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Milchmarkt 2020

Milchpreise: Corona-Panik sorgt für Turbulenzen

Milchbauer
am Donnerstag, 19.03.2020 - 10:00 (1 Kommentar)

Nun treffen die Folgen der Corona-Epidemie auch den Milchmarkt mit voller Wucht.

Während die Preisabschläge für Milchprodukte sich im März noch in Grenzen halten, zeigen die Terminmarktpreise für April und Mai steil nach unten. Für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch brechen die Preise bereits scharf ein. Grund für den Absturz der Rohstoffindikatoren dürften zum einen die Panikreaktionen an den Märkten sein und die große Unsicherheit wie es mit der Nachfrage und den Absatzmöglichkeiten weiter geht.

Hinzu kommen die unterbrochenen Lieferketten, die sowohl den Absatz als auch die Zulieferung von Rohprodukten unterbrechen und erschweren. Sowohl China als auch Italien gehören zudem für deutsche Molkereien zu den wichtigsten Absatzmärkten. Diese Probleme schlagen  mit einiger Verzögerung auch auf die Entwicklung der wichtigsten Milchpreis-Indikatoren am deutschen Binnenmarkt durch.

International zeigen die Exportpreise für Milchprodukte ebenfalls steil nach unten. An der globalen Handelsplattform GDT gaben die Kurse diese Woche das vierte Mal in Folge kräftig nach. Unter besonders starkem Druck standen diesmal Mager- und Vollmilchpulver, wichtige Produkte für den chinesischen Markt.

Als wäre das nicht schon genug, wächst auch die Milchmenge. Die Anlieferung lag in Deutschland Mitte März immerhin 2,5 Prozent höher als im Vorjahr. Zwei Wochen zuvor betrug der Zuwachs noch 1,7 Prozent und im Februar hatten die deutschen Molkereien 1,3 Prozent mehr Milch gemeldet.

Absturz bei Spotmilch und Börsenmilch

Milchtank

Die Preise für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch sind Mitte März regelrecht abgestürzt. Je nach Region bewegen sich die Kurse derzeit nur noch zwischen 28,50 Cent je kg und 31,0 Cent je kg. Im Vergleich zur Vorwoche sind die Spotmilchpreise damit zwischen 3,0 und 4,0 Cent gefallen. Damit handelten die deutschen Molkereien die Spotmilch außerdem 3,94 bis 6,55 Cent unter dem letzten für Deutschland gemeldeten Rohmilchpreis. Diesen gab die EU-Kommission im Januar für Milch mit natürlichem Fettgehalt mit 34,94 Cent an.

Der aus der finanziellen Verwertung von Butter und Magermilch errechnete ife-Rohstoffwert ist im Februar zum ertsen Mal seit Juli vorigen Jahres zurückgegangen. Das Ife-Institut in Kiel errechnete einen Wert von 35,5 Cent/kg. Das sind 0,7 Cent weniger als Januar mit 36,2 Cent. Im März und vor allem im April dürfte der Rohstoffwert jedoch noch viel stärker fallen - wenn man die Entwicklung bei Butter und Milchpulver betrachtet.

Der am Mittwoch (17.03) aus den tagesaktuellen Terminmarktpreisen von Butter und Magermilch errechnete Ife-Börsenmilchwert lag bereits deutlich niedriger. Vor allem für die  auf den März folgenden Termine sind die Preise sehr kräftig gefallen. Für den auslaufenden Monat März ergab sich immerhin noch ein Wert von 32,3 Cent.

Für April rauschten die Börsenmilchwerte dann jedoch auf 27,5 Cent nach unten. Das sind fast 6 Cent weniger als in der Vorwoche und zugleich 7,4 Cent weniger als der aktuelle Ife-Rohstoffwert für Februar anzeigt. Bis zum Herbst werden auf Basis der Rohstoffverwertung dann nur Milchpreise zwischen 27,2 Cent und 29,3 Cent ermittelt. Erst danach steigen die Rohstoffwerte langsam wieder an.

