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Milchmarkt und Milchpreise

Rosige Aussichten für Milchbauern?

Ein Mann steht vor einer Herde Kühe
am Freitag, 13.11.2020 - 12:23 (7 Kommentare)

Schweinhaltern steht das Wasser bis zum Hals. Für Milchbauern könnten jedoch bessere Zeiten anbrechen. Zumindest in den nächsten Jahren.

Den Schweinehaltern steht das Wasser bis zum Hals. Und auch in den nächsten Jahren bleiben die ökonomischen Bedingungen für den Schweinesektor schwierig. Ackerbauern kommen gerade so zurecht. Für die geplagten Milchbauern könnten jedoch bessere Zeiten anbrechen.

Zumindest wenn man der Projektion des Thünen-Instituts folgt. Die Wissenschaftler glauben nämlich, dass die Milchpreise in den nächsten 10 Jahren steigen werden – bis auf knapp 37 Cent.

Für viele Milchbauern werden jedoch auch diese Preise nicht die Kosten decken. Außerdem wird der Markt auch weiter sehr volatil beiben. Das heisst: Die Milchpreise werden weiter kräftig schwanken - je nachdem in welche Richtigung sich der Weltmarkt bewegt.

Gleichzeitig soll die Milchproduktion in Deutschland deutlich ausgeweitet werden – vor allem in den jetzt schon bestehenden Gunstregionen. Die Zahl der Milchkühe nimmt zwar etwas ab – jedoch relativ moderat.

Die Frage, wie viele Milchbauern in 10 Jahren überhaupt noch Milch erzeugen werden – beantworten die Wissenschaftler in ihrer Projektion allerdings nicht.

Milchpreise folgen dem Weltmarkt - nach oben

Mann mit Klemmbrett bei Kühen

Die Erzeugerpreise für Milch und Milchprodukte werden in Deutschland sehr stark vom Verlauf der Weltmarktpreise beeinflusst. Der Grund: Deutschland erzeugt mehr Milch als hierzulande verbraucht wird, schreiben die Thünen-Wissenschaftler in ihrer Baseline-Projektion. Bei steigender Milcherzeugung müssen also mehr Milchprodukte in die EU und insbesondere auch am Weltmarkt verkauft werden.

Die enge Verbindung zum Weltmarkt erlaubt nach Einschätzung der Wissenschaftler auch in der EU und in Deutschland kein deutlich höheres Niveau gegenüber den Weltmarktpreisen. Hinzu kommt, dass die Produktionsmengen nicht mehr staatlich begrenzt werden (Milchquote).

Deshalb sei auch in Deutschland und der EU ein zyklischer Preisverlauf zu beobachten, lautet die Schlussfolgerung. Nach dem Quotenausstieg in den Jahren 2015 und 2016 waren die Milchpreise zunächst deutlich – unter die 30-Cent-Marke – abgestürzt. Danach ging es dann zunächst bis auf 37 Eurocent je Kilogramm nach oben und danach erneut nach unten – wie man aktuell sehen kann.

Steigende Preise für Milchprodukte – mehr Geld für Milch

Grafik der Rohmilchpreise in Deutschland und am Weltmarkt 2020

Derzeit bewegen sich die Erzeugerpreise in Deutschland leicht unter dem EU-Durchschnitt. Innerhalb Deutschlands ist zudem ein Gefälle von Süd- nach Norddeutschland zu beobachten, stellen die Thünen-Experten fest. Der Grund: Im Norden wird mehr Milch zu Standardprodukten verarbeitet. Die Nachfrage vom Weltmarkt wächst nach Meinung der Wissenschaftler auch in Zukunft weiter.

Aus diesem Grund können die Exportmärkte auch die wachsende Produktion aus Deutschland aufnehmen. Allzu rasche Produktionsausdehnungen können nach Einschätzung die Wissenschaftler allerdings zu Problemen führen. Beispiel: Die deutsche Milcherzeugung wurde Ende 2019 und Anfang 2020 kräftig ausgeweitet. Das belastet den heimischen Markt noch immer.

Der erwartete Preisanstieg bei den meisten Milchprodukten schlägt sich in höheren Erzeugerpreisen für Rohmilch nieder. Von 33,6 Eurocent je Kilogramm im Jahr 2019 steigen die Preise bis auf 36,5 Eurocent je Kilogramm im Jahr 2030. Damit liegt der deutsche Milchpreis auch etwas über dem kalkulatorischen Weltmarktpreis, der am Ende der Projektion etwa 35,8 Eurocent je Kilogramm erreicht.

Auf agrarheute finden Sie zudem die aktuellen Auszahlungspreise der Molkereien.

Verwertung der Milchprodukte entscheidet über den Milchpreis

Käsepreise.

