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Milchmarkt und Milchpreise 2021

Weltmarkt: Milchpreise bleiben weit oben – entgegen allen Prognosen

milchbauern
am Mittwoch, 07.04.2021 - 11:35 (Jetzt kommentieren)

Die Milchpreise sind auf der globalen Handelsauktion GDT stabil geblieben. Analysten hatten einen Rückgang von 4 bis 5 Prozent prognostiziert. Damit zeigt sich der Milchmarkt deutlich robuster als erwartet.

GDT Auktionsindex

Der Chef der neuseeländischen Großmolkerei Fonterra, Miles Hurrell, äußerte sich nach der Auktion überrascht. Hurrell sagte gegenüber neuseeländischen Medien, er habe eigentlich eine Abschwächung des Marktes nach dem signifikanten Anstieg vor einigen Wochen erwartet. „Der Markt hat eigentlich erwartet, dass die Preise bei der Auktion zurückgehen werden, aber dann passierte etwas anderes - man kann also nie so genau sagen, was am Ende geschieht. Wir bewerten diese Auktion als positiv, da die Preise unverändert geblieben sind.“

Die Preise für Vollmilchpulver – dem mit Abstand wichtigsten Einflussfaktor auf den Handelspreisindex der Global Dairy Trade (GDT) – änderten sich nicht. Sie notierten im Mittel bei 4.085 USD je Tonne. Das zweitwichtigste Referenz-Produkt auf der Handelsplattform ist Magermilchpulver. Hier legten die Preise um 0,6 Prozent auf durchschnittlich 3.367 US-Dollar pro Tonne zu. Den größten Aufschlag verzeichnete Buttermilchpulver – mit einem Plus von 17,6 Prozent auf durchschnittlich 3.710 US-Dollar pro Tonne. Laktose legte um 6,5 Prozent zu auf 1.307 US-Dollar pro Tonne.

Die Preise für die anderen Rohstoffgruppen zogen ebenfalls durchweg an. Cheddar-Käse verteuerte sich um 2,2 Prozent auf 4.393 US-Dollar pro Tonne. Butter folgte knapp dahinter mit einem Aufschlag von 2 Prozent auf 5.776 USD je Tonne, während die Preise für wasserfreies Milchfett um 0,8 Prozent auf 6.209 USD je Tonne kletterten.

In seiner letzten Preisprognose vom 5. März hatte Fonterra die für 2020/21 erwarteten Milchpreise für Landwirte von 6,90 bis 7,50 NZD pro kg auf 7,30 bis 7,90 NZD pro kg angehoben.

Analysten: Preisanstieg bei Milch hat sich zementiert

„Dieses Ergebnis zementiert insbesondere die großen Preisgewinne gegenüber März“, sagte Nathan Penny, Senior Agri Economist der Westpac-Bank in einer Mitteilung. Trotz größerer Mengen als sonst im April haben sich die Preise auf diesem sehr hohen Niveau gehalten. Das sind gute Nachrichten und ein Hinweis auf eine sehr starke Nachfrage, sagte Penny.

Die Vollmilchpulverpreise (VMP) sind 2021 um 28 Prozent gestiegen. Gegenüber 2020 liegen sie jetzt sogar 44 Prozent höher. Die neuseeländische Terminbörse für Milchprodukte hatte unmittelbar vor der Auktion einen Rückgang der VMP-Preise von rund 5 Prozent angedeutet, und neuseeländische Analysten hatten vorige Woche einen Rückgang von 4 Prozent erwartet, sagte Penny.  

Das aktuelle Ergebnis steht im Einklang mit der Milchpreisprognose von WestPac für 2020/21 von 7,90 NZD/kg. „Wir stellen jedoch auch gewisse Abwärtsrisiken für die Prognose 2020/21 in einer Größenordnung bis zu einem möglichen Preis von 7,25 NZD/kg fest", sagte der Analyst weiter. Diese Abwärtsrisiken spiegeln unter anderem auch das Ausmaß des jüngsten Anstiegs der Auktionspreise und die Schwäche des neuseeländischen Dollars gegenüber dem US-Dollar wider.

Deutschland: Börsenmilch etwa bei 37,5 Cent

börsenmilchwert

In Deutschland ist die finanzielle Verwertung der Milch weiterhin deutlich besser als die Milchauszahlungspreise der Molkereien. Das zeigt weiterhin ein wichtiger Indikator, nämlich der Börsenmilchwert. Der Abstand zwischen Börsenmilchwert und ausgezahltem Milchpreis dürfte derzeit 4 bis 5 Cent je kg Milch betragen – denn im Januar und im Februar hatten einige Molkereien ihre Milchpreise sogar gesenkt.

Der Börsenmilchwert wird täglich aus den Terminmarktpreisen für Butter und Magermilchpulver berechnet. Am 6. April ergab sich ein Börsenmilchwert von 37,4 Cent für den Monat April und von 37,5 Cent für den Monat Mai. Für die Jahresmitte steigen die Börsenmilchwerte dann bis auf 38 Cent – und damit etwas weniger kräftig als noch vor einigen Wochen. Damals hatten die Börsenmilchwerte einen Anstieg auf 40 Cent erwarten lassen.

Der vom ife-Institut in Kiel aus den realen Handelspreisen von Butter und Magermilchpulver errechnete Rohstoffwert der Milch hat sich im Februar – wie erwartet – deutlich erhöht. Das ife-Institut ermittelte einen Wert von 32,9 Cent je kg. Das ist ein Anstieg von 1,6 Cent je kg zum Januar, der bei 31,3 Cent lag. Grund für den höheren Rohstoffwert ist, dass die Preise sowohl für Butter als auch für Magermilchpulver gestiegen sind. Die Milchauszahlungspreise haben einige Molkereien im Februar dennoch gesenkt.

Die Preise für die zwischen den Molkereien gehandelte Spotmilch sind derzeit etwas niedriger als vor vier Wochen – jedoch meist höher als die aktuellen Milchpreise. In der ersten Aprilwoche kostete die Spotmilch in Deutschland – je nach Region – zwischen 34,5 und 36 Cent. Aus den Niederlanden wurden ähnlich hohe Spotmilchpreise gemeldet – nämlich ebenfalls 36 Cent.

Der letzte offiziell von der BLE gemeldete Auszahlungspreis der deutschen Molkereien für Milch mit 4 % Fett lag für Dezember bei 32,88 Cent und für Milch mit natürlichem Fettgehalt bei 34,43 Cent.

Zu den aktuellen Auszahlungspreisen der Molkereien.

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