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Milchmarkt und Milchpreise

Milchpreise fallen drastisch – Spotmilch unter 40 Cent

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am Donnerstag, 29.12.2022 - 12:37 (2 Kommentare)

Die Milchpreise fallen am Spotmarkt im Dezember unter 40 Cent. Auch die Preise für die wichtigsten Milchprodukte gehen im Großhandel steil nach unten. Dieser Preisdruck wird in den nächsten Monaten auch bei den Milchbauern ankommen. Wo der neue Milchpreis und das Marktgleichgewicht dann liegt, ist aber unklar.

Milchpreise.

Fast unbemerkt zeichnet sich am Milchmarkt ein scharfer Kurswechsel ab. Während die Erzeugerpreise bis Oktober noch steil angestiegen sind – und im Bundesmittel auf einem Rekordstand von 59,33 Cent je kg Milch kletterten, zeigen die Preise für Milchprodukte wieder steil nach unten.

Das heißt: Die finanzielle Verwertung der Milch verschlechtert sich geradezu dramatisch. Das lässt sich an drei wichtigen Trend-Indikatoren ablesen: Da ist zunächst der Rohstoffwert der Milch – der vom ife-Institut aus den realen Marktpreisen von Butter und Magermilch im Großhandel errechnet wird.

Ein weiterer wichtiger Indikator sind zudem die Preise, die für die zwischen den Molkereien gehandelte Milch am Spotmarkt gezahlt werden. Und weiter in die Zukunft gerichtet ist der Börsenmilchwert. Dieser errechnet sich aus den für die nächsten Monate am Terminmarkt notierten Preisen von Butter und Magermilchpulver.

Bei allen diesen Indikatoren zeigt die Preiserwartung steil nach unten.

Rohstoffwert im November bei 51,9 Cent – minus 6,1 Cent

Nimmt man den letzten Auszahlungspreis für Rohmilch von 59,33 Cent als Ausgangspunkt, dann liegt der für Oktober errechnete Rohstoffwert der Milch, mit 58 Cent nur knapp darunter.

Dabei lag der Rohstoffwert in der Spitze im März und April zwischen 67,5 Cent und 66,6 Cent – während die Milchbauern für ihre Milch damals gerade einmal zwischen 45 und 47 Cent bekamen und damit rund 20 Cent weniger. Mittlerweile hat der Markt jedoch gedreht. Die wichtigsten Milchprodukte werden im Großhandel derzeit deutlich billiger gehandelt als zur Jahresmitte.

Der Rohstoffwert fiel deshalb im November auf 51,9 Cent – ein Minus von 6,1 Cent zum Vormonat. Und die Rohstoffwerte zeigen weiter steil nach unten, denn die Preise für die wichtigsten Milchprodukte sind bis Dezember weiter kräftig gefallen. So kostet Butter im europäischen Großhandel Ende Dezember noch 595 Euro je kg. Das sind nochmals 95 Euro weniger als im November.

Bei Magermilch beträgt der Rückgang gegenüber dem Vormonat rund 60 Euro auf knapp 300 Euro je 100 kg. Und auch bei Käse fallen die Preise – wenn auch nicht so stark wie bei Butter und Magermilch.

Spotmilchpreise fallen unter 40 Cent

Der nach unten gerichtete Preistrend schlägt sich auch bei den Preisen am Terminmarkt nieder. Dort kostet der Butterkontrakt für den Januar nur noch 515 Euro je 100 kg und der Februar wird 504 Euro gehandelt.

Bei Magermilch gehen die Kurse am Terminmarkt ebenfalls weiter nach unten. Magermilch kostet für den Januartermin nur noch 277 Euro je 100 kg. Daraus errechnet das ife-Institut für Januar 2023 einen Börsenmilchwert (bzw. einen theoretischen Milchpreis) von 41,9 Cent und für den Februar von 41,5 Cent. So schlimm wird es wahrscheinlich nicht kommen. Doch die Richtung ist eindeutig.

Noch dramatischer sind die Spotmilchpreise nach unten gegangen. Dazu muss man allerdings sagen, dass der Handel hier zum Ende des Jahres sicher etwas dünner ausfällt. Dennoch: Die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch kostete Mitte Dezember im Norden Deutschlands gerade einmal 34,50 Cent und im Süden 36 Cent. Aus den Niederlanden werden ebenfalls nur Spotmilchpreise von 39 Cent gemeldet.

Dabei hat der Preisdruck bei Spotmilch sicher auch mit den zuletzt immer weiter zunehmenden Anlieferungsmengen bei Rohmilch zu tun. Diese lagen nach den Daten der Milchindustrie Mitte Dezember rund 2 % über dem Vorjahr.

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