Für die Entwicklung der Milchpreise ist Meinung der Wissenschaftler vor allem die Preisentwicklung am Weltmarkt ausschlaggebend. Allerdings ist bei Frischmilchprodukten der heimische Markt etwas stärker für das Marktergebnis verantwortlich. Dagegen spielt bei den lagerfähigen Produkten der Export eine immer wichtigere Rolle, heißt es weiter. Mittel- bis langfristig zeichnete sich wegen der hohen Exporte und durch einen stabilen Fettmarkt bei den Käsepreisen eine steigende Tendenz ab, stellen die Thünen-Experten fest.

Dabei nimmt die Käseherstellung den überwiegenden Teil der wachsenden Milcherzeugung auf. Das setzt dann leider auch dem Anstieg der Käsepreise Grenzen. Trotzdem erwarten die Wissenschaftler, dass die Käsepreise künftig wieder deutlich über den Butterpreisen liegen werden.

Beide Produkte folgen damit der erwarteten Entwicklung am Weltmarkt. Die Käsepreise steigen in der Projektion von 3,90 Euro je Kilogramm im Jahr 2019 auf 4,41 Euro je Kilogramm in 2030, während sich die Butterpreise mit 3,50 Euro je Kilogramm im Jahr 2030 nur wenig gegenüber dem Kursen von 3,57 Euro je Kilogramm im Jahr 2019 ändern.

Die erwarteten Butterpreise sind gegenüber den sehr hohen Preisen von 2017 bis 2019 mit immerhin 4,77 Euro je Kilogramm jedoch deutlich niedriger. Insgesamt behinderten in der Vergangenheit vor allem die niedrigen Preise für Magermilchpulver eine Ausdehnung der Butterproduktion. Denn: Die Verwertung der Eiweißkomponente über Magermilchpulver war bis dahin sehr unbefriedigend und deshalb wurde Käse als Kombination der beiden Komponenten bevorzugt, heißt es in der Projektion.

Die Forscher erwarten jedoch einen relativ kräftigen Preis-Anstieg für Magermilchpulver von 2,15 Euro je Kilogramm im Jahr 2019 auf immerhin 3,51 Euro je Kilogramm im Jahr 2030.

Heftige Preisschwankungen sind wahrscheinlich

Milchmarkt - Börsendaten über Kühe im Stall gelegt

Natürlich wird die Entwicklung nicht so linear verlaufen wie die Projektion aufzeigt. Die Thünen-Wissenschaftler weisen ausdrücklich darauf hin, dass zum einen der Ausstieg aus dem Milchquotensystem und zum anderen die zum Teil heftig schwankenden Weltmarktpreise ebenfalls zu Preisschwankungen am deutschen und europäischen Milchmarkt führen.

Beispiel: Auf das Preistief der Milchpreise in den Jahren 2015 und 2016 folgte ein Preishoch in den Jahren 2017 und 2018, schreiben die Forscher. Im Jahr 2019 veränderten sich die Milchpreise hingegen nur wenig. Der Grund: Die Milchproduktion in den wichtigsten Exportländern Neuseeland, USA und EU wurde nur moderat ausgedehnt.

Seit 2017 ist allerdings ein stark gestiegener Weltmarktpreis für Butter zu beobachten, der durch eine positiv veränderte Präferenz für Butterfett im Vergleich zu Protein ausgelöst wurde. Hinzu kam ein global knappes Angebot an Milch. Außerdem erschwerte die schlechte Verwertung des bei der Butterproduktion anfallenden Proteins in Magermilchpulver aufgrund der sehr niedrigen Weltmarktpreise die Ausdehnung der Butterproduktion.

Lesen sie dazu auch: Milchpreise: Lockdown ist für Milchbauern ein Fiasko

Mehr Menschen kaufen mehr Milchprodukte- weltweit

Milchprodukte in einem Kühlregal im Supermarkt in Russland

In der Marktprognose der EU-Kommission wird erwartet, dass sich der Preisabstand zwischen Magermilchpulver und Butter künftig wieder normalisiert, auch wenn die stärkere Präferenz für Butter bestehen bleibt. Außerdem wird auch seiten der Kommission ein weltweit weiter steigender Verbrauch von Milch und Milchprodukten erwartet.

Hauptgründe sind: Die weiter sehr stark wachsende Weltbevölkerung und die Einkommenszuwächse in einer ganzen Reihe von Entwicklungsländern. Zwar wird auch in diesen Regionen die Milchproduktion deutlich ausgedehnt, insbesondere in Indien und Pakistan, allerdings werden die zusätzlich erzeugten Mengen vor allem zur Versorgung der eigenen Bevölkerung verwendet. Dadurch werden die Weltmarktpreise kaum beeinflusst.

Unter den getroffenen Annahmen steigt die Importnachfrage also weltweit weiter an und die Preisprojektionen bis 2030 zeigen steigende Weltmarktpreise für sämtliche Milchprodukte. Dabei steigen die Preise für Vollmilchpulver etwas stärker als für die übrigen Milchprodukte. Hier wirkt sich vor allem eine weiter wachsende Nachfrage aus China, aber auch aus Nordafrika und dem Nahen Osten aus.

Mit Material von Thünen-Baseline 2020 – 2030: Agrarökonomische Projektionen für Deutschland

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