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Milchmarkt und Corona-Krise

Milchpreise: Spotmilch kostet nur noch 20 Cent

Milchbauer
am Mittwoch, 29.04.2020 - 12:36 (Jetzt kommentieren)

Wie kritisch die Lage am Milchmarkt ist, machen die Preise für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch deutlich.

Ife Rohstoffwert

Sie bewegen sich nur noch zwischen 20,5 Cent und 23,50 Cent. Das ist ein ähnlich katastrophales Preisniveau wie zur schlimmen Milchmarkt-Krise 2016. Und es bedeutet auch: Der Markt will keine Milch bzw. kann sie nicht ausreichend verwerten. Nicht viel besser sieht es mit dem Börsenmilchwert aus: Diesen „theoretischen Preis“ errechnet das Ife-Institut in Kiel aus den tagesaktuellen Terminmarktpreisen von Butter und Magermilchpulver.

Aktuell ergibt sich für den Monat April ein Börsenmilchwert von nur noch 24,3 Cent. Und bis Juli bleiben die Börsenmilchwerte unter der Marke von 25 Cent. Bis zum Jahresende wird dann ein Preis von gerade einmal 26,5 Cent erreicht. Für den Monat März hatte das Ife-Institut noch einen Rohstoffwert der Milch – aus den wirklich am Markt erzielten Butter- und Magermilchpreisen – von 32,1 Cent errechnet. Das waren zwar 3,4 Cent weniger als im Februar – jedoch auch weniger als die meisten Molkereien ihren Bauern im März ausgezahlt haben.

Ohnehin zeigen die errechneten Börsenwerte – ebenso wie die Spotmilchpreise – nur einen Teilausschnitt des Marktes, zu einem bestimmten Termin. Im Normalfall schützten die für längere Zeiträume zwischen Molkereien und Einzelhandel abgeschlossenen Verträge den Markt und die Bauern vor allzu starken kurzfristigen Preisausschlägen. Längerfristig zeigen die Börsenpreise aber die mögliche finanzielle Verwertung der Milch an und damit auch den Trend bei den Milchpreisen.

Daran dürfte auch die jetzt beschlossene private Lagerhaltung (PLH) wenig ändern – die erwarteten Stützungseffekte sind längst eingepreist.

Zu viel Milch und stockende Vermarktung

Milchtank

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die in Deutschland von den Milchbauern an Molkereien gelieferte Milchmenge liegt– trotz der Absatzschwierigkeiten – über dem Vorjahr. Auch wenn der Vorsprung nicht mehr so groß ist, melden die deutschen Molkereien Ende April, das die Anlieferungsmenge etwa 1,2 Prozent größer ist als im vorigen Jahr.  Ende März wurden immerhin noch 2,0 Prozent mehr Milch an Molkereien geliefert als im Vorjahr.  Und Anfang März mussten die Molkereien sogar 2,5 Prozent mehr Milch verarbeiten.

Viele Molkereien drängen ihre Landwirte wegen der Absatzkrise deutlich weniger Milch zu liefen. In einigen europäischen Ländern – wie im Vereinigten Königreich -  aber auch in den USA, mussten die Milchbauern bereits Milch wegschütten bzw. entsorgen, weil sie nicht mehr abgeholt wurde. Zwar sind Milchprodukte im Einzelhandel weiter gut nachgefragt, jedoch lassen sich Milchmenge und Produkte oft nicht so einfach umleiten.

Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, wies jetzt darauf hin, dass zwar die Nachfrage der Gastronomie weggebrochen sei, der Absatz an den Lebensmitteleinzelhandel hingegen steige. Molkereien, die Produkte für diesen Vermarktungskanal herstellten, arbeiteten oft an der Auslastungsgrenze. Dies müsse der Einzelhandel mit steigenden Preisen für Milchprodukte und Käse zum Ausdruck bringen, forderte Schwarz. Molkereien mit einer überwiegenden Vermarktung über den Großhandel, würden ihre Ware hingegen nur schwer los.

Butterpreise auf 5-Jahrestief gestürzt

Butterpreise

Am europäischen Terminmarkt (EEX) handelte man Butter am Dienstag (28.04) für auslaufenden April-Termin nur noch mit 2.590. Da sind rund 350 Euro weniger als vor drei Wochen. Für die Monate Mai und Juni wurden 2675. Euro je t notiert. Damit sind die Butterpreise für diese beiden Termine im Monatsverlauf um rund 200 Euro gefallen, sie notieren jedoch 85 Euro höher als der Aprilkontrakt.

Gleichzeitig sind das die niedrigsten Butterpreise seit 5 Jahren (Mai 2016). Im europäischen Großhandel haben die Preise für Butter zuletzt ebenfalls weiter nachgegeben. Der durchschnittliche Butterpreis lag nur noch bei 295 Euro je 100 kg. Anfang des Monats wurden noch 350 Euro je 100 kg gezahlt.

Im deutschen Großhandel wurden Ende April Butterpreise von 266 Euro notiert. Das waren 84 Euro weniger als Anfang April, und außerdem 29 Euro weniger im Schnitt der EU. Offenbar reicht die gute Nachfrage im LEH nicht aus, um die Preise hierzulande oben zu halten. In den Niederlanden wurde Butter diese Woche nur noch mit 257 Euro je 100 kg gehandelt. Das ist Absturz der Butterpreise von 84 Euro je 100 kg allein im April.

Magermilch nach Absturz wieder stabiler

Magermilch

Die Preise für Magermilch-Pulver (MMP) haben sich am europäischen Terminmarkt zuletzt auf einem deutlich reduzierten Niveau behauptet. Am Dienstag (28.04) lagen die Kurse für den April-Kontrakt bei 1.893 Euro je Tonne und damit etwa so hoch wie zum Beginn des Monats. Für die Monate Mai und Juni wurden 1.850 Euro je Tonne notiert und damit ebenfalls so viel wie Anfang April.

Gleichzeitig liegen die Kontraktpreise jetzt etwa auf dem Niveau der aktuellen Kassapreise. Damit hat sich die finanzielle Verwertung also nicht weiter verschlechtert. Im europäischen Großhandel lagen die Preise für Magermilchpulver (MMP) Ende April bei 190 Euro je 100 kg. Das waren immerhin 30 Euro weniger zum Beginn des Monats und gelichzeitig die niedrigsten Preise seit Februar 2019.

Aus dem deutschen Großhandel wurden Ende April MMP-Preise von 193 Euro gemeldet. Das waren 20 Euro weniger als Anfang des Monats. In den Niederlanden notierte man MMP mit 188 Euro je 100 kg und damit noch etwas niedriger als in Deutschland.

Käsepreise ebenfalls schwächer, Vollmilchpulver im Minus

Auch die Preise für Käse (Edamer) geben im europäischen Großhandel mittlerweile etwas nach. Damit hat sich die wichtigste wertmäßige Verwertung der Milch im April etwas verschlechtert. Die Kommission meldete Ende April für Edamer im Mittel noch Preise von 317 Euro. Ein Rückgang von etwa 10 Euro im Monatsverlauf. Die europäischen Cheddar-Preise notieren zuletzt bei 303 Euro je 100 kg und damit knapp behauptet.

Für Vollmilchpulver (VMP) sind die Preise im europäischen Großhandel hingegen weiter zurückgegangen. Die Kommission meldete Ende April für die EU nur noch durchschnittliche VMP-Preise von 264 Euro je 100 kg. Das ist ein deutliches Minus von 20 Euro gegenüber den Preisen vom Monatsbeginn.

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