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Milchmarkt

Milchpreis: Spotmilch stürzt unter 20 Cent

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© Imago/Christian Ohde
von am
19.12.2017

Die Preise für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch sind Ende Dezember dramatisch abgestürzt.

Spotmilch
© Olaf Zinke

In Deutschland lagen die Spotmilchpreise nur noch zwischen 17 und 19 Cent und damit nochmals 8 bis 10 Cent niedriger als zum Beginn des Monats. Auch bei unseren niederländischen Nachbarn sind die Spotmarktpreise auf rund 18 Cent gefallen.

Damit haben sich die Preise für Spotmilch seit November fast halbiert und befinden sich kurz vor dem Jahreswechsel auf dem tiefsten Stand seit dem letzten Rekordtief vom April 2016. Im November wurde die Spotmilch in Deutschland noch mit knapp 35 Cent gehandelt, im Oktober wurden 36,5 Cent gezahlt und den bislang höchsten Wert hatten die Spotmilchpreise in Deutschland im September mit 42,5 Cent.

Davon ist man derzeit meilenweit entfernt. Und die Differenz zwischen den Spotmarktpreisen und den letzten Auszahlungspreisen für Rohmilch ist riesig.

Die Auszahlungspreise für Milch mit natürlichem Fettgehalt in Deutschland lagen nach den Daten der Europäischen Kommission im Oktober bei 40,34 Cent und damit nochmals höher als im September mit 39,4 Cent.

Bisher orientierte sich der Spotmarkt bei der Preisfindung an der Rohstoffverwertung (Preise für Butter und Magermilch) an den Terminbörsen und den davon abgeleiteten Preisen. Mittlerweile sind die Spotmarktpreise jedoch deutlich unter die Rohstoffverwertung gefallen.

Wieder mehr Milch am Markt

Anlieferung Milch
© Olaf Zinke

Mitte Dezember war die wöchentliche Milchanlieferung in Deutschland 4,5 % höher als im vorigen Jahr. Ende November lag der Zuwachs ebenfalls schon bei 4,5 % und Mitte November übertraf die Anlieferung den Vorjahreswert zeitweise um 5,4 %.

Nach den letzten offiziell von der BLE gemeldeten Daten übertraf die angelieferte Milchmenge im Monat Oktober den Vorjahreswert um 4,5 %. Für den September wurde ein Zuwachs von 2,6 % gemeldet und im August lag das Plus erst bei 0,4 %.

Im Juli gab es hingegen noch einen Rückstand von 0,9 %. Ab September übersteigt die Anlieferung (wie in den meisten anderen EU-Ländern) das Vorjahresniveau jedoch deutlich.

In der Summe der ersten zehn Monate des Jahres (Januar bis Oktober) war die gesamte deutsche Anlieferung (kumulativ) noch 1,7 % kleiner als im Jahr zuvor.

Preise für Milchprodukte weiter unter Druck

Maßgeblich für den Rückgang der Spotmarktpreise sind neben der wachsenden Milchmenge die ab der zweiten Septemberhälfte deutlich rückläufigen Großhandelspreise (Milchverwertung) für Milchprodukte. Insbesondere die Preise für Butter, aber auch für Magermilch- und Vollmilchpulver, sind seit Oktober kräftig gefallen.

Anfang Dezember notierten die Butterpreise in Deutschland nur noch bei 469 Euro je 100 kg und damit 18 % unter dem Preis von Oktober (570 Euro) und 32 % unter dem dem letzten Allzeithoch von September von 690 Euro. Die Preise für Käse gingen seit Oktober um 11 % zurück und lagen für Edamer zuletzt nur noch bei 312 Euro je 100 kg.

Gleichzeitig gaben auch die Großhandelspreise für Magermilchpulver weiter nach und fielen in Deutschland Anfang Dezember auf nur noch 144 Euro und damit deutlich unter den Interventionspreis (168 Euro) und zudem auf ein neues Allzeittief. Auch für Vollmilchpulver gingen die Preise seit Oktober um etwa 13 % auf 267 Euro zurück.

Fallen die Milchpreise 2018 unter 30 Cent?

Rohstoffwert
© Olaf Zinke

Die finanzielle Verwertung der Milch über die Milchprodukte hatte im September ihren Höhepunkt erreicht. Im Oktober hatte sich die Milchverwertung bereits deutlich verschlechtert, jedoch lagen Verwertung und Milchpreise noch etwa auf gleichem Niveau.

Im November und Dezember ging es für die Milchverwertung dann weiter kräftig nach unten. Damit ist die Schere zwischen der finanziellen Verwertung der Milch und den Milchpreisen zuletzt deutlich auseinander gelaufen und der Druck auf die Milchpreise hat kräftig zugenommen.

Der vom Ife-Institut in Kiel aus der Verwertung von Butter und Magermilch errechnete Rohstoffwert der Milch lag im Oktober bei 39,3 Cent und ist im November dann nochmals deutlich auf nur noch 32,90 Cent gefallen und damit gut 7 Cent unter den letzten Milchpreis von 40,3 Cent.

Der aus den Terminmarktpreisen von Butter und Magermilch errechnete Börsenmilchwert rutschte für den Dezember auf 28,0 Cent nach unten und fällt im neuen Jahr sogar bis auf die 26-Cent-Marke. Gleichzeitig lag der letzte von der Europäischen Kommission für Deutschland gemeldete Auszahlungspreis (natürlicher Fettgehalt) im Oktober bei 40,3 Cent und damit deutlich über der derzeitigen Verwertung.

Die Spotmarktpreise sind allerdings noch deutlich unter die Rohstoffverwertung gefallen.

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