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Milchmarkt und Milchpreise

Milchpreise: Lockdown ist für Milchbauern ein Fiasko

Milchbäuerin.
am Donnerstag, 12.11.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Im November bestimmen der zweite Lockdown und die Schließung der Gastronomie die Entwicklung am Milchmarkt.

Noch ist nicht ganz klar, wie sehr sich die Maßnahmen auf Absatz und Preise auswirken. Die Molkereien Arla und Hochwald erwarten jedenfalls negative Folgen für den Milchmarkt. Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr sei der Milchmarkt durch die Umsatzeinbrüche in der Gastronomie unter Druck geraten, sagte eine Sprecherin von Hochwald foods.

Die Nachfrage nach Milchprodukten im Einzelhandel sei durch den hohen Verbrauch der Privathaushalte zwar zweitweise auf ein Rekordniveau gestiegen, war von Arla zu hören. Das konnte den Absatzeinbruch im Gastrobereich jedoch nicht völlig kompensieren. Ein ähnliches Szenario könnte sich im zweiten Lockdown durchaus wiederholen.

Ob der Nachfrageboom im LEH den Milchbauern zu Gute kommt, ist jedenfalls mehr als fraglich, wenn man einmal die Milchpreise der letzten Monate betrachtet. Diese sind zuletzt zwar ganz leicht gestiegen, doch das Niveau ist weiterhin sehr niedrig. Und die aktuellen Preisindikatoren zeigen für kommenden Monat sogar wieder nach unten.

Einbruch in der Gastronomie – Boom im LEH

milchbauern.

Die süddeutsche Butter- und Käsebörse berichtet ebenfalls, dass die Nachfrage aus dem Gastrobereich nach Beginn des Lockdowns stark zurückgeht. Gleichzeitig ziehen jedoch die Absätze im Bereich LEH beträchtlich an, heißt es. Die Folgen dieser Marktverwerfungen sind Kontraktverschiebungen und Stornierungen.

Derzeit man jedoch davon aus, dass der Einbruch im Gastrobereich zumindest teilweise durch den besseren Absatz um LEH kompensiert werden kann. Fakt ist aber: Ein kompletter Ausgleich im Hinblick auf Menge und Preise wird wohl kaum möglich sein, befürchten jedenfalls die Börsenexperten.

Bereits jetzt gehen die Preise in einigen Produktbereichen zurück, heißt es weiter. Insgesamt wird die Lage jedoch noch als relativ stabil eingeschätzt. Im Gegensatz zur ersten Lockdown-Phase aus dem Frühjahr hat man nämlich an Erfahrung gewonnen und kann auf die Veränderungen besser reagieren, berichtet die Börse.

Börsenmilchwert geht zurück – Spotmilch aber noch bei 36,5 Cent

rohstoffwert milch.

Die Börsenmilchwerte sind ein Indikator für die weitere Entwicklung der Milchpreise. Hier schlagen sich die aktuellen Börsenpreise für Milchprodukte unmittelbar im „Wert der Milch“ nieder. Diesen „theoretischen Preis“ errechnet das Ife-Institut in Kiel aus den tagesaktuellen Terminmarktkursen von Butter und Magermilchpulver.

Für die Monate November und Dezember ergibt sich ein Börsenmilchwert von 30,8 Cent sowie von 30,3 Cent.Gegenüber den im Vormonat ermittelten Preisen ist das ein recht deutlicher Rückgang von 0,4 bzw.1,3 Cent. Bis Januar gehen die Börsenmilchwerte dann sogar bis auf 30,0 Cent zurück. Das sind 1,3 Cent weniger als die Rohstoffwertung vor vier Wochen ergeben hat.

Der vom Ife-Institut in Kiel aus den realen Handelspreisen von Butter und Magermilchpulver errechnete Rohstoffwert der Milch, hat im Monat Oktober – wie zuvor erwartet ­ – nochmals leicht zugelegt. Das ife-Institut errechnete einen Wert von 31,5 Cent je kg. Das ist ein Anstieg von 0,4 Cent je kg zum September-Wert, der bei 31,1 Cent lag. Grund für den höheren Rohstoffwert war, dass die Preise für Magermilchpulver im Oktober leicht gestiegen sind.

