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Milchmarkt und Milchpreise 2021

Milchpreise: 50 Cent zahlen die Molkereien für Spotmilch

Kuh melken.
am Donnerstag, 07.10.2021 - 12:25 (1 Kommentar)

Die Preise für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch steigen Anfang Oktober regional auf über 50 Cent.

Rohstoffwert Milch.

Das heißt eindeutig: Rohmilch muss für die Molkereien ausgeprochen knapp sein. Denn solche hohen Preise hat zuvor noch nicht gegeben. Im Schnitt handeln die deutschen Molkereien die Spotmilch im Norden und Westen etwa mit 46,50 Cent je kg und im Süden mit 50,0 Cent je kg und noch etwas mehr. Außerdem werden auch aus den sehr eng mit dem nordwestdeutschen Milchmarkt verbundenen Niederlanden Spotmilchpreise von 45,50 Cent gemeldet.

Dahinter steckt eine erhebliche Verknappung des Rohstoffangebotes und kräftig steigende Spotmarktpreise für Milchprodukte. Ende September lag die deutsche Anlieferungsmenge bei Rohmilch rund 2,3 Prozent unter dem Vorjahr. Die süddeutsche Butterbörse sagt deshalb zur Marktlage: „Der Milchmarkt kennt zurzeit nur eine Richtung und die geht nach oben. Dies ist bei den Preisentwicklungen am Spotmarkt für Flüssigrohstoffe und bei den Milcherzeugnissen zu spüren. Hohe Futtermittelkosten beeinträchtigen zudem die Milchanlieferungsmengen und die Milchinhaltsstoffe.“

Noch ist der Abstand zu den Milchpreisen die die Molkereien an die Milchbauern zahlen aber ziemlich groß. Doch das dürfte sich angesichts der sich verschärfenden Marktlage bald ändern. Der letzte offiziell von der BLE gemeldete Milchpreis, für Milch mit 4 % Fett und 3,4 % Eiweiß, lag für den Monat Juli nur bei 35,79 Cent und damit meilenweit von den derzeitigen Spotmilchpreisen entfernt, auch wenn diese die letzten beiden Monate nochmals leicht gestiegen sind. Da ist noch sehr viel Luft nach oben.

Sehr hohe Kosten für Milchbauern – aber die Milchpreise steigen

Butterpreise.

Die Preise für fast alle Milchprodukte steigen ebenfalls deutlich an. Im Großhandel und an den Spotmärkten geht das ganz offensichtlich schneller als bei den über längerfristige Kontrakte gehandelten Milchprodukten. Die süddeutsche Butterbörse berichtet ebenfalls über steigende Preise für Milchpulver, Butter und Käse.

Der enorme Anstieg der Energiepreise und die massiven Logistikprobleme verschärfen die Situation zusätzlich. Denn bei einem sehr knappen Angebot an Milch und Milchprodukten steigen die Kosten für Transport und Produktion auch in den Molkereien steil an. Gleiches gilt allerdings auch für die Milchbauern, bei denen die Produktionskosten ebenfalls ein Allzeithoch erreicht haben – denn auch sie treffen die hohen Preise für Strom, Diesel, Heizöl und Futter mit voller Wucht.

Um diese Kosten zu decken werden dringend höhere Milchpreise als die oben genannten knapp 36 Cent benötigt. Das Probelm macht der riesige Abstand der Erzeugerpreise zu den Spotmarktpreisen deutlich, der derzeit etwa zwischen 9 und 14 Cent liegt – und in dieser Größenordnung nicht zu rechtfertigen ist. Die finanzielle Verwertung der Milch hatte sich schon im September deutlich verbessert – und dürfte im Oktober nochmals  besser werden und auch die Milchpreise mit nach oben ziehen.

Das zeigt auch der letzte vom Ife-Institut in Kiel berechnete Rohstoffwert der Milch – der die Preisentwicklung bei Butter und Magermilchpulver abbildet. Der Rohstoffwert legte im September bereits kräftig zu: Von 36,5 Cent/kg auf immerhin 38,5 Cent/kg. Das war ein Aufschlag von 2,4 Cent und der beste Rohstoffwert seit vier Jahren – also seit Sommer 2017. Ursache waren diesmal sowohl die deutlich besseren Butterpreise als auch der kräftige Preisanstieg bei Milchpulver.

Börsenmilchwert bei knapp 43 Cent - Rohstoffmangel

magermilch.

Für die nächsten Monate sieht die Sache aber noch viel besser aus. An den Terminbörsen und im Großhandel zeigt die Preiskurve für Butter und Milchpulver nämlich weiter nach oben. Eine Ende des Preisanstiegs ist also nicht in Sicht. Lediglich bei Käse steigen die Notierungen derzeit etwas langsamer an. Aber sie steigen.

Gut sichtbar wird die aktuelle Preisrally durch den ebenfalls vom Kieler ife-Institut berechneten Börsenmilchwert, dem mit Abstand schnellster Frühindikator für den Milchpreis. Er wird täglich aus den Terminmarktpreisen von Butter und Magermilch berechnet. Für den 5. Oktober ergab sich ein Börsenmilchwert von 42,7 Cent für die Monate Oktober bis Dezember. Danach gehen die Preise leicht auf 42,3 Cent zurück. Im Vergleich zum Rohstoffwert bedeuten die aktuellen Börsenwerte einen weiteren Anstieg von etwa 4,2 Cent.

Schaut man auf die Preisentwicklung im europäischen Großhandel, wird deutlich warum die Rohstoffwerte steigen. Anfang Oktober wurde Butter am europäischen Spotmarkt mit 427 Euro je 100 kg gehandelt – das sind rund 30 Euro mehr als vier Wochen zuvor und gleichzeitig die höchsten Preise seit Ende 2018. Die süddeutsche Butterbörse sagt: „Die Nachfrage nach Milchfett ist nun schon seit  einigen Wochen ungebrochen hoch. Die Preise für Sahne auf dem Spotmarkt werden zum Teil schon als überhitzt bezeichnet. Eine Wertschöpfung über Butter oder  andere Produkte ist aktuell sehr schwierig.“

Ähnlich ist die Lage bei Milchpulver. Hier werden für Magermilchpulver an den europäischen Spotmärkten Anfang Oktober 269 Euro je 100 kg gezahlt – fast 20 Euro mehr als vor vier Wochen und die höchsten Preise seit 5 Jahren. Die süddeutsche Butterbörse sagt: „Im Moment ist es schwierig, die bestehenden Kontrakte ordnungsgemäß zu bedienen. Neugeschäfte können nur bedingt abgeschlossen bzw. gedeckt werden. Bestände sind kaum vorhanden.“  

Auch das Angebot bei Vollmilchpulver ist knapp. Hier liegen die Spotmarktpreise bei 333 Euro je 100 kg und damit knapp 20 Euro höher als vor vier Wochen und ebenfalls auf dem höchsten Stand seit vier Jahren.

Aus Deutschland werden für Butter Spotpreise von 455 Euro je 100 kg gemeldet und für Magermilch von 281 Euro je 100 kg. Das sind für beide Produkte noch weitaus höhere Preise als im europäischen Durchschnitt.

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