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Corona-Krise und wirtschaftliche Folgen

Rohölpreise stürzen ins Negative: Folgen für die Agrarmärkte

Rohöllager
am Dienstag, 21.04.2020 - 12:58 (Jetzt kommentieren)

Am Montag war am Rohöl- und Energiemarkt ein historischer Tag. Erstmals stürzten die Preise für das US-Leichtöl WTI weit in den negativen Bereich.

Bioenergie

Das heißt: Der Terminmarkt zeigte erstmals einen negativen Preis für Rohöl an. Etwas Vergleichbares hat es zuvor noch nicht gegeben. Der Absturz war eine unmittelbare Folge der sich abzeichnenden coronabedingten globalen Rezession, der wegbrechenden Nachfrage nach Energie und Treibstoff und des immer größer werdenden globalen Überangebotes am Rohöl- und Energiemarkt.

Von der Preis- und Absatzkrise der fossilen Energiemärkte direkt betroffen sind die Märkte für Bioenergie – wie etwa für Ethanol und Biodiesel – und in den USA insbesondere auch der Mais, als wichtigster Rohstoff für die Ethanol-Produktion. Deshalb fielen auch die Maispreise am US-Terminmarkt gestern auf ein 11-Jahrestief, während gleichzeitig die Weizenpreise wegen der befürchteten globalen Nahrungskrise weit nach oben schossen.

Der dramatische Absturz der Maispreise wird aber auch die weitere Markt- und Preisentwicklung bei Futtergetreide beeinflussen. Und – wo dies noch möglich ist – werden sich wohl auch Anbauentscheidungen der Farmer – weg vom Mais und hin zu Sojabohnen und Sommerweizen – noch verändern.

Eine gute Nachricht für Landwirte und Verbraucher gibt es aber auch: Weiter nach unten dürfte es auch für die Diesel- und Heizölpreise gehen und am Ende auch für Mineraldünger und andere landwirtschaftliche Betriebsmittel, deren Herstellung sehr energieaufwendig und kostenintensiv ist.

Minus 40 USD je Barrel – das gab es noch nie

Öllager

Was ist nun aber am Rohölmarkt genau passiert: Die Notierung für das Leichtöl WTI stürzte am Montag um 55,90 USD je Barrel oder 306 Prozent nach unten und landete zum ersten Mal unter Null – im negativen Bereich. Der auslaufende Mai-Kontrakt wurde bei Minus 37,63 USD je Barrel notiert, nachdem die Kurse zuvor sogar bis auf Minus 40,32 USD pro Barrel gefallen waren.

Analysten begründeten den Preissturz mit dem weltweiten Überangebot und dem sehr hohen Niveau der US-Lagerbestände sowie mit der Konvergenz von Futures und Cash- bzw. Kassapreisen vor dem Ablauf des Mai-Kontraktes beim US-Leichtöl (WTI) am Dienstag.

Die Corona-Pandemie hat seit Anfang März rund ein Drittel des globalen Bedarfs an Kraftstoff wegbrechen lassen und die Produzenten weltweit in große Schwierigkeiten gebracht, die daraus resultierende massive Ölschwemme logistisch zu bewältigen, das heißt auch, dass nicht vom Markt benötigte Öl zu lagern.

Die Chicago Mercantile Exchange (CME) sagte zu dem Preissturz: „Die Märkte funktionieren weiterhin effektiv, denn Käufer und Verkäufer übertragen ihre Risiko in diesen unsicheren Zeiten auf die WTI-Terminkontrakte."

Den Absturz der Preise ins Negative erklärt die Börse folgendermaßen: Wenn die Kontrate für Öl-Futures auslaufen, muss der Inhaber 1.000 Barrel Öl für jeden Kontrakt übernehmen, der am wichtigsten US-Lagerknotenpunkt in Cushing, Oklahoma, angeliefert wird. In Cushing füllen sich die Lager jedoch immer schneller. Händler, die das Öl am Ende nicht abnehmen wollen oder können, haben nur noch die Möglichkeit, aus diesen Positionen auszusteigen und zu verkaufen – zu jedem Preis.

Rezession: Die Welt braucht im Moment kein Öl

Rohöl

"In einer solchen Welt möchte niemand zu viel Rohöl haben", sagt Dan Basse von der Analystenfirma AgResource gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Möglichkeit, eine physische Lieferung entgegennehmen zu müssen, ist der Grund, warum der Mai-Kontrakt am Montag so stark gefallen ist. Die CME hat ihr System offenbar erst Anfang dieses Monats so verändert, dass es negative Preise verarbeiten kann. In einer Verlautbarung vom 8. April teilte die Börse den Clearingfirmen und Kunden mit, dass ein Plan vorhanden sei, "zu reagieren, wenn die Energiepreise in den kommenden Monaten weiter gegen Null fallen".

Am Montag hatte die CME mitgeteilt, „dass 15 Kontrakte, einschließlich des Rohölkontrakts, keine Untergrenze haben und möglicherweise negativ gehandelt werden", sagt Ted Seifried von Zaner Ag gegenüber Reuters. Aufgrund der wesentlich höheren Preise für künftige Öllieferungen, nicht nur beim US-Leichtöl WTI, sprachen einige Marktteilnehmer von einem sogenannten „Super-Contango". Eine solches Phänomen ist gekennzeichnet durch steigende Ölpreise, je weiter ihre physische Auslieferung in der Zukunft liegt. Dies kann ein Zeichen für eine besonders schwache Nachfrage oder ein besonders großes Angebot sein.

Im Moment trifft offenbar beides zu. Die Corona-Krise verursacht einen globalen Konjunktureinbruch, was eine stark schrumpfende Öl-, Benzin-, Diesel- und Kerosinnachfrage zur Folge hat. Zwar haben große Erdölproduzenten wie Russland und Saudi-Arabien zuletzt sehr deutliche Förderkürzungen angekündigt. Analysten bezweifeln jedoch, dass diese Reduzierungen ausreichen werden, um dass Missverhältnis von Angebot und Nachfrage wieder in Einklang zu bringen.

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