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Hilfspaket

Studie: EU-Hilfen während Milchkrise blieben nahezu wirkungslos

Milch im Glas
Immo Cornelius
am
18.03.2018

Die Teilnahme am EU-Hilfspaket zur Mengenreduzierung blieb verhältnismäßig gering. Zu stark sei der Anreiz gewesen, die Menge konstant zu halten, so das Thünen-Institut.

Ernüchternd fällt die wissenschaftliche Evaluierung der im Herbst 2016 im Zuge der Milchmarktkrise von der Europäischen Kommissionen beschlossenen Hilfspakets für Milcherzeuger aus.

Nach einer Studie des Thünen-Instituts (TI) für Marktanalyse war die Wirkung des EU-Milchmengenverringerungsprogramms und der Milchsonderbeihilfe mit Mengendisziplin gering.

Hilfspaket erfüllte den Zweck nicht

Die Wissenschaftler Dr. Sascha Weber und Andrea Rothe kommen in ihrer über 100-seitigen Publikation zu dem Schluss, "dass der Milchmarkt und seine Kräfte prinzipiell auch ohne staatliche Eingriffe funktionieren".

Bereits vor Inkrafttreten der Maßnahmen hätten die deutschen Milcherzeuger auf das niedrige Preisniveau am Milchmarkt reagiert und ihre Erzeugung eingeschränkt, so das Thünen-Institut weiter.

35 Prozent der Landwirte nahmen teil

Nachdem allmählich eine Markterholung eingesetzt habe, sei es offenbar für viele Milcherzeuger betriebswirtschaftlich sinnvoller gewesen, nicht ihre Erzeugung einzuschränken oder stabil zu halten, um in den Genuss der Beihilfen zu kommen.

Rund 35 Prozent der deutschen Milcherzeuger hatten sich laut Thünen-Institut an der Milchsonderbeihilfe mit Mengendisziplin beteiligt. Angesichts der teilweise emotionalen öffentlichen Diskussion über die schwierige finanzielle Situation vieler Milcherzeuger erscheine dieser Anteil gering.

Fragwürdigkeit politischer Eingriffe

Offenbar hätten die Preissignale des Marktes die Mehrzahl der Milchbauern bewogen, eher von den wieder steigenden Marktpreisen zu profitieren als ihre Menge konstant zu halten.

"Gemessen an der geringen Teilnahmebereitschaft und dem marktkonformen Verhalten der Milcherzeuger stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit politischer Eingriffe in den Markt", heißt es in der Analyse der Braunschweiger Wissenschaftler.

Problem des Mitnahmeeffekts

Als gravierend erscheint der Studie zufolge zudem das Problem der Mitnahmeeffekte. Annähernd 40 Prozent der im Rahmen der Milchsonderbeihilfe erreichten tatsächlichen Milchmengenverringerung in Deutschland sei durch die Aufgabe der Milcherzeugung erzielt worden.

Mit rund 8,8 Mio Euro seien etwa 28 Prozent der mit dieser Maßnahme ausgezahlten Beihilfen an aussteigende Betriebe gegangen.

Mit Material von AgE

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