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Milchmarkt in Spanien

Spaniens Milchproduktion boomt – doch die Milchbauern sterben

milchkuh.
am Freitag, 11.12.2020 - 09:49 (Jetzt kommentieren)

Spanien ist derzeit die Nummer 7 unter den europäischen Milcherzeuger-Ländern und produziert etwas mehr als 5 Prozent der europäischen Milch.

käse in spanien.

Doch das kann sich bald ändern: Die Produktion ist in den letzten 10 Jahren um gut eine Millionen Tonnen gewachsen. Der Preis: Die Zahl der Milchbauern hat in nur 5 Jahre um etwa ein Viertel abgenommen.

Trotz der Corona-Krise wächst die Produktion jedoch weiter. Und auch der Export von Käse und anderen Milchprodukten nimmt stetig zu. Gleichzeitig gehen die Importe von Milch und Milchprodukten – vor allem aus Frankreich – zurück.

Einen hohen Preis hat die hohe Produktions-Dynamik allerdings auch: Die Verdrängung sehr vieler (kleiner) Milchbauern aus dem Markt. In den letzten Jahren hat die Modernisierung der spanischen Milchindustrie auch die Effizienz der Milchproduktion erheblich gesteigert. Spanische Milchbauern mussten ihrer Produktion immer stärker an die Bedürfnisse der Milchindustrie anpassen. Möglich war das, indem man sowohl in die Produktionstechnik als auch in die Fütterung, die Haltungsbedingungen und in die Tiergenetik investierte. Und die noch verbleibenden Milchvieh-Betriebe werden – ähnlich wie in Deutschland – immer größer.

Ein Resultat dieser Entwicklung ist eine fortgesetzte Steigerung der Milch-Exporte in Nicht-EU-Märke – aber auch in andere EU-Länder. Gleichzeitig hat auch der Inlandsverbrauch von Milch und Milchprodukten kräftig zugenommen.

Das zeigen jedenfalls Untersuchungen des US-Landwirtschaftsministeriums zum spanischen Milchmarkt auf Basis von Daten des spanischen Milchindustrie-Verbandes (FENIL) und der EU-Kommission.

Corona hat die Inlandsabsatz noch einmal erheblich gestärkt

milchpreise in spanien.

Während der ersten Welle von COVID-19 (März bis Juni 2020) stieg der Verbrauch von Milchprodukten in den spanischen Haushalten stark an. Insbesondere der Verbrauch von flüssiger Milch, Joghurt, Butter, Milchcreme und preiswertem Käse nahm in dieser Zeit stark zu.

Nach Angaben der spanischen Milchindustrie (FENIL) könnte sich dieser Trend beim heimischen Milchkonsum in den kommenden Jahren fortsetzen. Der gestiegene Verbrauch zu Hause konnte jedoch den Umsatzverlust in Hotels, Restaurants und Institutionen (HRI) nicht ausgleichen.

Laut Trade Data Monitor (TDM) sind aber auch die spanischen Milchexporte in den letzten 10 Jahren deutlich gestiegen. In den ersten acht Monaten des Jahres 2020 ging das Volumen der Exporte – trotz der COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen Restriktionen – zudem nur um 0,8 Prozent zurück.

Die wichtigsten spanischen Exportprodukte sind Käse, Frisch-Milch und Sahne, Joghurt und Säuglingszubereitungen. Mehr als 60 Prozent der spanischen Milchexporte gehen in andere EU-Länder, während die USA, Saudi-Arabien und China die wichtigsten Exportziele für spanische Milchprodukte außerhalb der EU sind.

In nur 5 Jahren ein Viertel Milchbauern weniger

milchkühe in spanien.

Seit der Abschaffung der EU-Milchquote im Jahr 2015 ging die Zahl der Milchbauern deutlich zurück. Nach Angaben der spanischen Milchindustrie produzierten im Jahr 2019 noch etwa 21.700 Landwirtschaftsbetriebe Kuh-, Schaf-, und Ziegenmilch.