Die Preise für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch sind ebenfalls niedriger als vor vier Wochen – jedoch weiterhin erheblich höher als die aktuellen Milchpreise. In der ersten Novemberwoche kostete die Spotmilch in Deutschland – je nach Region – zwischen 35,5 und 36,5 Cent. Im Vergleich zum Oktober ist das ein Rückgang von 1,0 Cent.

Aus den Niederlanden wurden 0,5 Cent niedrigere Spotmilchpreise als im Oktober gemeldet – nämlich 36,5 Cent.

Butterpreise: Ausblick schwächer – Gastronomie-Absatz fehlt

butterpreise.

Am europäischen Terminmarkt (EEX) handelte man Butter am Mittwoch (11.10.) für den November-Termin mit 3.395 Euro je Tonne. Das sind ähnliche Preise wie vor vier Wochen. Für die Monate Dezember und Januar wurden jedoch nur noch 3.300 Euro je Tonne und 3.260 Euro je Tonne notiert.

Damit sind die Butterpreise für diese beiden Termine in den letzten vier Wochen um rund 150 Euro gefallen. Gleichzeitig notieren die beiden letztgenannten Termine rund 100 Euro niedriger als der Novemberkontrakt. Offenbar rechnet der Markt mit einem gewissen Rückgang der Preise – aufgrund des Lockdowns in der Gastronomie.

Im europäischen Großhandel bewegen sich die Preise für Butter in der ersten Novemberwoche seitwärts. Der durchschnittliche Butterpreis lag am 01. November bei 347 Euro je 100 kg. Vier Woche zuvor wurden 345 Euro notiert.

Im deutschen Großhandel wurde Butter am 01. November zu 350 Euro gehandelt. Das waren 10 Euro mehr als vor vier Wochen und 3 Euro mehr als im Schnitt der EU. In den Niederlanden wurden Butter mit 332 Euro je 100 kg notiert. Das waren 3 Euro weniger als vor vier Wochen und 18 Euro weniger als in Deutschland.

Magermilch: Kassapreise noch stabil – Terminmarkt schwächer

milchpulverpreise.

Die Preise für Magermilch-Pulver (MMP) haben am europäischen Terminmarkt zuletzt leicht nachgegeben. Am Mittwoch (11.11) lagen die Kurse für den November-Kontrakt bei 2.160 Euro je Tonne und damit 70 Euro niedriger als vor vier Wochen.

Für die Monate Dezember und Januar wurden 2.150 und 2.175 Euro je Tonne notiert. Das sind knapp 100 Euro weniger als vier Woche zuvor. Gleichzeitig lagen die Kontraktpreise für den November etwa auf dem Niveau der aktuellen Kassapreise.

Im europäischen Großhandel wurde Magermilchpulver (MMP) am 01. November mit 217 Euro je 100 kg gehandelt. Das waren die gleichen Preise wie vor vier Wochen.

Aus dem deutschen Großhandel wurden MMP-Preise von 218 Euro gemeldet. Das waren 2 Euro weniger als vier Wochen zuvor. In den Niederlanden notierte man MMP mit 215 Euro je 100 kg und damit 2 billiger teurer als vor vier Wochen und 3 Euro billiger als in Deutschland.

Wenig Veränderung bei Käse, Vollmilchpulver relativ stabil

käsepreise.

Die Preise für Käse (Edamer) haben sich im europäischen Großhandel kaum verändert. Die Europäische Kommission meldete am 01. November für Edamer Preise von 311 Euro je 100 kg. Das sind ähnliche Preise wie vor vier Wochen.

Die europäischen Cheddar-Preise lagen zum gleichen Termin bei 308 Euro je 100 kg. Das ist ein Aufschlag von 3 Euro zum Vormonat.

Für Vollmilchpulver (VMP) haben sich die Preise im europäischen Großhandel zuletzt ebenfalls fast nicht verändert. Die Kommission meldete am 01. November durchschnittliche VMP-Preise von 273 Euro je 100 kg. Das ist das gleiche Preis-Niveau wie als vor vier Wochen.

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