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Milchmarkt und Milchpreise 2021

Milchpreise: Spotmarkt zieht steil an – Erzeugerpreise nicht

Ein Milchbauer im Melkstand
am Freitag, 12.02.2021 - 08:00 (1 Kommentar)

Eigentlich müssten die Milchpreise steigen. Denn: An den Spotmärkten und im Export ging es mit den Preisen steil nach oben.

Rohstoffwert der Milch

An der internationalen Handelsbörse für Milchprodukte (Global Dairy Trade - GDT) kletterten die Preise seit November immerhin 20 Prozent nach oben. Davon ist jedoch nichts bei den deutschen Milchbauern angekommen – obwohl der Export für die Preisbildung so wichtig ist. Hinzu kommt: Die Milchanlieferung ist in Deutschland zuletzt – wohl auch witterungsbedingt – deutlich unter die Vorjahreslinie gefallen.

Sichtbar wird diese Konstellation durch den Anstieg der Preise für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch. Diese sind Anfang Februar auf 36 bis 37,5 Cent/kg Rohmilch gestiegen – und dürften weiter zulegen. Auf der anderen Seite hat der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) die Preise für einige Milchprodukte im Januar und Februar sogar gesenkt – etwa für Päckchen-Butter (250 g).

Wegen der niedrigeren Butterpreise ist der ife-Rohstoff-Wert – der sich aus den Butter- und Magermilchpulverpreisen errechnet – für Rohmilch im Januar um 0,5 Cent auf 31,3 Cent/kg gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit 5 Monaten.

Da kann man sich nur wundern. Denn auch am europäischen Spotmarkt – bzw. im europäischen Großhandel – sind die Preise für Butter und auch für Milchpulver zuletzt nach oben gegangen – wie die wöchentlichen Preismeldungen der EU-Kommission und die  Notierungen der süddeutschen Butterbörse für lose Butter (25 kg) zeigen.

Molkereien verkaufen die knappe Milch weiter

Milchpreisgrafik

Die Auszahlungspreise der Molkereien für Rohmilch haben sich zuletzt kaum verändert. Für  Dezember meldet die Kommission für Deutschland einen durchschnittlichen Rohmilchpreis – für Milch mit natürlichem Fettgehalt – von 35,13 Cent/kg – das sind 0,07 Cent mehr als im November. Die BLE hat für konventionelle Milch mit 4 Prozent Fett für den November einen Preis von nur 32,86 Cent/kg ausgerechnet.

Das heißt auch: Bis zu den aktuellen Spotmarktpreisen für Rohmilch von 37,5 Cent ist noch viel Luft nach oben. Zumal das Rohstoffangebot offenbar immer knapper wird. Die Süddeutsche Butterbörse berichtet jedenfalls: „Die extreme Kälte schlägt sich auch auf die Milcherzeugung nieder. Die Molkereien müssen ihre Erwartungen im Hinblick auf die Milchanlieferung entsprechend zurückschrauben. Deshalb zeigt sich auch der Spotmarkt bei Fett und Eiweiß beständig fest.“

Das Resultat dieser Entwicklung ist nach Einschätzung der Börse: Die Konkurrenz zwischen den Molkereien und zwischen den unterschiedlichen Verwertungen um den Rohstoff Milch nehmen zu. Offenbar macht es für einige Molkereien sogar mehr Sinn, die Rohmilch weiter zu verkaufen, als daraus Produkte herzustellen, berichtet die Butterbörse in ihrem aktuellen Wochenbericht: Wenn das kein Argument für höhere Auszahlungspreise ist!

Butter: Terminmarkt und Großhandel deutlich teurer

Butterpreise

Am europäischen Terminmarkt (EEX) handelte man Butter am Donnerstag (11.02.) für den Februar-Termin mit 3.600 Euro je Tonne. Das sind knapp 300 Euro mehr als vor vier Wochen und die höchsten Butterpreise seit Juli vorigen Jahres!