Butterpreise massiv unter Druck

Butter Block

Butter handelte man am europäischen Terminmarkt (EEX) am Mittwoch (18.03) für den auslaufenden März-Termin mit 3.400 Euro je Tonne. Für die Monate April und Mai wurden dann nur noch 3.170 bis 3.200 Euro je Tonne notiert. Damit haben die Kurse für diese beiden Termine gegenüber der Vorwoche nochmals um 150 bis 200 Euro nachgegeben und notieren rund 550 Euro niedriger als im Februar. Außerdem sind das die niedrigsten Butterpreise seit mehr als drei Jahren (Juni 2016). Darüber hinaus bewegt sich der Terminmarkt bereits für März und erst recht für April deutlich unter dem Niveau der aktuellen europäischen Kassapreise für Butter.

Im europäischen Großhandel gaben die Butter-Preise Mitte März ebenfalls weiter nach. Der durchschnittliche Butterpreis lag zur Monatsmitte bei 350 Euro je 100 kg. Vor vier Wochen wurden noch 360 Euro je 100 kg gezahlt und vor sechs Wochen handelte man die Butter noch mit 365 Euro je 100 kg.

Im deutschen Großhandel wurden Mitte März Butterpreise von 359 Euro notiert. Das sind überraschenderweise 5 Euro mehr als in der Vorwoche und fast 10 Euro mehr im Schnitt der EU. Möglicherweise treiben die Hamsterkäufe im LEH die Preise hierzulande etwas nach oben. In den Niederlanden wurden Butter jedoch nur noch mit 341 Euro je 100 kg gehandelt. Das ist ein Minus von etwa 5 Euro zur Vorwoche.

Terminmarkt: Preissturz bei Magermilch

Milchpulver

Auch für die Magermilch-Pulverpreise (MMP) ging es am europäischen Terminmarkt steil nach unten. Am Mittwoch (18.03) lagen die Kurse für den auslaufenden März-Kontrakt zwar noch bei 2.300 Euro je Tonne und damit 150 Euro niedriger als in der Vorwoche.

Für die Monate April und Mai wurden jedoch nur noch 1.920 Euro bzw. 1.929 Euro je Tonne notiert. Damit liegen die Kontraktpreise beinahe 400 Euro niedriger als in der Vorwoche und weit unter dem Niveau der aktuellen Kassapreise. Ähnlich wie bei Butter würde sich die finanzielle Verwertung der Milch im April also sehr stark verschlechtern.

Im europäischen Großhandel sind die Preise für Magermilchpulver (MMP) bereits im März zurückgegangen. Mitte März lag der MMP-Preis bei 242 Euro je 100 kg. Das waren 12 Euro weniger als in der Woche zuvor und 20 Euro weniger als im Januar.

Aus Deutschland wurden Mitte März MMP-Preise von 235 Euro gemeldet. Das sind 17 Euro weniger als in der vorigen Woche. In den Niederlanden notierte man MMP nur noch mit 223 Euro je 100 kg und damit 23 Euro niedriger als in der Woche zuvor und nochmals 12 Euro niedriger als in Deutschland.

Käsepreise noch immer stabil, Vollmilch im Minus

Käselager

Die Preise für Käse (Edamer) waren im europäischen Großhandel Mitte März noch stabil. Damit hat sich die wichtigste wertmäßige Verwertung der Milch nicht verschlechtert. Zur Monatsmitte bewegten sich die Käsepreise im europäischen Großhandel ebenfalls weiter seitwärts.

Die Kommission meldet für Edamer im Mittel Großhandels-Preise von 326 Euro je 100 kg. Die europäischen Cheddar-Preise notieren ebenfalls stabil bei 305 Euro je 100 kg.

Für Vollmilchpulver (VMP) sind die Kurse im europäischen Großhandel hingegen zurückgegangen. Die Kommission meldete Mitte März für die EU durchschnittliche VMP-Preise von 296 Euro. Das ist ein Minus von 4 Euro gegenüber der Vorwoche.

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