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Anbindehaltung

Weniger Geld für Milch aus Anbindehaltung?

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Josef Koch, agrarheute
am
31.10.2018

Der Bayerische Bauernverband ist besorgt, weil Molkereien überlegen, für Milch aus Anbindehaltung weniger zu zahlen. Der Berufsstand wehrt sich gegen die Diskriminierung.

Anbindehaltung

Bayerische Milchviehbetriebe mit Anbindehaltung sind in Sorge, dass ihre Milch in naher Zukunft mit Preisabschlägen versehen oder gar nicht mehr abgeholt wird. Grund dafür seien Pläne einzelner Marktpartner, die Milchpreise nach Haltungsformen zu differenzieren, teilt der Bayerische Bauernverband (BBV) mit.

Nach agrarheute-Recherchen soll die Molkerei Zott, Mertingen, derzeit überlegen, Preisabschläge für Milch aus Anbindehaltung einzuführen. Konkrete zeitliche oder preisliche Konzepte in dieser Sache gebe es derzeit nicht, teilt Christian Schramm, Leitung Milcheinkauf Zott mit.

Bereits seit Mitte Oktober kursieren Fragebögen von Discountern, mit denen die Haltungsform der Anlieferungsmilch erfasst werden soll. Die Molkereien sollen die Fragen bis Anfang November beantworten, heißt es aus der Branche.

Während die Politik die Gefahren einer Befristung der Anbindehaltung erkannt und von einem Verbot Abstand genommen habe, trieben einzelne Lebensmitteleinzelhändler und Molkereien die Diskussion weiter an und erhöhten so stetig den Druck auf die Milcherzeuger, kritisiert der BBV.

Strukturbruch in der Milchviehhaltung befürchtet

"Diese Aktivitäten lehnen wir entschieden ab. Milch aus Anbindehaltung ist gleich viel wert und darf nicht diskriminiert werden“, betont BBV-Präsident Walter Heidl. Es gehe nicht an, dass der Handel und die Verarbeiter immer höhere Anforderungen stellten und so Rahmenbedingungen diktierten, die einen Großteil der Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung vor grundlegende existentielle Probleme stelle.

Auch die Kreisobmänner des BBV befürchten durch die Aktivitäten gegen die Milch aus Anbindehaltung einen massiven Strukturbruch in der Milchviehhaltung des Freistaates, weil damit kleinere und mittlere Betriebe vor das Aus gestellt würden.

Bessere Unterstützung für Umstellung nötig

Walter-Heidl

„Wir bekräftigen die Ablehnung einer einseitigen Befristung der Anbindehaltung durch die Marktpartner und fordern unabhängig vom Haltungssystem gleichwertige Behandlung und Akzeptanz des Qualitätsprodukts Rohmilch“, bekräftigt Heidl.

Die klein- und mittelständischen Familienbetriebe mit Anbindehaltung würden einen wichtigen Beitrag zur Pflege von kleinteiligen Grünlandflächen, Hanglagen und andere ökologisch wertvollen Grenzstandorten leisten und trügen so zum Klima-, Boden- und Artenschutz bei.

Statt Befristungen oder Preisdiskriminierung müssten die Marktpartner die Milchviehbetriebe bei ihrer Entwicklung weg von der ganzjährigen Anbindehaltung unterstützen, forderte der BBV. Dies könne beispielsweise über die verstärkte Umstellung auf Laufställe erfolgen, aber auch über die Kombination aus Anbindeställen mit Bewegungsmöglichkeiten.

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