Etwa 60 Prozent bzw. gut 13.000 Betriebe halten Milchkühe, 25 Prozent sind Ziegenbauern und 15 Prozent sind Schafzüchter. Seit 2015 hat die Zahl der spanischen Milchbauern um 25 Prozent abgenommen, die der Schafzüchter um 22 Prozent während die Anszahl der Ziegenbauern zugenommen hat. Die Zunahme der Ziegenzüchter kann durch die stärkere Nachfrage nach flüssiger Ziegenmilch und die Auslandsnachfrage nach Ziegenmilchpulver erklärt werden.

Im Jahr 2020 ging die Zahl der Milchkühe gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent auf 812.870 Milchkühe zurück. Die Umstrukturierung des spanischen Milchsektors hat zu einer deutlich steigenden Milchleistung geführt. Verbesserungen bei agronomischen Faktoren wie Tiergenetik, Ernährung, Technik, Tiergesundheit und Tierschutz, haben die Effizienz und die Produktion von Kuhmilch erheblich verbessert.

Wegen der Umstrukturierung kam es auch zu deutlich mehr Importen von Zuchrindern und Tiergenetik. Die USA sind der Hauptlieferant von Rindergenetik nach Spanien.

Milchproduktion in 10 Jahren um 1 Millionen Tonnen gestiegen

milchmenge spanien.

Im Jahr 2019 nahm die spanische Kuhmilchproduktion weiter um 2 Prozent auf 7,2 Millionen Tonnen zu, was etwa 5 Prozent der Kuhmilchproduktion der EU entspricht. Darüber hinaus ist Spanien der führende Hersteller von Schaf- und Ziegenmilch in der EU.

Im Jahr 2020 war der spanische Milchsektor aufgrund der COVID-19-Pandemie jedoch ebenfalls mit erheblichen Störungen bei der Vermarktung von Milchprodukten konfrontiert, da Hotels, Restaurants, Veranstaltungen, Feiern und der Tourismus vorübergehend geschlossen waren oder noch sind. Aus diesem Grund wird für 2020 ein Rückgang der Produktion von spanischer Schaf- und Ziegenmilch erwartet.

Gleichzeitig dürfte die Kuhmilchproduktion weiter ansteigen und im Jahr 2020 etwas mehr als 7,3 Millionen Tonnen erreichen. Seit 2010 haben die inländischen Kuhmilchlieferungen an spanische Molkereien um mehr als eine Million Tonnen bzw. 22 Prozent zugenommen, was den Bedarf von importierter Milch und Milchprodukten deutlich verringert hat.

Der Rückgang der Importe, vor allem aus Frankreich und Portugal, wird sich im Jahr 2020 fortsetzen, unterstützt durch eine höhere Nachfrage nach einheimischer Milch. Noch ist Spanien allerdings Nettoimporteur von Milchprodukten.

Milch-Exporte nach China und in die EU - durch Corona rückläufig

milchkühe.

Vor der COVID-19-Krise konzentrierte sich Spanien auf die Steigerung der Exporte und die Erschließung neuer Märkte außerhalb der EU. Laut Trade Data Monitor (TDM) stiegen die gesamten spanischen Milchexporte im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent.

Im vergangenen Jahr exportierte Spanien fünf Prozent mehr Milch in Länder wie Libyen, die Dominikanische Republik, China und Chile. Im Jahr 2019 machten die spanischen Milchexporte nach China etwa vier Prozent der gesamten Ausfuhren aus, was einem Anstieg von fast 40 Prozent gegenüber 2018 entspricht.

In Drittländer gehen etwa 40 Prozent der gesamten spanischen Milchexporte. Gleichzeitig gehen jedoch 60 Prozent der  Milchexporte in andere EU-Märkte, hauptsächlich nach Portugal. Im Jahr 2020 wird aufgrund der wegbrechenden Nachfrage von Hotels, Restaurants und Institutionen in Spanien und der schwierigeren Exportmöglichkeiten in andere  EU-Länder allerdings ein Rückgang der spanischen Milchexporte erwartet.

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