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Milchmarkt und Milchpreise

Milchpreise: Molkereien zahlen über 60 Cent – mehr als für Biomilch

Milchpreise.
am Mittwoch, 17.08.2022 - 10:16 (1 Kommentar)

Im Norden Deutschlands zahlten die ersten Molkereien im Juli für konventionelle Milch mehr als 60 Cent. Das ist mehr als die Biobauern für ihre Milch bekommen.

Milchpreise eim Juni.

Die Erzeugerpreise für Milch sind im Juli weiter gestiegen. Auch im August sieht es vielerorts noch nach höheren Milchpreisen aus, obwohl die wichtigsten Preisindikatoren am europäischen Binnenmarkt und am Weltmarkt seit einiger Zeit wieder rückläufig sind. Noch liegen diese Frühindikatoren, die die finanzielle Verwertung der Milch über die Verkaufspreise der wichtigsten Milchprodukte messen, aber über dem Niveau der Auszahlungspreise.

So ist der vom ife-Institut aus den Verkaufs-Preisen von Butter und Magermilch errechnete Rohstoffwert der Milch im Juli auf 63,8 Cent je kg Milch zurückgegangen – von 67,5 Cent im April. Und der ebenfalls vom ife-Institut errechnete Börsenmilchwert, liegt für den Monat August „nur noch“ bei 61,8 Cent und für den September bei 60,8 Cent. Doch auch das sind noch außergewöhnlich hohe Preise. Viele Bauern würden sich freuen, wenn sie dieses Niveau im August und im September erreichen würden.

Im Norden Deutschlands ist das bereits geschehen. Im Juli zahlten die ersten Molkereien mehr als 60 Cent je kg Milch an ihre Bauern aus. Und eine ganze Reihe weiterer Milchverarbeiter liegen ganz nahe an der 60-Cent-Grenze.

Im Bundesmittel liegen diese hohen Milchpreise im Norden auch über den durchschnittlichen Preisen für Biomilch. Biobauern kamen nach der letzten Abrechnung der Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) im Juni auf Auszahlungspreise von 56,44 Cent – auch das sind neue Rekordpreise. Jedoch betrug der Vorsprung zu den konventionellen Preisen von durchschnittlich 52,12 Cent, nur noch gut 4 Cent. Das ist ein historisch einmaliger niedriger Preisabstand.

Möglicherweise holen die konventionellen Preise die Biopreise bis zum Herbst auch noch ein.

Konventionelle Milch im Norden teuer als Biomilch im Süden

Rohstoffwert der Milch.

„Der Markt für konventionelle Ware ist derzeit deutlich dynamischer als die Bio-Milchpreise", bestätigt auch Hans-Jürgen Seufferlein vom Verband der Milcherzeuger in Bayern (VMB). Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Biomilcherzeuger und die geplanten Umstellungsziele der Politik.

In Bayern wird die Hälfte der Biomilch in Deutschland erzeugt – dort sind diese Probleme also besonders aktuell. Im Bayerischen Landwirtschaftsministerium sieht man diese Entwicklung deshalb mit Sorge. "Das wird dazu führen, dass Milchviehbetriebe ihre vielleicht schon viele Jahre geplante Umstellung von konventionell auf Bio noch mal überdenken", sagt Wolfgang Wintzer, Leiter des Referats für ökologischen Landbau gegenüber dem BR.  

Die Biomilchpreise in Bayern lagen im Juni bei 55,80 Cent je kg und die konventionellen Preise bereits bei 50,79 Cent. In Schleswig-Holstein bekamen Bauern im Juni indessen auch für Biomilch die höchsten Preise in Deutschland: nämlich 61,98 Cent – und für konventionelle Milch wurden im nördlichsten Bundesland durchschnittlich 55,87 Cent ausgezahlt - und damit mehr als die Biobauern in Bayern bekamen. Auch in Niedersachsen erreichte der konventionelle Preis bereits im Juni mit 53,56 Cent fast schon das Niveau der bayrischen und bundesweiten Biopreise.

Das Problem der Biomilch ist, dass der Absatz von Bioprodukten im Einzelahnde stärker stockt als der von konventionellen Produkten. Denn die Verbraucher kaufen in der Krise deutlich preissensibler und sind sparsamer. Das heißt: Preiserhöhungen im Handel sind schwerer umsetzbar als im konventionellen Bereich - auch wenn auch dort der Absatz durch die steigenden Preise ebenfalls gebremst wird.

Der Chef der Bio-Landkäserei Herzog, Walter Herzog, aus dem Landkreis Neu-Ulm, sagt gegenüber dem BR, dass er die Preise für seine Käseprodukte, die in regionalen Einzelhandelsgeschäften und Bioläden verkauft werden, bereits um zehn Prozent erhöht hat. Mehr jedoch geht nicht: "Wenn ich die Preise zu stark erhöhe, kauft niemand mehr meine Produkte."

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