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Biomilch

Zu viel Biomilch drückt die Preise

Milchpreis: Risiko praktikabel managen
am Montag, 16.07.2018 - 14:37 (Jetzt kommentieren)

Die Preise für Biomilch geben nach. Eine Ursache dürfte der saisonal übliche Verlauf der Milchpreise sein.

Zusätzlich drückt jedoch das kräftig wachsende Angebot auf die Preise. In den ersten fünf Monaten des Jahres musste der Markt fast ein Viertel mehr Biomilch verkraften.

Diese zusätzliche Menge nimmt der Markt nicht ohne weiteres auf. Der Absatz wächst zwar ebenfalls, jedoch nicht ganz so schnell wie die Erzeugung.

In welchem Umfang der akute dürrebedingte Futtermangel der letzten Wochen das Produktionswachstum bremst, lässt sich noch sagen. Außerdem ist die Futterversorgung in den süddeutschen Zentren der Biomilchproduktion besser als im dürregeplagten Norden und Osten. 

Wartelisten für Milchlieferanten

In den Hochburgen der Biomilchproduktion im Süden und Südwesten Deutschlands führen die Biomolkereien Wartelisten für Landwirte, die auf Bio umgestellt haben, und ihre Milch nun anliefern wollen. Das bestätigte bereits Ende vorigen Jahres Rüdiger Brügmann, der für den Erzeugerverband Bioland die Marktlage beobachtet.

Brügmann berichtete gegenüber dem Branchendienst BIORAMA, „dass fast alle Biomolkereien eine Warteliste haben. In den letzten zwei Jahren haben viele Milchbetriebe auf Bio umgestellt, sodass momentan keine Betriebe mehr umstellen sollen, wenn sie nicht eine schriftliche Zusage von einer Molkerei haben, dass ihre Biomilch auch abgenommen wird.

Eine Umstellung ohne Marktoption wäre einfach viel zu gefährlich für die Betriebe. Aber auch für den Markt insgesamt, weil dann der Preis zusammenbrechen würde.“

Aufnahmestopp für Biomilch

Diese Situation bestätigte auch die Goldsteig Käserei, die ebenfalls eine Warteliste führt, gegenüber der Onlineplattform IDOWA. Die Gründe erläutert Goldsteig Geschäftsführer Andreas Kraus: "Es ist zu viel Biomilch am Markt." Mehr, als der Verbraucher derzeit kauft.

Goldsteig-Chef Kraus plant in absehbarer Zeit auch keine Veränderung. Mehr Biomilch? "Wir schaffen nicht mehr und haben dafür auch gar keinen Absatzmarkt". So wie ihm geht es vielen Mitbewerbern, die ebenfalls einen Aufnahmestopp eingeführt haben.

Neue Lieferanten werden nur als Ersatz für ausscheidende Erzeuger unter Vertrag genommen. Wer Biobauer wird, muss zudem bekanntlich erst zwei Jahre lang nach Bio-Kriterien wirtschaften, während die Produktion noch als konventionelle Ware behandelt wird, erläutert Theodor Eckmüller vom Landwirtschaftsamt Deggendorf in Niederbayern.

Ein Viertel mehr Milch als im Vorjahr

Biomilchmenge

Im Mai war die Anlieferung von Biomilch in Deutschland 25 % größer als im Vorjahresmonat. Außerdem war dies die größte, bislang überhaupt monatlich angelieferte Biomilchmenge.

Bereits im vorigen Jahr hatte die Produktion von Biomilch in Deutschland um rund 18 % auf den neuen Rekordwert von 0,94 Mio. t zugenommen. Sollt sich das derzeitige Wachstum fortsetzen, würde das Angebot zum Ende des Jahres bei knapp 1,2 Mio. t liegen.  

Die Hochburgen mit den meisten Biomilcherzeugern und Molkereien in Deutschland  sind Bayern und Baden-Württemberg. Hier wird knapp die Hälfte bzw. 16 % der deutschen Biomilch erzeugt. In beiden Bundesländern werden auch die höchsten Preise gezahlt. Diese waren zuletzt jedoch deutlich rückläufig.

Niedrigster Preis seit zwei Jahren

Ökomilchpreise

Die Preise für Biomilch mit 3,4 % Eiweiß und 4,0 % Fett lagen im Bundesmittel im Mai bei 47,49 Cent/kg. Das waren 0,60 Cent weniger als im April.

Gleichzeitig ist dies der niedrigste Preis seit September 2016, als die Biomilchpreise nur bei 47,0 Cent lagen. Auch im Vergleich zum vorigen Jahr sind die aktuellen Preise 0,89 Cent niedriger.

Der höchste Preis wurde im Mai mit 48,13 Cent/kg in Bayern gezahlt. Auch Baden-Württemberg und Hessen sowie Rheinland-Pfalz lagen mit ihren Preisen etwas über dem bundesweiten Durchschnitt.

Am niedrigsten waren die Erlöse in Niedersachsen mit 45,07 Cent. Der Abstand von Biomilch zum konventionellen Milchpreis lag im Mai bei 15,3 Cent und hat sich wegen der stärker rückläufigen Ökopreise verringert.

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