Für die Monate März und April wurden 3.750 Euro je Tonne und 3.700 Euro je Tonne notiert. Auch für diese beiden Termine sind die Butterpreise in den letzten vier Wochen um 300 bzw. 400 Euro gestiegen. Außerdem notieren die beiden letztgenannten Termine noch etwas höher als der Februarkontrakt. Offenbar rechnet der Markt derzeit mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Butterpreise. Und für die nachfolgenden Monate zeigen die Kurse stetig weiter nach oben.

Im europäischen Großhandel bewegen sich die Preise für Butter in der ersten Februarwoche ebenfalls nach oben. Der durchschnittliche Butterpreis lag am 07. Februar bei 355 Euro je 100 kg. Vier Woche zuvor wurden 335 Euro notiert – und damit 20 Euro weniger. Im deutschen Großhandel wurde Butter am 07. Februar mit 363 Euro gehandelt. Das waren 19 Euro mehr als vor vier Wochen und 7 Euro mehr als im Schnitt der EU.

Die süddeutsche Butterbörse berichtet indessen, dass die deutschen Verbraucher noch nicht alle Vorräte aus ihren Kühlfächern aufgebraucht haben und beim Handel noch einiges an Lagerbeständen vorhanden ist. Dagegen wird Industrierahm bei knapper Verfügbarkeit zu festen Preisen gehandelt. Dies bedeutet, dass die gestiegenen Preise pro Fetteinheit nicht wirklich zu den derzeitigen Preisen für die 250-g-Butter passen.

Magermilch: Kassapreise gestiegen – Terminmarkt ebenfalls höher

Preisgrafik für Magermilchpulver

Die Preise für Magermilchpulver (MMP) sind am europäischen Terminmarkt ebenfalls weiter gestiegen. Am Donnerstag (11.02.) handelte man den Februar-Kontrakt mit 2.370 Euro je Tonne und damit 150 Euro höher als vor vier Wochen. Für die Monate März und April wurden 2.350 und 2.370 Euro je Tonne notiert. Das sind ebenfalls 150 Euro mehr als vier Wochen zuvor.

Gleichzeitig liegen die Terminmarktpreise ganz leicht über dem Niveau der aktuellen Kassapreise. Im europäischen Großhandel wurde Magermilchpulver am 07. Februar mit 234 Euro je 100 kg gehandelt. Das waren 17 Euro mehr als vor vier Wochen. Im deutschen Großhandel wurden MMP zu Preisen von 240 Euro gehandelt. Das waren 19 Euro mehr als vier Wochen zuvor.

Die süddeutsche Butterbörse berichtet indessen, dass die Preise an den Flüssigmärkten auch die Preise für Milchpulver beeinflussen. Bei Magermilchpulver in Lebensmittelqualität setzt sich der Aufwärtstrend deshalb weiter fort, heißt es.  

Käsepreise noch seitwärts, Vollmilchpulver teurer

Preisgrafik für Käse

Die Preise für Käse (Edamer) waren im europäischen Großhandel zuletzt relativ stabil. Die Europäische Kommission meldete am 07. Februar für Edamer Preise von 310 Euro je 100 kg. Das waren ähnliche Notierungen wie vor vier Wochen. Die europäischen Cheddar-Preise lagen zum gleichen Termin bei 308 Euro je 100 kg. Das waren ebenfalls etwa die gleichen Kurse wie im Vormonat.

Die süddeutsche Butterbörse berichtet bei Emmentaler über leicht steigende Forderungen. Auch aus dem Industriebereich wird über einen hohen Bedarf berichtet, beim Großhandel ist die Nachfrage nach Einschätzung der Börse eher auf dem Niveau der Vorwochen.

Für Vollmilchpulver (VMP) sind die Preise im europäischen Großhandel zuletzt deutlich gestiegen. Die Kommission meldete am 07. Februar durchschnittliche VMP-Preise von 286 Euro je 100 kg. Das sind 15 Euro mehr als vor vier Wochen.

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