Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Prognose 2019

Weniger Milch und höhere Preise?

Milchpreis.jpg
am Freitag, 04.01.2019 - 09:59

Das Milchjahr 2019 beginnt mit ausreichend versorgten Märkten.

Damit ergeben sich zunächst einmal wenig Anlässe für stärkere Preisschwankungen. Für Unsicherheit sorgen allerdings die Futterknappheit auf den Erzeugerbetrieben und der Brexit.

Diese Faktoren könnten auch zu einem anderen Szenario führen. Eine schrumpfende Milchmenge dürfte jedenfalls kleinere Produktionsmengen bei Milchpulver und Butter bewirken.

Gerhard Richarts und Holger Thiele vom Kieler Institut für Ernährungswirtschaft (Ife) geben einen ersten Ausblick auf den Milchmarkt im Jahr 2019.

Pulverbestände schrumpfen weiter

Milchpulver.jpg

Unter der Annahme, dass die Milchanlieferung in der EU von Dezember 2018 bis April 2019 um ein Prozent sinkt, stünden 0,7 bis 0,8 Mio. t weniger Milch für die Herstellung von Butter und Magermilchpulver zur Verfügung. Entsprechend würden in diesem Zeitraum 630.000 t Magermilchpulver (MMP) hergestellt. Das wären 70.000 t bzw. 10 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Wenn der Binnenmarkt 400.000 t MMP benötigt und 330.000 t exportiert werden, müssten mindestens 100.000 t aus Lagerbeständen bereit gestellt werden. Diese Entwicklung ist schon seit einiger Zeit im Gange. Dabei haben die niedrigen MMP-Preise der Nachfrage am Binnenmarkt und dem Export sehr gut getan.

Verkaufte Bestände sind jedoch nicht sofort verbrauchte Bestände. Mit der physisch noch vorhandenen Ware bleibt der Markt ausreichend versorgt. Wo aber frisch produzierte Ware verlangt wird, dürfte es enger werden. Mit dem historischen Niedrigpreisniveau wird es deshalb vorbei sein.

Weniger Milch und weniger Butter

Ammerland-Butter_web.jpg

Die EU-Buttererzeugung würde unter den oben genannten Bedingungen von Dezember bis März 2019 um 35.000 bis 40.000 t niedriger ausfallen. Auch hier muss das Angebot aus den Beständen ergänzt werden, selbst wenn weniger exportiert werden sollte.

Letzteres ist mit dem gegenüber dem Weltmarkt deutlich höheren Preisniveau zu erklären. Allerdings stehen keine Daten zu den Beständen zur Verfügung, weil Butter angesichts hoher Preise nicht interveniert wurde und die private Lagerhaltung nicht gefördert wird.

Die Annahme, dass die Milchmengen von Dezember bis April um ein Prozent sinken, ist eine vorsichtige Einschätzung. Es könnte auch anders kommen. Die Frage wäre dann, in welchem Umfang im Frühjahr 2019 noch Butterbestände zur Ergänzung des Angebots zur Verfügung stehen. Im Jahr 2018 gab es im Frühjahr nämlich die höchsten Butterpreise.

Brexit bringt Unsicherheit

Britische und Europa-Flagge

Kommt es zu einem harten Brexit oder zum milden Brexit oder kommt er überhaupt? Die Wahrscheinlichkeit spricht zurzeit für einen harten Brexit. Die EU als Ganzes, einzelne Mitgliedstaaten und natürlich das Vereinigte Königreich stellen sich darauf ein. Wichtige Lieferländer für Milchprodukte sind Irland, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Dänemark und Italien.

Viele Handelsbeziehungen haben sich unter Binnenmarktbedingungen entwickelt. Auf die administrative Logistik formaler Handelsbeziehungen sind die wenigsten vorbereitet. Ebenso überfordert dürften die zuständigen Behörden an den Grenzübergangsstellen sein. Deshalb dürfte die physische Logistik ins Stocken kommen.

Unter diesen Umständen werden voraussichtlich in den kommenden Monaten bis Ende März umfangreiche Mengen an Milchprodukten aus Irland und den kontinentalen Mitgliedstaaten im Vereinigten Königreich eingelagert. Diese über das Normale hinaus gehende Nachfrage dürfte dann nach dem Stichtag abflauen. Alles in allem sorgt das Ereignis für zusätzliche Preisvolatilität. Bis Ende 2018 hat sich diese allerdings kaum in den Börsennotierungen ausgewirkt.

Milchverwertung 2019 zunächst stabil

Der Kieler Rohstoffwert Milch lag im Jahr 2018 im Mittel bei 31,9 Cent/kg Standardmilch mit 4 Prozent Fett. Das sind 3,4 Cent weniger als 2017, aber 5,9 Cent mehr als 2016. Auch wenn die mit dem Kieler Wert zum Ausdruck gebrachte Verwertung aus Magermilchpulver und Butter im Jahr 2018 oberhalb der Spotmarktverwertung aus Konzentrat und Rahm lag, so stellte sie gegenüber der Verwertung aus Käse und Frische, die schlechtere Verwertung dar.

Die Durchschnittsverwertung der Milch in Deutschland über alle wichtigen Standardproduktsegmente hinweg lag 2018 bei rund 35 Cent/kg Milch mit 4 Prozent Fett. Der gesamte Milchmarkt in Deutschland zeigte damit eine um rund 2 Cent oder 5 Prozent schlechtere Performance als im Vorjahr. Bisher sieht es bezüglich dieses Indikators für 2019 nicht nach großen Veränderungen aus. Aber die angesprochenen Unsicherheiten zeigen, dass sich diese Einschätzungen schnell nur als Momentaufnahmen entpuppen könnten.

Mit Material von Kieler Institut für Ernährungswirtschaft (Ife)