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Milchmarkt und Milchpreise

Zu viel Biomilch in Frankreich: 40 % Biomilch konventionell vermarktet

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am Donnerstag, 05.01.2023 - 13:28 (3 Kommentare)

Der französische Molkereiriese Lactalis verkauft bis zu 40 % seiner Bio-Milch als normale Milch. Ähnlich gehen auch andere französische Großmolkereien vor. Sie stufen die Biomilch sowohl preislich als auch von der Verwertung ab, berichten französische Medien.

Biomilch.

Dies geschieht offenbar, weil es bei den Verbrauchern nicht mehr genügend Nachfrage gibt. Trotzdem steigt die Jahresproduktion weiter an und erreichte kürzlich 250 Millionen Liter pro Jahr. Geschätzte 40 Prozent davon werden nicht als Bio vermarktet, berichten französische Medien. Die Verbrauchernachfrage nach Bio-Milch ist nach neuesten Zahlen um etwa 10 Prozent zurückgegangen, obwohl der ökologische Landbau in Frankreich immer weiter ausgebaut wird, berichtet auch das niederländische Agrarportal nieweoogst.

Bis 2019 zahlte Lactalis noch Boni und Subventionen an die französischen Milchbauern, die von konventionell auf Bio umstellten. In den letzten Monaten ist davon jedoch keine Rede mehr, auch nicht von den bisherigen Abnahmegarantien. Zudem verzichtet Lactalis bei Rückumstellung auf Vertragsstrafen und die Rückzahlung der Fördermittel, dennoch wird das Angebot nur mäßig angenommen. 

Während die Preise für Bio-Lebensmittel vielen Verbraucher zu hoch sind, decken die Erzeugerpreise für viele Biobauern nicht die Kosten. In den Supermarktregalen kosten Flaschen mit Bio-Milch immer noch mehr als konventionelle Milch. Nach Angaben französischer Medien kostete eine Lactel-Flasche Bio-Milch Mitte des Jahres bis zu 2,80 Euro im Vergleich zu 1,40 Euro für eine Packung konventionelle Milch.

Am anderen Ende der Kette bekamen manche französische Bio-Milchbauern jedoch nur noch 40 bis 50 Cent pro Liter oder bis zu siebenmal weniger! Die Situation ist beispiellos: Mitunter wurden die Biobauer schlechter bezahlt als ihre konventionellen Kollegen.

Biomilch wird einfach herabgestuft – Preise fallen

Die Bio-Milchproduktion hat sich auch in Frankreich parallel zum Anstieg des Konsums von Bio-Produkten entwickelt. Zwischen 2015 und 2021 hat sich die Menge der in Frankreich produzierten Bio-Milch verdoppelt, von 600 Millionen Liter auf 1,2 Milliarden Liter. Bis Ende 2022 dürften aufgrund laufender Umstellungen weitere 100 Millionen Liter Bio-Milch mehr eingesammelt worden sein, stellt der französische Molkerei-Branchenverband fest.

Im Gegensatz zu ihren konventionellen Kollegen – mit stark schwankenden Preisen – profitierten die Bio-Milchbauern eigentlich von stabilen und stetig steigenden Preisen. Doch seit einem Jahr haben alle französischen Molkerei-Unternehmen große Mühe, ihre Bio-Milch zu verkaufen – Lactalis, Sodiaal, Agrial und Biolait sind die vier Hauptabnehmer und Vermarkter von Biomilch. Der Konsum wächst nicht mehr so schnell wie die Produktion. Nach zehn Jahren zweistelligen Wachstums verlangsamt sich das Bio-Wachstum deutlich.

Erstmals sinken auch in Frankreich die Umsätze. Mangels Absatzmöglichkeiten gerät der der Bio-Milch unter Druck und wird „herabgestuft“, berichtet das französische Medienportal Basta!. Konkret füllen die großen Molkereien, die Bio- und konventionelle Milch bei Landwirten sammeln, die Milch in denselben Tank. Bereits im Oktober 2021 hatte Lactalis mitgeteilt, rund 30 % der gesammelten Bio-Milch herabzustufen.

Ähnlich sieht es bei anderen Molkereien wie etwa Biolait aus: Der Preis für 1000 Liter Biomilch fiel für von 500 Euro auf 385 Euro, berichtet das Nachrichtenportal Basta!. Im Jahr 2021 lag der Durchschnittspreis für Biomilch zwischen 462 und 472 Euro pro 1000 Liter, die Tendenz ist jedoch klar rückläufig, mit mehr oder weniger starken Unterschieden, je nach Molkerei und Region, heißt es weiter.

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