Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Milchmarkt und Milchpreise

Milchpreise fallen in den Niederlanden – auch für Biomilch

Milchkuehe-Niedrlande-AdobeStock_238181488
am Mittwoch, 04.01.2023 - 12:07 (Jetzt kommentieren)

Die Milchpreise kommen unter Druck. Anfang Januar senkten FrieslandCampina und Arla ihre Preise in den Niederlanden. Betroffen sind konventionelle Milch und Biomilch. Analysten begründen den Rückgang vor allem mit der schrumpfenden Nachfrage – und nicht etwa mit einem größeren Angebot.

Während 2022 ganzjährig im Zeichen steigender Milchpreise für die Milchbauern stand, beginnt das Jahr 2023 mit fallenden Preisen. Die Rückgänge kommen für viele Beobachter aber nicht unerwartet: Sowohl die europäischen Großhandelspreise für Milchprodukte als auch die internationalen Exportpreise geben seit einigen Monaten nach.

Am gestrigen Dienstag gingen die Preise an der globalen Handelsbörse für Milchprodukte, Global Dairy Trade (GDT), um weitere 2,8 % zurück. Seit dem Preishöhepunkt im März 2022 sind die Exportpreise damit um rund 35 % gefallen und liegen jetzt auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2020. Allerdings hat die Entwicklung an der GDT auch stark mit den coronabedingten Absatzproblemen Neuseelands nach China zu tun und lässt sich nicht ohne weiteres auf die Situation in Europa übertragen.

Doch auch hierzulande sind die Preise für alle wichtigen Milchprodukte seit dem Sommer deutlich gefallen. Auch in Deutschland haben deshalb einige norddeutsche Molkereien bereits im Dezember ihre Auszahlungspreise gesenkt. Aus den Niederlanden wird nun zum Jahresbeginn ebenfalls ein Rückgang der Auszahlungspreise gemeldet – bei konventioneller Milch und bei Biomilch. Zum Jahreswechsel war FrieslandCampina eines der ersten Unternehmen, das die neuen Auszahlungspreise der niederländischen Milchbauern für Januar bekannt gab.

Der Preis der größten Molkereigenossenschaft der Niederlande fiel im Vergleich zum Dezember um 2,51 Euro auf 60 Euro pro 100 Kilo. Es war das erste Mal seit Juli 2021, dass der Milchpreis gefallen ist. Der Garantiepreis für Biomilch wurde etwas moderater um 0,43 Euro auf 64,75 Euro gesenkt. Der Rückgang ist nach Angaben der Molkereigenossenschaft auf die niedrigeren Grundpreise für Milchprodukte und auf die Erwartung zurückzuführen, dass andere Molkereiunternehmen ihre Preise für Rohmilch ebenfalls senken werden.

Nach FrieslandCampina senkte auch das Molkereiunternehmen Arla den Milchpreis für Januar. Der Milchpreise für die Niederlande beträgt im Januar 58,63 Cent pro Kilo für konventionelle Milch und 65,83 Cent pro Kilo für Bio-Milch. Das bedeutet 1,09 Cent pro Kilo weniger für konventionelle Milch und 0,8 Cent pro Kilo für Biomilch im Vergleich zum Dezember.

Der Molkereianalyst Martin Valstar von ZuivelNL sagt gegenüber dem niederländischen Agrarportal nieuweoogst: "Der Rückgang ist hauptsächlich auf die Nachfrageseite und weniger auf die Angebotsseite zurückzuführen. Aufgrund der hohen Preise sinkt einfach die Nachfrage." In Afrika und vielen asiatischen Ländern sind Milchprodukte ein Luxusprodukt und werden weniger gekauft. In Westeuropa ist dies nicht der Fall, aber auch hier verschieben sich die Konsummuster. Die Leute kaufen zum Beispiel Käseblöcke statt Käsescheiben. Die Verbraucher wechseln von Markenkäse zu Handelsmarken. Oder sie kaufen keinen Käse mehr.

Inflation und hohe Milchpreise verändern also das Kaufverhalten, sagt Valster. Die Erzeugermilchpreise reagieren wie üblich verzögert auf sinkende Preise für Milchprodukte. Laut Valstar gibt es noch keine Anzeichen dafür, dass sich das ändern wird. „Natürlich sind die Milchpreise immer noch historisch hoch. Aber  man darf nicht vergessen, dass auch die Kosten für die Milchbauern enorm gestiegen sind“, betont der Analyst.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...