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Milchmarkt 2020

Milchpreise: Die Corona-Krise ist noch nicht vorbei

Milchbauer
am Donnerstag, 26.03.2020 - 06:11 (Jetzt kommentieren)

Die Entwicklung am Milchmarkt ist weiter von Auswirkungen und Maßnahmen der Corona-Epidemie geprägt.

Dennoch hat sich Lage im Vergleich zur Vorwoche etwas beruhigt. Das zeigen auch die Preise an den Spotmärkten für Milch und Milchprodukte: Diese haben sich wieder etwas von ihrem panikartigen Absturz aus der Vorwoche erholt.

Die Nachfrage nach Milchprodukten entwickelt sich jedoch weiter sehr unterschiedlich. Je nachdem ob die Ware bei Hamsterkäufen im Lebensmittelhandel ungewöhnlich stark nachgefragt ist – wie haltbare Milch oder auch Päckchen-Butter – oder ob es Milch-Produkte sind, die in saisonüblichen Mengen abfließen."Die Aufträge seitens des Lebensmitteleinzelhandels sind aktuell doppelt so hoch wie in einer "normalen Woche" um diese Zeit", sagt der Sprecher des Deutschen Milchkontors (DMK), Oliver Bartelt. Gleichzeitig ist der Verkauf in die Gastronomie tot.

Hinzu kommt jedoch ein zunehmend schwieriger Verkauf in andere EU-Länder – insbesondre nach Italien, aber auch in andere Staaten mit Quarantänemaßnahmen. "Wir haben eine extreme Änderung der Warenströme innerhalb sehr kurzer Zeit", beobachtet Hans-Jürgen Seufferlein, vom Verband der Milcherzeuger Bayerns.

Terminmärkte zeigen weiter nach unten

Milch

Preisdruck kommt nach Auskunft von Molkereien und Händlern jedoch auch aus dem Exportgeschäft – ganz besonders bei Milchpulver. Dieses Problem zeigt sich weiterhin sehr deutlich an den Terminmärkten. Dort sind die Kontraktpreise für Milchpulver und Butter – für den Monat April – deutlich niedriger als für den März. „Die Notierungen an den Börsen sind aber die Vorboten des physischen Marktes“, warnt Peter Guhl von der Nord MeG.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die in Deutschland an Molkereien gelieferte Milchmenge liegt weiterhin deutlich über dem Vorjahr – auch wenn der Zuwachs zuletzt wieder etwas kleiner war. In der zweiten Märzhälfte wurden etwa 2,0 Prozent mehr Milch an Molkereien geliefert als im Vorjahr. Zum Monatsbeginn betrug der Zuwachs zeitweise sogar 2,5 Prozent. Im Februar hatten die Molkereien zwischen 1,7 Prozent und 1,3 Prozent mehr Milch gemeldet.

In Verbindung mit den derzeitigen Problemen auf der Absatzseite könnte der kräftige Angebotszuwachs bei Rohmlich den Druck auf die Milchpreise weiter erhöhen. 

Spotmilch und Börsenmilch erholen sich etwas

Milchgeld

Doch erst einmal hat sich der Markt wieder stabilisiert: Die Preise für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch haben sich nach dem Absturz in der Vorwoche wieder deutlich erholt. Je nach Region bewegen sich die Kurse wieder zwischen 31,50 Cent je kg und 32,50 Cent. Zur Vorwoche sind die Spotmilchpreise damit zwischen 3,0 und 1,5 Cent nach oben geklettert und haben fast wieder das Niveau von vor der Corona-Panik erreicht.

Der aus der finanziellen Verwertung von Butter und Magermilch errechnete ife-Rohstoffwert ist im Februar erstmals seit Juli vorigen Jahres zurückgegangen. Das Ife-Institut in Kiel errechnete einen Wert von 35,5 Cent/kg. Das waren 0,7 Cent weniger als Januar mit 36,2 Cent ermittelt wurden.

Der am Mittwoch (25.03) aus den tagesaktuellen Terminmarktpreisen von Butter und Magermilch errechnete Ife-Börsenmilchwert lag allerdings noch deutlich niedriger. Doch auch die Börsenmilchwerte haben sich gegenüber dem Absturz der Vorwoche wieder leicht erholt.

