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Milchmarkt und Milchpreise

Milchpreise fallen 2023 deutlich – sagen alle Trend-Indikatoren

Milchtank.
am Donnerstag, 08.12.2022 - 15:05 (6 Kommentare)

Die Milchpreise sind bis Oktober gestiegen. Im Norden zahlen die meisten Molkereien mehr als 60 Cent. Doch das könnte sich bald ändern: Die wichtigsten Trend-Indikatoren zeigen für die nächsten Monate einen steilen Absturz der Preise – weit unter die Marke von 50 Cent.

Rohstoffwert der Milch.

Die Milchpreise für Landwirte sind bis Oktober gestiegen. Im Norden zahlten 16 Molkereien 60 Cent je kg Milch oder mehr an ihre Landwirte aus – in der Spitze bis 64 Cent. Im Süden zahlten 2 Molkereien mehr als 60 Cent und im Osten und Westen blieben die Auszahlungspreise meist knapp unter der 60-Cent-Marke.

Der letzte für September von der Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) gemeldet Preis, für Milch mit 4 % Fett und 3,4 % Eiweiß, lag bei 58,15 Cent. Der Rückstand zur Biomilch war im Laufe des Jahres auf 2,4 Cent zusammengeschmolzen – die Biobauern bekamen im September im Bundesmittel 60,55 Cent ausgezahlt und damit weniger als viele ihrer konventionellen norddeutschen Kollegen.

Im November dürfte der Preisanstieg bei den konventionellen Auszahlungspreisen jedoch zum Stillstand gekommen sein (auch bei Bio). Das zeigen die wichtigsten Trend-Indikatoren am Milchmarkt nachdrücklich. So ist der Rohstoffwert der Milch, der vom ife-Institut aus den Verkaufspreisen von Butter und Magermilchpulver errechnet wird, regelrecht eingebrochen.

Oder anders gesagt: Die Großhandelspreise für Butter und Magermilchpulver sind deutlich gefallen. Für den Monat November errechnet sich ein theoretischer Milchpreis (Rohstoffwert) von 51,9 Cent. Das ist ein Einbruch von 6,1 Cent bzw. gut 10 % gegenüber Oktober und gegenüber dem bisherigen Spitzenwert von April von 67,6 Cent ein Absturz von 15,7 Cent. Zwar sind das im historischen Vergleich immer noch hohe Preise – doch angesichts der dramatisch gestiegen Kosten, sieht diese Entwicklung nicht gut aus.

Absturz unter 50 Cent im Jahr 2023

Milchpreise.

Noch stärker als der Rohstoffwert sind die Börsenmilchwerte abgestürzt. Sie errechnen sich aus den am Terminmarkt für die nächsten Monate gehandelten Preisen für Butter und Magermilchpulver. Das sind also keine Preise für physische Ware, sondern die Erwartung an die Preisentwicklung der nächsten Monate, vor dem Hintergrund der verfügbaren Angebots- und Nachfragedaten.

Bereits für den Monat Dezember fallen die Preise dort weit unter die Marke von 50 Cent und liegen mit rund 46 Cent deutlich unter den derzeitigen Auszahlungspreisen. Für das Jahr 2023 geht der erwartete Absturz weiter: Für den Januar beträgt der Börsenwert der Milch nur noch 43,3 Cent und der Tiefpunkt ist dann mit 42,5 Cent im März erreicht.

Kostendeckende Preise sind das jedenfalls nicht mehr. Zwar sind die Börsenpreise und die Rohstoffwerte nur eine Momentaufnahme. Doch sie zeigen einen eindeutigen Trend, der sich aus den echten Preisen im Großhandel ergibt. Angesichts der fallenden Börsenmilchwerte dürfte der Rohstoffwert im Dezember ebenfalls unter die 50-Cent-Marke fallen.

Bei den Erzeugerpreisen ist davon noch nichts zu spüren, doch der Druck auf die Milchpreise dürfte massiv zunehmen. Die Preise für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch, lagen Anfang Dezember zwischen 52,50 Cent im Norden und Wesen – und 55 Cent im Süden.

Und das Angebot an Rohmilch hat mit den steigenden Milchpreisen ebenfalls kräftig zugenommen und die Molkereien haben damit wieder mehr Spielraum. Ende November lag die angelieferte Milchmenge immerhin 3,1 % über dem Vorjahr, zeigen die aktuellen Abrechnungsdaten der Milchindustrie.

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