauern und Molkereien

Die Aussichten am gloaben Milchmarkt hellen sich wieder auf.
am Mittwoch, 22.07.2020 - 15:28 (Jetzt kommentieren)

Die Corona-Pandemie hat weltweit zu heftigen Turbulenzen am Milchmarkt geführt. Nun haben sich die Aussichten aber wieder verbessert, schreibt das USDA in seinem Marktausblick.

Lieferketten mussten rasch angepasst werden und vielen Ländern konzentrierte sich der Absatz in dieser Phase auf den Verkauf von Milchprodukten im Lebensmittelbereich, schreibt das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) in seiner Halbjahresprognose zum Milchmarkt.

Gleichzeitig verschlechterten sich zeitweise die Absatzmöglichkeiten im Export, und es gab erhebliche Bedenken, dass die weltweite Importnachfrage zusammenbrechen könnte. In den USA und in der Europäischen Union (EU) wurde zudem befürchtet, dass die Lagerbestände insbesondere für Magermilchpulver (SMP) steil anwachsen würden.

Zuletzt haben sich die Aussichten an den Binnenmärkten und an den Exportmärkten jedoch wieder aufgehellt, schreibt das USDA. Für die EU liegen die Ausfuhren bei Käse und Butter deutlich über dem Vorjahr – trotz aller Probleme.

Aber auch die Konkurrenz schläft nicht, wie die Entwicklung in Neuseeland, den USA und Australien zeigt.

Für die europäischen Milchbauern und die heimische Milchwirtschaft haben sich die Aussichten nach der schweren Krise der letzten Monate jedoch wieder spürbar aufgehellt – sowohl hinsichtlich der Absatzentwicklung als auch mit Blick auf die Milchpreise. Sicher sein, kann mit sich in Zeiten von Corona allerdings nicht.

Europa: Trockenheit drosselt Produktion – Zuwachs im Herbst

In Europa wird das Futter für Kühe wegen der Trocknehit knapp.

In der Europäischen Union war die Milchproduktion trotz aller Probleme war überraschend hoch, heißt es in der der USDA-Analyse. Die Milchproduktion lag bis April 2020 rund 2 Prozent über dem Vorjahr. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass sich die Milchproduktion im Mai und Juni aufgrund der trockeneren Bedingungen verlangsamt hat.

Der Europäische Dürre-Monitor berichtete im Juni: „Einige Regionen Europas sind nach geringen Regenfällen im April und Mai 2020 einer starken Trockenperiode ausgesetzt. Besonders betroffen sind die mittel- und nordwesteuropäischen Länder (Deutschland, Belgien, Niederlande, Irland und der größte Teil des Vereinigten Königreichs).“

Eurostat-Daten zeigen außerdem, dass die Milchlieferungen im Mai 2020 für Frankreich, Italien und dem Vereinigte Königreich im Vergleich zu Mai 2019 um 2 Prozent, 8 Prozent bzw. 1 Prozent zurückgingen. Im Jahr 2019 kamen aus diesen drei Regionen etwa ein Drittel der gesamten Milchlieferungen der EU.

In Deutschland war die Milchproduktion im Mai hingegen relativ unverändert, während sie in Irland und der Tschechischen Republik um 3 bis 4 Prozent höher war.

„Angesichts dieser Faktoren wird erwartet, dass sich die EU-Milcherzeugung für den Rest des Jahres im Sommer verlangsamt, sich jedoch im Herbst wieder erholt“, glaubt das USDA. Infolgedessen wird die Prognose für die Milchproduktion revidiert, jedoch nur um 1 Prozent auf 156,7 Millionen Tonnen, was einem Zuwachs von 1 Prozent gegenüber der Produktion von 2019 entspricht.

EU-Käseexport in die USA stockt gewaltig - ingesamt trotzdem ein Plus

Der europäische Käseexport ist trotz der Absatzprobleme in die USA gewachen.

Die Prognose für den europäischen Käseexport für 2020 hat das USDA auf 925.000 Tonnen angehoben, was einer Ausweitung von 5 Prozent gegenüber 2019 entspricht. Die bisherigen Lieferungen lagen in diesem Jahr 9 Prozent im Plus. Es wird jedoch erwartet, dass sich die Lieferungen in der zweiten Jahreshälfte verlangsamen, da die Verfügbarkeit von Industriemilch aufgrund des saisonalen Rückgangs der Milchproduktion abnimmt.

