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Milchmarkt und Milchpreise 2021

Spotmilch kostet jetzt 54 Cent - Milchpreise müssen steigen

melken.
am Donnerstag, 04.11.2021 - 13:24 (Jetzt kommentieren)

Die Preise für Spotmilch gehen durch die Decke. Anfang November kostet die zwischen den Molkereien gehandelte Milch bis zu 54 Cent.

milchbauer.

Das heißt eindeutig: Rohmilch ist für die deutschen Molkereien derzeit extrem knapp. Solch hohe Preise hat es noch nie zuvor gegeben. Im Schnitt handeln die deutschen Molkereien die Spotmilch im Norden und Westen etwa mit 52 Cent je kg und im Süden mit 54 Cent je kg. Aus den sehr eng mit dem nordwestdeutschen Markt verbundenen Niederlanden wurden immerhin Spotmilchpreise von 51 Cent gemeldet.

Hinter diesen außergewöhnlich hohen Spotmilchpreisen steht eine erhebliche Verknappung des Rohstoffangebotes und weiter steigenden Spotmarktpreise bei Milchprodukten. Das gilt sowohl für den europäischen Markt, als auch für die Exportmärkte, wie aktuelle Auktion auf der globalen Handelsbörse Global Dariy Trade diese Woche mit einem weiteren deutlichen Plus von 4,3 Prozent eindrucksvoll belegt.

Ende Oktober lag die deutsche Milchanlieferung jedenfalls 2,7 Prozent unter dem Vorjahr. Die süddeutsche Butterbörse schätzt die aktuelle Marktlage folgendermaßen ein: „Die Milchanlieferungen der Landwirte sind weiterhin unter dem Vorjahresniveau. Dies zeigt sich deutlich bei den Preisentwicklungen am Spotmarkt für Flüssigrohstoffe und bei den Milcherzeugnissen. Auf dem Milchmarkt gibt es preislich nur eine Richtung, die nach oben geht. Hohe Futtermittelkosten der Landwirte, die daher auf Kraftfutter verzichten, beeinträchtigen die Milchanlieferungsmengen und die Milchinhaltsstoffe zusätzlich. Daher gibt es wenig bis keinen frei verfügbaren Rohstoff auf dem Spotmarkt. Die Preise für Magermilchkonzentrat, Industriesahne und Spotmilch sind deshalb weiter angestiegen.“

Damit wird der Abstand zu den Preisen, die die Molkereien an die Milchbauern zahlen, immer größer, obwohl es auch hier langsam nach oben geht. Doch muss sich angesichts des Rohstoffmangels und steigender Produktpreise eigentlich ändern. Auch wenn die Kosten für die Molkerei - ähnlich wie für die Milchbauern - derzeit auf allen Ebenen explodieren und auch die Lieferketten bei Milch und Milchprodukten im In- und Ausland immer schlechter funktionieren.

Trotzdem lag der letzte von der BLE offiziell gemeldete Milchpreis, für Milch mit 4 % Fett und 3,4 % Eiweiß, jenseits von Gut und Böse, wenn man auf die aktuelle Marktentwicklung schaut. Danach zahlten die Molkereien im Monat September nach Schätzungen der AMI nur etwa 36,40 Cent und sind damit meilenweit von den Spotmilchpreisen und auch von anderen wichtigen Indikatorpreisen entfernt.

 

Sehr hohe Kosten für Milchbauern – aber Preise steigen

Kühe.

Die Preise für alle Milchprodukte steigen ebenfalls deutlich an. Im Großhandel und an den Spotmärkten geht das weiterhin deutlich schneller als bei den über längerfristige Kontrakte gehandelten Milchprodukten. Die süddeutsche Butterbörse berichtet aber ebenfalls bei allen Milchprodukten über steigende Preise. So gingen etwa die Preise für Päckchenbutter steil nach oben.

