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Milchmarkt

So reagieren Bauern auf sinkende Trinkmilchpreise

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Josef Koch, agrarheute
am
04.05.2018

Die sinkenden Preise für Trinkmilch im Lebensmittelhandel ärgern die Milchbauern. Wir haben einige Reaktionen aus unterschiedlichen Regionen zusammengefasst.

Trinkmilchabfüllung in Molkerei

Seit gestern hat der Lebensmittelhandel begonnen, die Trinkmilchpreise abzusenken. So ging der Abgabepreis für einen Liter Vollmilch (3,5 Prozent Fett) in den Varianten H-Milch, ESL-Milch und Frischmilch um neun Cent auf 69 Cent/l zurück. bei der fettarmen Milch (1,5 Prozent Fett) gab es eine Absenkung um sieben Cent auf nunmehr 61 Cent/l.

Für den Verband der Milcherzeuger in Bayern (VMB) ist es unverständlich, warum bei einem festen Fettmarkt die Vollmilch im Preis stärker fällt als fettarme Milch. Gleichzeitig hat der Handel die Preise für das 250 g-Päckchen Butter um 20 Cent erhöht. Auch die Biomilch verlor 4 Cent pro Liter.

Sahne und Kondensmilch hat die Preissenkungswelle heftig erwischt. Der 200g-Becher kostet laut VMB ab sofort mit 65 Cent vier Cent weniger. Creme fraiche kostet nur noch 69 Cent, statt wie bisher 75 Cent. Je nach Fettgehalt verbilligt sich Kondensmilch um fünf bis sechs Cent.

Verheerendes Signal für Milchbauern

Die Kreisbäuerinnen und Kreisobmänner des Bayerischen Bauernverbandes halten die Preissenkungen für ein verheerendes Signal für die Milchbauern.

"Auf der einen Seite steigen die Anforderungen an die Milchviehhalter permanent, zum Beispiel beim Tierwohl, auf der anderen Seite sinken die Verkaufspreise überdimensional. Das passt nicht zusammen und zerstört unsere regionale Landwirtschaft. Der Lebensmitteleinzelhandel spielt seine Marktmacht auf Kosten unserer Betriebe aus, denn die massive Preissenkung ist mit dem Marktgeschehen nicht erklärbar!“

Marktverlauf auf den Kopf gestellt

Kritisch sieht auch der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV) die Ergebnisse der jüngsten Kontraktverhandlungen mit Aldi über die „weiße Linie“.

Mit dem aktuellen Marktverlauf, abzulesen etwa am jüngsten Rohstoffwert für Milch, steht der Abschluss bei der „weißen Linie“ nicht im Einklang. Nach wie vor scheinen hier die bestehenden Strukturen nicht ausreichend, um in Preisrunden mit dem Einzelhandel auf Augenhöhe zu agieren.

Der Kieler Rohstoffwert Milch ist für April um um 1,3 Cent auf 30,5 Cent/kg gestiegen. An der Warenteminbörse Leipzig wird für die kommenden Monate eine Rohstoffverwertung von um die 35 Cent/kg gehandelt. 

BDM verlangt steigende Erzeugerpreise

Die aktuellen Preissenkungen für Trinkmilch dürfen nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter BDM e.V. nicht zu weiteren Absenkungen des Erzeugerpreises führen, denn gleichzeitig konnten die Molkereien Preissteigerungen bei Butter um 20 Cent für das 250g-Stück realisieren. Bei durchschnittlichen Milcherzeugungskosten für die deutschen Milchviehhalter von 41,81 Ct/kg für Januar 2018 müssten die Milcherzeugerpreise, die aktuell bei rund 30 Cent liegen, sofort deutlich steigen, fordert der Verband.

„Die Trinkmilchabschlüsse sind ein wichtiger Gradmesser der Milchmarktentwicklung und müssen daher als deutliche Warnung verstanden werden“, erklärt der BDM-Vorsitzender Stefan Mann.

„Für uns Milchviehhalter ist es daher elementar, dass sich der Milchmarkt weitestgehend im Gleichgewicht befindet“, so Stefan Mann weiter. „Drückende Übermengen – so wie auch die auf EU-Ebene immer noch eingelagerten Milchpulverberge – sind Gift für die Erzeugerpreise."

Facebook-User diskutieren Trinkmilchpreise

Auch auf Facebook wird das Thema rege diskutiert. Manuel Schwarzenberger meint zum Beispiel, dass es nichts hilft, Aldi deshalb zu boykottieren: "Der Rest orientiert sich an Aldi. Ein Monat später haben ALLE ANDEREN ebenfalls angepasst. Da hilft eigentlich nur regional und am besten direkt beim Landwirt kaufen."

Eine Meinung von jemandem außerhalb der Landwirtschaft kommt von User CL Smooth: "Ich trinke zwar keine Milch, finde es aber dennoch eine Unverschämtheit was die Konzerne treiben. Habe selber mal auf einem Milchbauernhof gewohnt (nur gewohnt, nicht gearbeitet) der Besitzer hat seine Milch an Milram/DMK verkauft und war IMMER knapp bei Kasse ... Können die Bauern nicht alle zusammen einfach mehr Kohle verlangen??? Mit Milch ist es doch wie mit Benzin, die könnte auch 2€ oder 3€ kosten (wie z.b. Hafermilch ;-) ) und die Leute würden es trotzdem bezahlen."

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Diskutieren Sie mit auf Facebook:

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