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Milchmarkt und Coronakrise

Milchmarkt: Kein Strohfeuer – Milchpreise steigen wieder

Milchbauer
am Freitag, 05.06.2020 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Die Milchpreise können sich schneller aus dem Abwärtsstrudel befreien, als viele Bauern gedacht haben.

Darauf deuten derzeit die wichtigsten Preis-Indikatoren für Milch und Milchprodukte an den Terminmärkten und im Großhandel hin. Noch vor wenigen Wochen sah das beim besten Willen nicht so aus.

Allerdings hatten viele Molkereien den dramatischen Absturz vieler Produktpreise nicht oder nur in geringem Umfang mitgemacht und ihre Auszahlungspreise relativ stabil gehalten. Ein Grund für die sich nun abzeichnenden deutliche Preiserholung dürfte die Wiedereröffnung vieler Restaurants nach dem Shutdown sein. Hinzu kommt eine Stabilisierung die Exportpreise sowie eine anhaltend hohe Nachfrage aus dem Einzelhandel.

Auch die angekündigten Stützungsmaßnahmen der EU-Kommission dürften eine stabilisierende Wirkung haben. In der ersten Maihälfte waren die Preis-Indikatoren aber noch kräftig gefallen – bevor es in der zweiten Monatshälfte überraschend steil nach oben ging. Ob dieser Anstieg von Dauer ist – oder nur ein Strohfeuer – lässt sich jedoch nicht mit Sicherheit sagen. Zu viele Unsicherheitsfaktoren erschweren die Vorausschau in Zeiten der Corona-Krise.

Börsen-Preise steigen im Juni wieder über 30 Cent

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Der vom Ife-Institut in Kiel aus den Preisen von Butter und Magermilchpulver errechnete Rohstoffwert der Milch fiel für den Monat Mai zunächst noch auf 25,8 Cent je kg. Das ist ein Rückgang von 1,2 Cent zum Aprilwert und zugleich der niedrigste Preis seit der Milchpreiskrise 2016.

Ab dann folgte die Trendwende: In der zweiten Maihälfte sind die Preise für Butter und Magermilch wieder kräftig gestiegen und signalisieren eine deutliche Erholung der Nachfrage und der Milchpreise. Diese Markterholung schlägt sich unmittelbar im Börsenmilchwert nieder. Diesen „theoretischen Preis“ errechnet das Ife-Institut in Kiel aus den tagesaktuellen Terminmarktkursen für Butter und Magermilchpulver. Daraus ergibt sich für den Monat Juni wieder ein Milchpreis von noch 30,7 Cent und für Juli von 31,3 Cent.

Bis zum Jahresende steigen die Kurse dann bis auf 32,5 Cent. Die gleiche Entwicklung zeigen die Preise für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch an. Diese bewegten sich Ende Mai zwischen 32 und 33 Cent und damit noch etwas höher als der der Börsenmilchwert.

Butterpreise: Terminmarkt zeigt kräftige Markterholung

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Am europäischen Terminmarkt (EEX) handelte man Butter am Mittwoch (03.06) für den Juni-Termin mit 3.290 Euro je Tonne. Da sind rund 540 Euro mehr als vor zwei Wochen. Für die Monate Juli und August wurden 3.390 bzw. 3.400 Euro je t notiert. Damit sind die Butterpreise für diese beiden Termine in den letzten beiden Wochen ebenfalls um rund 500 Euro gestiegen und sie notieren noch 100 höher als der Junikontrakt.

Offenbar rechnet der Markt mit einer weiteren Erholung der Nachfrage und der Preise. Im europäischen Großhandel haben die Preise für Butter zuletzt ebenfalls zugelegt. Der durchschnittliche Butterpreis lag am 31. Mai bei 296 Euro je 100 kg. Zwei Woche zuvor wurden 281 Euro gezahlt.

Im deutschen Großhandel wurden am 31. Mai Butterpreise von 311 Euro notiert. Das waren 31 Euro mehr als vor zwei Wochen und außerdem 15 Euro mehr als im Schnitt der EU. In den Niederlanden wurden Butter mit 310 Euro je 100 kg gehandelt. Das waren sogar 45 Euro mehr als vor zwei Wochen und ähnlich viel als in Deutschland.

Magermilch: Preise steigen im Juni deutlich

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Die Preise für Magermilch-Pulver (MMP) haben sich am europäischen Terminmarkt zuletzt ebenfalls deutlich erholt. Am Mittwoch (03.06) lagen die Kurse für den Juni-Kontrakt bei 2.210 Euro je Tonne und damit etwa 243 Euro höher als vor zwei Wochen.

Für die Monate Juli und August wurden jeweils 2.250 Euro je Tonne notiert und damit die gleichen Preise wie zwei Woche zuvor. Gleichzeitig lagen die Kontraktpreise für Juni etwa auf dem Niveau der aktuellen Kassapreise.

Im europäischen Großhandel lagen die Preise für Magermilchpulver (MMP) am 31. Mai bei 204 Euro je 100 kg. Das waren 10 Euro mehr als vor zwei Wochen. Aus dem deutschen Großhandel wurden MMP-Preise von 209 Euro gemeldet. Das waren ebenfalls 10 Euro mehr als vor zwei Wochen.

In den Niederlanden notierte man MMP mit 217 Euro je 100 kg und damit 20 Euro höher als vor zwei Wochen und 8 Euro höher als in Deutschland.

Käsepreise stabilisieren sich, Vollmilchpulver etwas höher

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Die Preise für Käse (Edamer) haben sich im europäischen Großhandel nach einem Rückgang in der ersten Maihälfte wieder leicht erholt. Damit hat sich die wichtigste wertmäßige Verwertung der Milch wieder stabilisiert.

Die Kommission meldete am 31. Mai für Edamer im europäischen Mittel Preise von 292 Euro je 100 kg. Das ist ein Rückgang von etwa 20 Euro seit Anfang Mai. Die europäischen Cheddar-Preise notierten zuletzt bei 301 Euro je 100 kg und etwa 5 Euro niedriger als vor zwei Wochen.

Für Vollmilchpulver (VMP) haben die Preise im europäischen Großhandel ebenfalls wieder zugelegt. Die Kommission meldete am 31. Mai für die EU durchschnittliche VMP-Preise von 268 Euro je 100 kg. Das ist ein Plus von 5 Euro in den letzten beiden Wochen.

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