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Milchmarkt

MIV: Bedingungen am Milchmarkt erfordern höhere Produktpreise

Pressekonferenz Milchindustrie-Verband MIV
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
25.10.2018

Steigende Milchpreise sind für die Landwirte gerade vor dem Hintergrund der zum Teil unzureichenden Futterversorgung und gestiegenen Kosten wichtig. Das betonte der Präsident des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Peter Stahl, heute auf einer Pressekonferenz des MIV in Berlin.

Grundlage für die weitere Milchpreisentwicklung stellen laut Stahl die aktuell zu verhandelnden Verträge mit dem Lebensmitteleinzelhandel dar. "Hier kann der Handel ein Signal zur Stärkung der heimischen Milchwirtschaft setzen", sagte der MIV-Präsident.

Laut dem stellvertretende MIV-Vorsitzenden Hans Holtorf gestalten sich die Verhandlungen jedoch schwierig. Er geht derzeit von einer Seitwärtsbewegung bis leichten Erhöhung der Preise aus. Die aktuell zu verhandelnden Kontrakte sollen ab 1. November gelten.

Für das Kalenderjahr kalkuliert der MIV derzeit mit einem durchschnittlichen Milchpreis von etwa 34 Cent/kg netto bezogen auf einen Fettgehalt von 4,0 %.

Die guten Erlöse für Milchfett in Produkten wie Käse und vor allem Butter hätten die Milchauszahlungspreise in den letzten Monaten gestützt und den Landwirten einen besseren Milchpreis gegenüber den Vormonaten ermöglicht, stellte Stahl fest

Milchanlieferung liegt unter der Vorjahresmenge

Melken im Melkstand

Die Auswirkungen der Dürre im Sommer 2018 werden sich nach den Worten von Stahl erst in den nächsten Monaten mit fortschreitender Winterfütterung der Kühe deutlicher abzeichnen. Deutschland wie die EU würden aber aufgrund der hohen Milchanlieferung im ersten Halbjahr 2018 in Summe leicht über den Vorjahreswerten 2017 liegen. Die Aussichten für die nächsten Monate seien für Milcherzeuger wie Molkereien geprägt von widersprüchlichen Rahmenbedingungen.

Insgesamt liegt die Milchanlieferung in Deutschland derzeit 0,7 Prozent unter dem Vorjahr. Auch für die nächsten Monate wird in Europa mit einer nur gedämpften Milchproduktion gerechnet, auch wenn Irland seinen Rückstand aus dem Frühjahr aufgeholt hat.

International ist genug Rohstoff verfügbar

International steht nach Einschätzung der Milchindustrie allerdings ausreichend Rohstoff für die Herstellung von Milchprodukten zur Verfügung. "Der Wettbewerb bei wichtigen Produkten wie Magermilchpulver und Käse wird weiter intensiv sein“, stellt der MIV-Vorsitzende fest.

Neuseeland ist sehr gut in die neue Saison gestartet und auch in den USA wird mehr Milch gemolken. Zugleich mehren sich wohl die Anzeichen eines neuen Wetterphänomens El Niño auf der Südhalbkugel, was mit einer Einschränkung der Milchproduktion einhergehen könnte.

Die Milchviehhalter schlachten mehr Kühe

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hatte gestern die Erwartung geäußert, dass die Milcherzeugerpreise in den kommenden Monaten steigen müssten.

Zwar könnten die Betriebe derzeit noch auf Futterreserven aus dem Vorjahr zurückgreifen, doch bereits in den vergangenen Wochen sei der Trend erkennbar gewesen, dass die Tierbestände in den Milchviehbetrieben reduziert worden seien, um noch vor Beginn der nächsten Vegetationsperiode im Frühjahr 2019 eine ausreichende Versorgung der Milchkühe sicherzustellen, so der Bauernverband gegenüber Agra-Europe.

Die Schlachtzahlen von Rindern lagen nach DBV-Angaben im August dieses Jahres 9 % über dem Wert des Vorjahresmonats, nachdem im Juli die Kuhschlachtungen sogar 22 % höher ausgefallen waren als im Juli 2017.

Steigende Notierungen an der Terminbörse

Es sei angesichts der weiter angespannten Futtersituation nicht davon auszugehen, dass die Milchproduktion in den kommenden Monaten spürbar ausgeweitet werden könne, so der Bauernverband.

Mittlerweile spiegelt sich diese Markterwartung auch an den Warenterminbörsen wider. Der Märzkontrakt 2019 für Butter erzielt an der EEX Preise in Höhe von 4.650 Euro/t. Noch vor zwei Wochen lagen die Notierungen für diesen Kontrakt fast 300 Euro niedriger. Auch die Preise für Magermilchpulver an der EEX haben sich in den vergangen zwei Wochen leicht erholt, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau.

Mit Material von Agra-Europe
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