Zum Adventsgewinnspiel

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Milchmarkt und Milchpreise 2021

Milchpreise: Der Milchmarkt stellt sich tot

am Donnerstag, 10.06.2021 - 06:30 (Jetzt kommentieren)

Also natürlich nicht wirklich. Doch die Milchpreise kleben unten fest, obwohl alle wichtigen Preisindikatoren nach oben zeigen.

milchpreise.

Der letzte offiziell von der BLE für März gemeldete Preis für Rohmilch mit 4 Prozent Fett lag gerade einmal bei 33 Cent. Für Milch mit natürlichem Fettgehalt haben die deutschen Molkereien im Schnitt 34 Cent gezahlt. Gleichzeitig hat sich die finanzielle Verwertung der Milch aber weiter verbessert.

Für den Monat Mai errechnete das ife-Institut in Kiel aus den Preisen von Butter und Magermilch einen Milchpreis von 37 Cent. Das ist ein Plus von 0,8 Cent zum April und der höchste Rohstoffwert seit Oktober 2017 – also seit mehr als dreieinhalb Jahren. Der Grund: Sämtliche Verwertungen der Milch haben sich weiter verbessert – oder anders gesagt: Die Preise für Butter und Milchpulver und auch für Käse sind im Mai gestiegen.

Das zeigen sowohl die europäischen Spotmarktpreise im Großhandel als auch die Kurse an den Terminmärkten. Und es gibt noch ein positives Signal: Die süddeutsche Butterbörse meldete Anfang Juni höhere Preise für Päckchenbutter und wichtig - auch für Käse.

Börsenmilchwert über 38 Cent – Futterkosten explodieren!

Futterpreise.

Noch kurzfristiger und schneller zeigt ein anderer Indikator die Marktentwicklung an: der Kieler Börsenmilchwert. Hier werden die tagesaktuellen Terminmarkpreise für Butter und Magermilch ebenfalls in "Milchpreise" umgerechnet. Und da ist das Niveau noch höher oder anderes gesagt: Die Marktakteure an der EEX gehen von einem weiteren Anstieg der Butter- und Milchpulverpreise am Kassamarkt aus.

Und das kommt dabei raus: Der Börsenmilchwert für Juni liegt bei 38,7 Cent, für Juli werden 38,3 Cent errechnet. Bis Zum Jahresende geht der Börsenwert dann jedoch wieder leicht nach unten – auf etwas weniger als 38 Cent. Doch da ist sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen. Denn die angelieferte Milchmenge lag Anfang Juni leicht unter dem Vorjahr – mit weiter rückläufiger Tendenz.

Ein massives  sehr aktuelles Problem sind für viele Milchbauern die explodierenden Kosten. So müssen Landwirte für Sojaschrot mit 43/44 % Rohprotein im Mai im Bundesmittel 427 Euro je Tonne zahlen – und damit etwa 65 Euro bzw. 18 Prozent mehr als vor einem Jahr. Für GVO-freie Ware mussten die Bauern im Mai sogar fast 700 Euro je Tonne!! ausgeben – im Vergleich zu 450 Euro vor einem Jahr. Das ist ein Preissprung von 55 Prozent.

Das Problem ist jedoch: Auch alle anderen Futtermittel und Vorprodukte sind deutlich teurer geworden. Das fängt bei Diesel und Strom an und hört bei den Kosten für Maschinen, Geräten und Bauten noch lange nicht auf. In der Summe sind die Produktionskosten im Agrarbereich im Frühjahr 2021 auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Währenddessen dümpeln die Auszahlungspreise für Milch weiter vor sich hin. Das dürfte vielen Milchbauern schlaflose Nächte bereiten und ist angesichts der guten finanziellen Verwertung der Milch eigentlich auch gar nicht nötig.

Europa: Butterpreise auf 2-Jahreshoch – Käse auf 14-Monatshoch

käsepreise.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Preisentwicklung bei Milchprodukten in Europa. Immerhin entscheidet der Markt an dieser Stelle über den möglichen Milchpreis – auch wenn die Molkereien bisher nicht mitmachen. So meldete die Kommission für den europäischen Großhandel für die erste Juniwoche einen Butterpreis von 412 Euro je 100 kg – so hoch lagen die Kurse zuletzt im Mai 2019 – also vor zwei Jahren.

In Deutschland wurde Butter Anfang Juni mit 408 Euro notiert – in Frankreich waren die Preise noch deutlich höher – bei 442 Euro je 100 kg! Aus Deutschland meldete man Anfang Juni zudem aus dem Lebensmittel-Einzelhandel für Päckchenbutter höhere Preise.

Wie bei Butter zeigt auch die Preisentwicklung bei Magermilchpulver (MMP) weiterhin nach oben. Hier wurden Anfang Juni im europäischen Mittel 258 Euro je 100 kg notiert – soviel wie zuletzt im Februar vor einem Jahr. Aus Deutschland wurden noch deutlich höhere MMP-Preise von 265 Euro gemeldet und in den Niederlanden werden 263 Euro gezahlt.

Erfreulich ist außerdem: Auch bei Käse steigen die Preise im Juni an – bei Edamer auf 326 Euro je 100 kg – dieses Niveau wurde zuletzt im März vor einem Jahr gezahlt.

Weltmarkt: Preise auch im Mai gestiegen

Milchpreise.

Zu guter Letzt noch ein Blick auf den Weltmarkt. Bei der globalen Handelsbörse GDT sind die Milchpreise Anfang Juni leicht um 0,9 Prozent zurückgegangen – das Preisniveau ist dennoch 41 Prozent!! höher als im Juni vor einem Jahr. Das bestätigt auch die FAO in ihrem Monatsüberblick zu den Exportpreisen am Milchmarkt.

Der FAO-Milchpreisindex (Exportpreise für Milchprodukte) lag im Mai mit durchschnittlich 120,8 Punkten nochmals 1,5 Prozent höher als im April, und markierte damit einen seit einem Jahr ununterbrochenen Anstieg. Der Index notierte außerdem 28 Prozent über seinem Vorjahreswert.

Im Mai stiegen die internationalen Notierungen für Magermilchpulver am stärksten an, was eine solide Importnachfrage bei begrenztem Spotangebot aus der Europäischen Union widerspiegelt, berichten die Marktbeobachter der FAO. Auch für Vollmilchpulver meldete man hohe Exportverkäufe, insbesondere nach China.

Und: Die Käsenotierungen legten am Weltmarkt ebenfalls zu, vor allem aufgrund des geringeren Angebots aus der Europäischen Union, hieß es Seitens der FAO-Analysten. Im Gegensatz dazu gingen die Butterpreise aufgrund zuletzt kräftig gestiegener Exportlieferungen aus Neuseeland etwas zurück und markierten damit das vorläufige Ende einer elfmonatigen Preisrallye.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...