Traditionell waren die Vereinigten Staaten mit einem Anteil von rund 16 Prozent der größte Markt für EU-Käse im Jahr 2019. In diesem Jahr sind die Lieferungen an den US-Importmarkt bis Mai um etwa 11 Prozent zurückgegangen. Dies dürfte zum einen auf COVID-19 zurückzuführen sein, und zum anderen auf die Vergeltungszölle von 25 Prozent, die die Vereinigten Staaten ab Oktober 2019 auf die Einfuhr von EU-Käse erheben. Diese Vergeltungszölle waren eine Reaktion auf eine positive Entscheidung der Welthandelsorganisation der Vereinigten Staaten über EU-Subventionen für Airbus.

Während die EU-Käseausfuhren in die USA zurückgingen, haben die Lieferungen insbesondere in die Ukraine, nach Südkorea und nach Japan erheblich zugenommen. Um den Milchmarkt während der COVID-19-Pandemie zu unterstützen, genehmigte die Europäische Union Ende April die Subventionierung der Lagerkosten für bis zu 100.000 Tonnen Käse für 60 bis 180 Tage, im Rahmen der Privaten Lagerhaltung. Das kumulierte Volumen bis Ende Juni betrug 48.000 Tonnen.

Europäischer Butterexport boomt

Die Butterausfuhren der Europäischen Union sind in diesem Jahr rasant gestiegen. Die Lieferungen bis April stiegen um fast 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Exporte von Butter in die USA – nahmen um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu - und nach Saudi-Arabien stiegen sei ebenfalls deutlich an.

In den letzten Jahren sind die Vereinigten Staaten zu einem Schlüsselmarkt für die EU geworden, auf den 2019 ein Anteil von 13 Prozent an den gesamten EU-Butterexporten entfällt.

Die EU-Butterpreise sind derzeit auf den Weltmärkten sehr wettbewerbsfähig, und es wird erwartet, dass sich die Exporte in einem starken Tempo fortsetzen. Infolgedessen wird die Exportprognose für 2020 um 36 Prozentpunkte auf 265.000 Tonnen nach oben revidiert. Dies wäre das höchste Niveau an EU-Butterexporten seit 2005.

Neuseelands Milchpreise gefallen – Milchmenge stabil

milch-kühe-neuseeland

Die monatliche Milchproduktion in Neuseeland lag bis Mai 2020 geringfügig über dem Niveau des Vorjahres. Die Dürrebedingungen zu Beginn des Jahres auf der Nordinsel, hatte das Weidewachstum und die Milchproduktion verringert. Die Bedingungen haben sich jedoch verbessert, und das neueste Update des neuseeländischen Nationalen Instituts für Wetter- und Atmosphärenforschung (NIWA) weist nicht mehr auf eine Dürre hin.

Für den Zeitraum Juli bis September sieht die Prognose die Wahrscheinlichkeit für nahezu normale oder überdurchschnittliche Niederschläge im Osten der Nordinsel und nahezu normale Niederschläge für alle anderen Regionen vor. Trotz der positiven Niederschlagsaussichten bleiben die Milchpreise aufgrund der weltweiten Verwerfungen von COVID-19 ungewiss.

In den jüngsten von Fonterra veröffentlichten Preisaussichten (Juli 2020) wird der Preis für die Milch für die Saison 2019/2020 (Juni / Mai) auf einen Mittelwert von 7,15 NZ-Dollar pro Kilogramm Milchfeststoffe geschätzt. Für die nächste Saison wird dieser Preis voraussichtlich auf ein Niveau zwischen 5,40 und 6,90 NZ-Dollar pro Kilogramm Milchfeststoffe fallen. Seit dieser Schätzung sind die globalen Produktpreise jedoch gestiegen, was zu einer Aufwärtskorrektur der Milchpreisprognose führen dürfte.

Obwohl hinsichtlich der Niederschlagsbedingungen und Milchpreise Optimismus besteht, werden niedrigere Kuhzahlen erwartet, schreibt das USDA. Darüber hinaus erholen sich die Weidebedingungen immer noch von der Dürre, zumal die Bodenfeuchtigkeit noch nicht vollständig aufgefüllt wurde. Infolgedessen bleibt die Milchproduktionsprognose für 2020 bei etwa 21,9 Millionen Tonnen, was etwa der Menge von 2019 entspricht.

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