Die Butterbörse meldet Anfang November einen Preissprung auf 5,84 bis 5,94 Euro je kg - von zuvor 4,14 bis 4,87 Euro!!! Die Börse berichtet: „Wer Milchfett übrig hat, verkauft es derzeit am lukrativsten in flüssiger Form. Die Hersteller von Butter lenken den benötigten Rohstoff vorwiegend in die 250 g-Produktion Es konnten nicht alle Mengen geliefert werden, da der Rohstoff nicht verfügbar war. Im Bereich Blockbutter 25 kg finden fast keine Geschäfte statt, es ist kaum etwas am Markt verfügbar. Wer unbedingt Ware benötigt, muss einen ordentlichen Aufschlag akzeptieren.“

Der steile Anstieg der Energiepreise und die massiven Logistikprobleme verschärfen die Situation zusätzlich. Denn bei einem sehr knappen Angebot an Milch und Milchprodukten steigen die Kosten für Transport und Produktion auch in den Molkereien steil an. Das gilt jedoch erst recht für die Milchbauern, bei denen die Produktionskosten ein Allzeithoch erreicht haben – denn auch sie treffen die hohen Preise für Strom, Diesel, Heizöl und Futter mit voller Wucht.

Um diese Kosten zu decken werden dringend höhere Milchpreise als die oben genannten knapp 37 Cent benötigt. Das macht auch der riesige Abstand zu den aktuellen Spotmarktpreisen deutlich, der derzeit etwa zwischen 11 und 17 Cent liegt – und nicht wirklich zu erklären ist. Die finanzielle Verwertung der Milch hat sich jedenfalls zuletzt immer weiter verbessert – und dürfte im November nochmals deutlich besser werden und die Milchpreise mitziehen - sagen jedenfalls die wichtigsten Indikatoren.

Rohstoffwert bei 43 Cent - Börsenmilchwert bei knapp 50 Cent!

euter.

Die steil nach oben gerichtet Preisentwicklung zeigt auch der letzte vom Ife-Institut in Kiel berechnete Rohstoffwert der Milch, der die Preisentwicklung bei Butter und Magermilchpulver abbildet.Der Rohstoffwert legte im September bereits deutlich zu: Von 36,5 Cent/kg auf immerhin 38,5 Cent/kg zu. Das war ein Aufschlag von 2,4 Cent und der beste Rohstoffwert seit vier Jahren – seit Sommer 2017. Ursache waren sowohl die deutlich besseren Butterpreise als auch der Preisanstieg bei Milchpulver.

Doch im Oktober ging es mit dem Rohstoffwert noch viel stärker nach oben: Hier gab es einen Sprung von 38,9 auf 43,3 Cent je kg. Ein Plus von 4,4 Cent. Noch besser erkennbar wird die aktuelle  sehr dynamische Marktentwicklung durch den ebenfalls vom Kieler ife-Institut berechneten Börsenmilchwert. Das ist der mit Abstand schnellster Frühindikator am Milchmarkt. Er wird täglich aus den Terminmarktpreisen von Butter und Magermilch berechnet. Für den 03. November ergab sich danach ein Börsenmilchwert von 48,9 Cent. Bis Januar steigen die Preise dann sogar bis auf 49,2 Cent.

Eine ähnliche dynamische Entwicklung sieht man bei den Preisen für Milchprodukte. Hier geht es für die frei gehandelte Ware im Großhandel seit Wochen steil nach oben. Und das für sämtlich Produkte: Von Butter über Milchpulver bis zu Käse. Auch für die laufende Woche meldet EU-Kommission einen weiteren kräftigen Preisanstieg für fast alle Milchprodukte.

So kostet Butter im europäischen Großhandel derzeit 487 Euro je 100 kg. Das sind rund 70 Euro mehr als vor vier Wochen und die höchsten Butterpreise seit rund vier Jahren.Aus Deutschland werden sogar noch deutlich höhere Großhandelspreise von 525 Euro je 100 kg  gemeldet – und in den Niederladen kostet die Butter 535 Euro.

Ähnlich die Situation bei Milchpulver: Hier meldet die Kommission für Magermilch einen europäischen Großhandelspreis von 292 Euro je 100 kg. Das ist der höchste Magermilchpulverpreis seit November 2014 – also seit rund 7 Jahren. Aus Deutschland werden sogar Preise von 310 Euro je 100 kg gemeldet und aus den Niederlanden von 312 Euro - damit die höchsten Preise in der EU.

Auch bei Käse haben Nachfrage und Preise kräftig angezogen. Hier meldet die Kommission für Edamer aktuell Preise von 351 Euro je 100 kg. Das ist das höchste Niveau seit Oktober 2017 – also seit 4 Jahren.

 

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