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Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Milchmarkt und Milchpreise

Spotmilch kostet 55 Cent: Wieviel Milch wird dann gehandelt?

Milch.
am Freitag, 10.12.2021 - 15:13 (5 Kommentare)

Für Spotmilch werden derzeit 55 Cent gezahlt. Viele Bauern bekommen nicht mal 40 Cent. Doch wieviel "Spotmilch" gibt es wirklich?

rohmilchpreise.

Dafür gibt es viele Gründe und Erklärungen – nicht alle sind auch plausibel und gut nachvollziehbar. Viele Bauern hinterfragen diese Preisunterscheide – zu recht – jedoch liegen nicht für alle Mengen und Preise die Daten auf dem Tisch. So weiß man oft nicht– wieviel Milch hinter einem solchen Preis wirklich steckt.

Das gilt insbesondere bei den Preisen für die so genannte Spotmilch, die den Preis für die frei zwischen den Molkereien gehandelt Milch anzeigt. Aber auch beim vom Ife-Institut in Kiel Rohstoffwert der Milch und beim Börsenwert sind die dahinter stehenden Mengen nicht immer klar. Fakt ist, bei allen drei für den deutschen Milchmarkt maßgeblichen Indikatoren liegt der Preis derzeit deutlich über 50 Cent – besser gesagt zwischen 50,1 Cent (Rohstoffwert), 54,1 Cent (Börsenmilchwert) und 53,50 Cent für die Spotmilch.

Der von der AMI für den Oktober geschätzte Milchpreis lag bei 37,40 Cent und dürfte im November wohl über die 40-Cent-Marke springen. Unser Leser H. sagt dazu: Die Lücke zwischen Milchpreis und Rohstoffwert ist immer "riesig" wenn große Abweichungen stattfinden. Aber hat im Mai 2020 jemand gefragt, wann kommt dieser Rohstoffwert endlich bei den Landwirten an? Bei mir ist er damals zum Glück nicht angekommen. Und ja eine Frage hätte ich dann doch, um welche Menge geht es sich am Spotmarkt, wenn nicht um geringe Mengen, wieviel Tonnen oder wieviel Prozent der Gesamtmilch?“

Spotmilch: Zwischen 6 und 30 Prozent der Milchmenge?

Molkerei.

Fakt ist jedenfalls: Eine offizielle Statistik über die am Milchmarkt zwischen den Molkereien gehandelt Spotmilch gibt es nicht. Und die gehandelten Mengen dürften zudem je nach Marktlage erheblich schwanken – ebenso sehr wie die Spotmilchpreise – die ja die Knappheit direkt anzeigen und in den letzten Jahren zwischen weniger als 20 Cent und 55 Cent alles zu bieten hatten.

Einige Hinweise – und inoffizielle Statistiken - über die gehandelt Spotmilch gibt jedoch. Diese weichen zum Teil jedoch erheblich voneinander ab – je nachdem ob man nur die Rohmlich oder auch andere Vorprodukte mitberücksichtigt.

Im Rahmen der großen Sektor-Untersuchung des Kartellamtes über Marktmachtverteilung, Milchauszahlungspreise, langfristige Lieferverträge und Markttransparenz, war es auch zu Angaben oder Schätzungen hinsichtlich der am Spotmarkt genhandelten Mengen durch unterschiedliche Akteure gekommen.

Eine sich daran anschließende Untersuchung der Uni Göttingen über Preisbildungssysteme in der Milchwirtschaft erklärte den Spotmarkt und die die dort gehandelten Mengen so: Auf dem Spotmarkt können von den Molkereien kurzfristig Überschüsse verkauft und Mindermengen gedeckt werden. Rohmilch, Konzentrate und Rahm für die industrielle Weiterverarbeitung werden im Intramolkereihandel gehandelt.

Die Angaben über die gehandelten Mengen sind widersprüchlich. Der Milchindustrieverband schätzte damals, dass ca. 30 Prozent der an die Molkereien gelieferten Milchmenge nicht direkt verarbeitet, sondern auf dem Spotmarkt gehandelt wird. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e. V. (BDM) schätzte die am Spotmarkt gehandelte Menge – je nach Marktlage - hingegen auf 1 Prozent bis 6 Prozent des Gesamtvolumens der Rohmilch.

„Diese große Diskrepanz ist – neben strategischen Erwägungen bei der Schätzung – vermutlich auch auf unterschiedliche Marktabgrenzungen zurückzuführen,“ sagen die Wissenschaftler um Anneke Hellberg-Bahr und Achim Spiller. Soll heißen: Berücksichtigt man bei der Schätzung nur die Rohmilch oder eben auch andere Vor- und Flüssigprodukte.  

Spotmilchhandel war da Geschäftsmodell der BMG

Rohstoffwert der Milch.

Im Jahr 2020 haben die deutschen Landwirte 32.552 Tausend Tonnen Milch an Molkereien geliefert – das sind trotz einer dramatisch schrumpfenden Zahl an Milchbauern 20 Prozent bzw. 5.341 Tausend Tonnen mehr. Die Zahl der Milch erzeugenden Milchbauern hat sich im gleichen Zeitraum mehr als halbiert – von 138,5 Tausend auf nur noch 57,3 Tausend.

Aber zurück zur Spotmilch. Nimmt man einmal an – wie vom BDM geschätzt bis zu 6 Prozent der Milch werden am Spotmarkt gehandelt – wären das immerhin knapp 2 Millionen Tonnen und bei den am oberen Ende befindlichen 30 Prozent wären das beinahe 10 Millionen Tonnen. In jedem Fall eine gewaltige und relevante Menge.

Wie existenzbedrohend die Preisschwankungen am Spotmarkt sein können – zeigt das Beispiele des insolvent gegangenen Milchhändlers B.M.G. (Berliner Milcheinfuhrgesellschaft) im März 2018. Die B.M.G. war der bedeutendste Milchhändler Deutschlands. Sie schloss Milchkaufverträge für rund 950 Millionen Liter Milch ab.

Annähernd ein Drittel Milch wurde von der BMG über den stark schwankenden Spotmarkt verkauft. Damals gab es dort jedoch ur 20 bis 23 Cent für die gehandelte Rohmilch. Derzeit sind es 52 bis 55 Cent und die BMG hätte sich die Taschen vollmachen können. Der Milchhändler brachte nach Einschätzung der meisten Beobachter auf jeden Fall mehr Wettbewerb in den Milchmarkt. Über als 1000 Bauern mussten sich nach der Pleite jedoch über Nacht eine neuen Abnehmer suchen.  

Der Milchpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Karsten Schmal, sah die Ursache in einem „gewagten Geschäftsmodell gepaart mit unternehmerischen Fehlentscheidungen“. Auch unser Leser H. sagt: „Wenn keiner mehr weiß wohin mit der Milch, dann ist die gehandelte Menge hoch und der Preis gering. Wichtig ist für Molkereien, dass sie sich im Regal halten können und Ihre Milch auch da unterbringen. Wenn eine Molkerei am Spotmarkt teuer zukauft macht sie das ja nicht, weil sie von Aldi und co. extra viel bekommt sondern weil sie Verträge erfüllen muss“.  

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