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Milchmarkt

Stahl: Milchmengen steuern bringt nichts

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Josef Koch, agrarheute
am
05.03.2018

Peter Stahl, MIV-Vorsitzender, stellte auf der Bayern MeG Mitgliederversammlung klar, eine Mengenregulierung über eine Branchenorganisation funktioniere nicht. Die Molkereien planen eine eigene Sektorstrategie 2030.

Stahl-Peter-MIV-Vorsitzender

Gerade im derzeit schwächelnden Markt mit sinkenden Milchpreisen war die Mengensteuerung über eine Branchenorganisation Milch bei der Mitgliederversammlung der Bayern MeG in Herrsching ein zentrales Thema. Allerdings nahm Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV) in seinem Vortrag den Milcherzeugergemeinschaften den Wind aus den Segeln.

Nach Stahls Auffassung bedeute eine Branchenorganisation Milch nur zusätzliche Kosten, bringe aber nix. Ohnehin gebe es im Milchsektor schon sehr viele Organisationen, gab Stahl zu bedenken. Eine zusätzliche sei gar nicht nötig.

„Es wird nicht funktionieren, wenn Deutschland die Mengen reguliert, um sich gegen einen Preisabschwung zu stemmen“, zeigte sich Stahl überzeugt. Selbst wenn es EU-weit gelänge, die Mengen anzupassen, seien Molkereien und Milcherzeuger gegen Milchpreisschwankungen am internationalen Markt nicht gefeit. 

EU-Milchprodukte müssen wettbewerbsfähig bleiben

Die USA und Neuseeland setzen auf Expansion und könnten daher die Preise am Weltmarkt unter Druck setzen.

„Die EU erzeugt 15 Prozent mehr Milch als sie verbraucht. Wir sind daher auf den Export angewiesen und müssen wettbewerbsfähig sein“, beschreibt der MIV-Vorsitzende die Situation. „Sind unsere Milchprodukte aber für den Weltmarkt zu teuer, wird bei uns in Deutschland und der EU Milch stehen bleiben“, nennt Stahl mögliche Konsequenzen aus seiner Sicht.

Stahl: EU-Recht erlaubt keine Mengenabsprachen

Stahl gab zu bedenken, dass Mengenabsprachen innerhalb einer Branchenorganisation laut EU-Recht gar nicht genehmigt seien. Allerdings vergaß der MIV-Chef zu erwähnen, dass die EU in Krisenphasen durchaus Ausnahmen machen kann. So hatte sie auch bei der jüngsten Krise 2015/16 für einen begrenzten Zeitraum Mengenabsprachen für Branchenorganisationen zugelassen.  

„Die Politik ist unehrlich, wenn sie sagt, über eine Branchenorganisation Preisschwankungen eindämmen zu können“, appellierte er an die Zuständigen in Berlin. Noch-Bundesagrarminister Christian Schmidt hat die Molkereiverbände für den 12. März noch einmal zu einem Runden Tisch eingeladen.   

Eigene Standards erschweren Markengeschäft

Nach Stahls Meinung werde es auch nicht funktionieren, über eine Branchenorganisation Milch eigene Standards zu setzen. So wollen Molkereien ihre regionalen Vorteile in der Vermarktung nutzen. Daher setzen manche beispielsweise auf Glyphosat-Verbot, GVO-frei erzeugte Milch oder Weidehaltung. Einheitliche Standards würden vor allem Markenartiklern schaden, führte der Molkereivertreter aus. Aber Marken schafften eine höhere Wertschöpfung.    

Ebenso entgegnete Stahl dem Argument, eine Branchenorganisation könne leichter Millionenbeträge fürs Milchmarketing aus dem EU-Topf abrufen. So gab er zu bedenken, dass eine Branchenorganisation diese Gelder kofinanzieren müsse, damit Brüssel sie überhaupt auszahle. Zudem erlaube Brüssel nur eine generische Werbung für Milch, und nicht für einzelne Produkte. Sein Verband, der MIV, sehe diese Werbung aber kritisch. Zudem scheut der Verband die hohen bürokratischen Auflagen, die Brüssel mit der Förderung verknüpft. 

Molkereien wollen eigene Sektorstrategie

Stahl kündigte indes an, dass die Molkereien im MIV eine eigene Sektorstrategie Milch 2030 erarbeiten werden. Dazu gebe es eine eigene Arbeitsgruppe. Angeregt hatte diese DMK-Chef Ingo Müller. Ende des Jahres könnte das Strategiepapier auf der MIV-Jahrestagung verabschiedet werden. Auf nähere Details der Strategie ging Stahl vor den Vorsitzenden der Erzeugergemeinschaften jedoch nicht ein.

Vertreter von Erzeugergemeinschaften sehen bei der Sektorstrategie die Gefahr, dass sie zu einseitig ausfallen und nur Molkereiinteressen berücksichtigen könnte. „Wir Milchbauern sollen das dann einfach schlucken“, kritisiert ein MeG-Vorstand. „So wird das aber nicht funktionieren“.

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