Für den auslaufenden Monat März ergibt sich ein fast unveränderter Wert von 32,2 Cent. Für den April errechnet sich nur ein Rohstoffwert von 29,2 Cent. Das sind zwar 1,7 Cent mehr als in der Vorwoche, zugleich jedoch 6,3 Cent weniger als der aktuelle Ife-Rohstoffwert ausweist. Bis zum Jahresende werden auf Basis der Rohstoffverwertung dann Preise zwischen 28,9 Cent und 30,8 Cent errechnet

Butterpreise fangen sich wieder

Butter Block

Am europäischen Terminmarkt (EEX) handelte man Butter am Mittwoch (25.03) für den auslaufenden März-Termin mit 3.375 Euro je t. Für die Monate April und Mai wurden nur noch 3.200 Euro je t notiert. Damit haben sich die Butterpreise für diese beiden Termine gegenüber der Vorwoche nicht verändert, notieren jedoch 175 Euro niedriger als der Märzkontrakt.

Außerdem sind das die niedrigsten Butterpreise seit mehr als drei Jahren (Juni 2016). Und der Terminmarkt für die kommenden Monate bewegt sich derzeit recht deutlich unter den am europäischen Kassamarkt notierten Butterpreisen.

Im europäischen Großhandel haben sich die Preise für Butter jedoch ebenfalls wieder etwas gefangen. Der durchschnittliche Butterpreis lag – wie in der Vorwoche – bei 350 Euro je 100 kg. Vor vier Wochen wurden allerdings noch 360 Euro je 100 kg gezahlt. Im deutschen Großhandel wurden Mitte März Butterpreise von 359 Euro notiert. Das waren 5 Euro mehr als in der Vorwoche und fast 10 Euro mehr im Schnitt der EU.

Offenbar haben Hamsterkäufe im LEH die Preise hierzulande zeitweise deutlich nach oben getrieben. Händler berichten jedoch, dass sich die Handelsmengen bei Markenbutter zuletzt wieder auf ein normales Niveau eingependelt haben. In den Niederlanden wurde Butter im Großhandel zuletzt nur noch mit 341 Euro je 100 kg gehandelt. Das war Minus von etwa 5 Euro zur Vorwoche.

Im April ist Magermilch noch billiger

Milchpulver

Auch die Preise für Magermilch-Pulverpreise (MMP) haben sich am europäischen Terminmarkt stabilisiert. Am Dienstag (24.03) lagen die Kurse für den auslaufenden März-Kontrakt bei 2.300 Euro je Tonne und damit auf dem gleichen Niveau wie ind er Vorwoche. Für die Monate April und Mai wurden 2.075 Euro je Tonne notiert und damit rund 100 Euro mehr als in der Vorwoche. Dennoch liegen die Kontraktpreise etwa 345 Euro unter dem Niveau der aktuellen Kassapreise.

Ähnlich wie bei Butter würde sich die finanzielle Verwertung der Milch also in den nächsten Monaten weiter verschlechtern. Im europäischen Großhandel lagen die Preise für Magermilchpulver (MMP) Mitte März bei 242 Euro je 100 kg. Das waren 12 Euro weniger als in der Woche zuvor und 20 Euro weniger als im Januar.

Aus Deutschland wurden Mitte März MMP-Preise von 235 Euro gemeldet. Das waren 17 Euro weniger als in der Woche zuvor. In den Niederlanden notierte man MMP nur noch mit 223 Euro je 100 kg und damit 23 Euro niedriger als in der Vorwoche und 12 Euro niedriger als in Deutschland.

Absatzprobleme bei Käse nehmen zu

Käselager

Die Preise für Käse (Edamer) waren im europäischen Großhandel Mitte März weiterhin stabil. Damit hat sich die wichtigste wertmäßige Verwertung der Milch nicht verschlechtert. Zur Monatsmitte bewegten sich die Käsepreise im europäischen Großhandel jedenfalls seitwärts.

Aus Deutschland meldete man allerdings einen eingeschränkten Verkauf in andere EU-Länder – insbesondre nach Italien, aber zunahmend auch in andere Staaten mit Quarantänemaßnahmen. Das könnte die Preise zunehmend unter Druck setzten.

Die Kommission meldete für Edamer im Mittel noch Preise von 326 Euro. Die europäischen Cheddar-Preise notieren zuletzt ebenfalls stabil bei 305 Euro je 100 kg. Für Vollmilchpulver (VMP) sind die Preise im europäischen Großhandel hingegen zurückgegangen. Die Kommission meldete Mitte März für die EU durchschnittliche VMP-Preise von 296 Euro. Das ist ein Minus von 4 Euro gegenüber der Vorwoche.

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