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Milchmarkt

Milchpreis: Molkerei Witzwort schlägt mit Festpreis die Großen

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Josef Koch, agrarheute
am
20.04.2018

Während die großen Molkereien noch an börsenbasierten Festpreisen für Milcherzeuger arbeiten, bietet die Molkerei Witzwort einen solchen seit dieser Woche an.

Milchkühe im Mlekstand

DMK und Hochwald arbeiten noch intensiv an Festpreisen für Milch, die über die Börse absicherbar sind. Eine kleine Genossenschaft in Schleswig-Holstein zeigt den Großen, wie es gehen kann.

Die Osterhusumer Meierei Witzwort eG bietet ab Mai 2018 ihren Milcherzeugern für jeweils zwölf Monate im voraus einen festen Preis für die Milch an. Damit ist die Witzworter Meierei die erste Genossenschaftsmeierei, die einen börsenbasierten Festpreis Milch in Deutschland anbietet. Das Modell wurde zusammen mit dem ife Institut Kiel und der H.J. Kiefer GmbH  in Bad Kreuznach entwickelt.

Einmal im Monat werden den Landwirten Festpreise für die nächsten zwölf Monate angeboten, die sich aus den Börsenpreisen für Butter- und Magermilchpulver an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig ableiten. Die Milcherzeuger selbst benötigen dafür kein Börsenwissen. Auch müssen die Landwirte keine Sicherheiten und Nachschüsse stellen, welche die Liquidität auf den Höfen belasten würde.

Mindestmenge 10.000 kg pro Monat

Ab einer Mindestmenge von 10.000 kg je Monat und bis maximal 50 Prozent der einzelbetrieblichen Milchmenge können Landwirte in das Festpreismodell einbringen. Die relativ niedrige Mindestmenge erleichtert auch für kleinere Milchviehhalter, einen Festpreis an der Börse abzuschließen. 

Wer am Festpreismodell nicht teilnimmt, den belastet die Meierei nicht mit den Kosten der Preisabsicherung. Milcherzeuger haben nach agrarheute-Recherchen jeweils 2 Tage Zeit, um sich für einen  Festpreis an der Börse zu entscheiden. Innerhalb eines kurzen Zeitfensters von 11:00 bis 15.00 Uhr müssen interessierte Landwirte den Zuschlag zum Festpreis erteilen. Sollten die Kurse für Butter und Magermilchpulver an der Börse anschließend schnell fallen, kann es sein, dass die Molkerei den gewünschten Festpreis nicht bestätigen kann. Der Milchviehhalter erhält in einem solchen Fall keinen Preis garantiert.

Grundlage für den jeweiligen Milchpreis ist der ife-Börsenrohstoffwert abzüglich einer Basis von rund 1 Cent/kg. Aktuell liegt zum Beispiel für Juli und August der ife-Börsenrohstoffwert bei um die 35 Cent/kg.

Über die Internetseite der Meierei erfolgt der Informationsaustausch mit den Milcherzeugern. Die Mengen- und Preisinformationen gehen dann an das kooperierende Börsenhandelsunternehmen Kiefer GmbH, das gemeinsam mit dem internationalen Börsenhandelsunternehmen FC Stone im Auftrag der Meierei Witzwort die Milchpreise und Milchmengen über die EEX-Milchterminkontrakte absichert.

„Mit dem Festpreisangebot für unsere Milcherzeuger entsprechen wir den Anforderungen unserer Milcherzeuger nach Modernisierung der Lieferbeziehungen“, so Frank Petersen, Aufsichtsratsvorsitzender der Meierei in Witzwort. „Die Meierei sammelt schon seit vier Jahren Erfahrungen an der Milchterminbörse.

Maximal 1 Mio. kg absicherbar

In der letzten Milchpreiskrise haben wir dann die Entscheidung getroffen, ein auf der Börse basierendes Preisabsicherungsmodell direkt für unsere Milchlieferanten zu entwickeln. Das ist ein erster Einstieg in die Absicherung von zukünftigen Milchpreisen. Wir erwarten dadurch keinen höheren Milchpreise, aber stabilere Milchpreise für unsere Milcherzeuger. Das Absicherungsmodell umfasst zu Beginn 1 Mio. kg je Monat und wird zusammen mit unseren Milcherzeugern und Partnern weiterentwickelt.“

Die Osterhusumer Meierei Witzwort eG ist eine im Ort Witzwort in Schleswig-Holstein an der Nordseeküste gelegene Genossenschaftsmolkerei. Die rund 200 Mio. kg gentechnikfreie Rohmilch der Landwirte verarbeitet sie zu Frischmilch, Butter, Sahne und Joghurt. Vermarktet werden unter anderem regionale Weidemilch- und Biomilchprodukte.

In der kommenden Maiausgabe von agrarheute berichten wir exklusiv, wie sich die Milchbranche künftig gegen Marktkrisen wappnen will, und über Erfahrungen mit modernen Milchlieferverträgen, in denen feste Mengen vereinbart sind.

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