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Kommentar

Sektorstrategie Milch sorgt für dicke Luft

am Montag, 20.01.2020 - 18:16 (Jetzt kommentieren)

Mit der heute in Berlin vorgestellten Sektorstrategie 2030 hat die deutsche Milchwirtschaft einen Aufschlag gemacht, der unsere Milchbranche in einer aufgeheizten Debatte über Tierwohl, vermeintliche Vorteile pflanzlicher Milchalternativen und Klimaschutz wieder in die Offensive bringen könnte.

In dem 36-seitigen Papier gibt es vernünftige Ansätze in Sachen Branchenkommunikation, Standardsetzung und Lieferbeziehungen, die nun in Arbeitsgruppen weiter konkretisiert werden müssen. Unterzeichnet haben das nun vorliegende Ergebnis der Deutsche Bauernverband, der Milchindustrie-Verband und der Deutsche Raiffeisenverband.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, der auf fachlicher Ebene über Monate konstruktiv an der Sektorstrategie mitgearbeitet hatte, gehörte am Ende nicht zu den Unterzeichnern. Über die Gründe für den Dissens auf der Zielgeraden kursieren in beiden Verbandslagern unterschiedliche Darstellungen, die öffentlichkeitswirksam zur Grünen Woche bei Pressekonferenzen und in Presseerklärungen ausgetauscht wurden.

​​​​​​​Riesige Herausforderungen

Kuh beim Melken

Für die Milcherzeuger ist es fatal, dass der BDM bei der Sektorstrategie nicht mehr mit im Boot ist. Bei den politischen Entscheidungsträgern muss einmal mehr der Eindruck entstehen, dass die deutsche Milchwirtschaft nicht mit einer Stimme spricht. Das sind beste Voraussetzungen für Politiker unterschiedlicher Couleur, beide verbandlichen Lager weiterhin gegeneinander auszuspielen.

Dabei sind die Herausforderungen riesig: Geht der Strukturwandel unvermindert weiter, könnten von den heute 60.000 Milcherzeugern bis 2030 weniger als 40.000 übrig sein. Pflanzliche Milchalternativen sind hipp und kosten immer mehr Marktanteile in den Regalen des Handels. Der Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Tierwohl ist ungelöst, ebenso die Frage, wie immer neue Labels endlich in Preisaufschläge umgemünzt werden können, die auch bei den Milcherzeugern ankommen.

Schulterschluss gefragt

Es ist deshalb höchste Zeit, dass sich DBV und BDM wieder annähern. Mit Carsten Schmal (DBV) und Stefan Mann (BDM) sind in beiden Verbänden Milcherzeuger im Amt, die mehr als die Herkunft aus Hessen verbindet. Es sollte also möglich sein, den Dissens in der Sache schnell auszuräumen. Persönliche Befindlichkeiten dürfen in Zukunft keine Rolle mehr spielen. Denn nur gemeinsam können BDM und DBV die verbandspolitische Schlagkraft entwickeln, die in der Diskussion über den Milcherzeugungsstandort Deutschland notwendig ist.

Interview mit DBV-Präsident Schmal

Ein ausführliches Interview zur Sektorstarategie Milch mit DBV-Milchpräsident Kasten Schmal finden agrarheute-Abonnenten in der kommenden Februarausgabe. Sie erscheint am 31. Januar 2020.

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