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Milchliefervertrag

Milchmenge: Bayerns Privatmolkereien sehen keinen Handlungsbedarf

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Josef Koch, agrarheute
am
03.05.2018

Der politische Druck auf die Milchindustrie nach modernernen Lieferverträgen wächst. Doch bayerische Privatmolkereien halten solche Forderungen für überflüssig, weil sie angeblich keine Marktkrisen verhindern.

Milchabholung auf Hof

Die wiederholte Aufforderung, die Lieferbeziehungen zwischen Molkereien und Erzeugern zum Schutz vor Preiseinbrüchen oder Marktkrisen zu modernisieren, weist die Interessengemeinschaft Privater Milchverarbeiter Bayerns als nicht nachvollziehbar zurück.

Damit reagieren die Molkereien auf die Forderung der neuen bayerischen Agrarministerin Michaela Kaniber, die Milchlieferrechtsbeziehungen zu überarbeiten.

Nach Darstellung der Interessengemeinschaft verfügen alle Mitgliedsunternehmen bereits über eine effiziente Rohstoffplanung. Milchkaufverträge mit konkreten Preisen und Mengen, die eine hinreichende Steuerung der Rohmilchmenge ermöglichen, seien im privatwirtschaftlichen Bereich seit langem Standard, so der Verband. Für die Milcherzeuger ergebe sich dadurch, genau wie für die Molkerei, Planungssicherheit. Der Marktmechanismus von Angebot und Nachfrage lasse sich dadurch aber nicht vermeiden.

Internationaler Markt verursacht Preisschwankungen

Die Ursachen für das Schwanken der Preise liegen nach Überzeugung der Verbandsspitze in den Gesetzen des international aufgestellten Milchmarktes, die Molkereien durch Steuerungselemente nicht beeinflussen könnten.

„Unter Erkenntnis dieser Marktzusammenhänge wirkt es aus privatwirtschaftlicher Sicht realitätsfremd, wenn in der öffentlichen Diskussion der Eindruck erweckt wird, dass durch eine Neuregelung des Vertragsverhältnisses zwischen Erzeuger und Molkerei wiederkehrende Preiseinbrüche vermieden werden könnten. Zumal unsere Milcherzeuger den unternehmerischen Handlungsspielraum schätzen, den ihnen das bestehende privatwirtschaftliche Vertragsmodell bietet“, erklärte der Vorstand des Verbandes.

In der aktuellen Maiausgabe von agrarheute berichten wir, welche Erfahrungen Milcherzeugergemeinschaften mit Mengenvereinbarungen haben und wie sich Milcherzeuger gegen Milchkrisen aufstellen. 

Wer hinter der Interessengemeinschaft steckt

Dem Vorstand der Interessengemeinschaft Privater Milchverarbeiter Bayerns e.V. gehören Vertreter der Unternehmen Bergader, Jäger, Meggle, Müller und Zott an.

Der Verband vertritt nach eigenen Angaben die umsatzstärksten Unternehmen der privaten bayerischen Milchwirtschaft. Diese verarbeitet aktuell mehr als 50 Prozent der jährlich über 8 Mrd. kg im Freistaat produzierten Milch.

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Aktuelles Heft Dezember 2018

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