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Börsentelegramm

Getreide: Die hohen Preise sind vorbei

Taschenrechner vor Weizenlager
am
27.02.2019

Die Preise für Getreide und Raps stehen massiv unter Druck.

Am Dienstag fielen die Weizenpreise an der Matif auf den tiefsten Stand seit Juli vorigen Jahres. Auch für Mais und Raps ging es kräftig nach unten. Dabei fielen die Maispreise auf das niedrigste Niveau seit Juni vorigen Jahres. Der Raps sackte sogar auf den tiefsten Stand seit April 2018.

Analysten begründen den Preisverfall in Europa und an den internationalen Handelsplätzen sowohl mit technischen als auch mit fundamentalen Argumenten. Dabei geben die kräftig fallenden Kurse in den USA am Terminmarkt die Richtung vor. Dort sind die Preise für Weizen, Mais und Sojabohnen ebenfalls deutlich abgestürzt und markierten zuletzt neue Tiefpunkte.

Am physischen Markt sorgt jedoch vor allem Frankreich sowohl bei Weizen als auch Gerste für massiven Preisdruck. Bie unserem wesetlichen Nachbarn sind die Kurse bereits erheblich niedriger als hierzulande.

Frankreich drückt auf die Preise

Ähnlich wie am Terminmarkt ist das Szenario auch den Exportmärkten. Am Schwarzen Meer sind die Weizenpreise nach einem kräftigen Anstieg im Januar zuletzt wieder gefallen. Dennoch waren die fob-Preise für Weizen in Russland mit rund 238 USD/t noch immer 14 USD höher als in Frankreich. Dort ging es mit den Weizenpreisen zuletzt besonders dramatisch nach unten.

Auch die Gerstenpreise sind an den Exporthäfen Frankreichs mit 199 USD/t etwa 25 USD niedriger als in Russland, obwohl die Kurse  auch dort kräftig nach unten gingen. Offenbar ist in Frankreich deutlich mehr Weizen und Gerste vorhanden als bislang gedacht. Das drückt mächtig auf die bereits fallenden Kurse bei allen Getreidearten. Gleichzeitig ist Raps - trotz des europäischen Preisrutsches - an den ukrainischen Exporthäfen 8 USD je t billiger als in Frankreich und fließt deshalb weiter nach Europa.

Der Euro hat zuletzt leicht zugelegt. Am Dienstag notierte die europäische Währung bei 1,142 USD. Die Rohölpreise (WTI) haben im Vergleich zur Vorwoche hingegen etwas nachgegeben. Das Barrel Leichtöl notierte am Dienstag bei 55,50 USD je Barrel und damit ähnlich hoch wie am Vortag und gleichzeitig 1,66 USD niedriger als vor einer Woche.

Sehr niedrigere Weizenpreise in Frankreich

Die Weizenpreise haben in der laufenden Woche weiter nachgegeben. Am Dienstag fielen die Kurse an der MATIF auf den tiefsten Stand seit Juli 2018. Der vordere Märztermin für den MATIF-Weizen beendete den Handel nur noch bei 191,75 Euro. Das waren nochmals 2,0 Euro weniger als am Vortag und rund 6,0 Euro weniger in der Woche zuvor.

Der nachfolgende Maikontrakt 2019 wurde am Dienstag nur noch mit 188,75 Euro notiert und damit deutlich unter der 190-Euro-Marke. Für die neue Ernte 2019 (September) lagen die Weizenpreise nur noch bei 176,75 Euro.

Am deutschen Kassamarkt sind die Preise ebenfalls zurückgegangen. Jedoch waren die Korrekturen weiterhin nicht so kräftig wie am Terminmarkt und wie in Frankreich. Am Dienstag wurde der Brotweizen am Exporthafen Hamburg noch mit 201 Euro notiert. Das waren 5 Euro weniger als vor einer Woche, jedoch fast 10 Euro mehr als am Terminmarkt.

Vom wichtigsten französischen Handelsplatz Rouen meldete man für den dort angelieferten Brotweizen am Dienstag nur noch Preise von 184 Euro/t. Das waren 9 Euro weniger als in der Woche zuvor und zugleich 8 Euro weniger als am Terminmarkt. Gleichzeitig war der franzöische Brotweizen 7 Euro billiger als in Deutschland.

Am heutigen Mittwoch beginnen die Weizenpreise den Handel an der MATIF jedoch im Plus. Der Märztermin 2019 wird zum Handelsbeginn mit 194,25 Euro notiert und damit 2,25 Euro höher als am Vortag.

Maispreise fallen auf 10-Monats-Tief

Die europäischen Maispreise haben am Terminmarkt und am Kassamarkt nachgegeben. Auch am Schwarzen Meer ging es weiter nach unten. In den USA konnten sich die Maispreise hingegen knapp behaupten.

Der vordere Märzkontrakt für den MATIF-Mais notierte am Dienstag nur noch bei 169,75 Euro. Das waren nochmals 4,0 Euro weniger als vor einer Woche und zugleich die niedrigsten Preise seit 10 Monaten. Der nachfolgende Junitermin 2019 beschloss den Handel bei 172,50 Euro. Für die neue Ernte 2019 (November) gingen die Kurse auf 168,75 Euro/t zurück.

Am Hamburger Hafen wurde Importmais zur Auslieferung im Februar zuletzt mit 180 Euro notiert. Für die Auslieferung im April lagen die Preisforderungen bei 181 Euro. Für die nächsten Ernte (Oktober) bewegten sich die Angebotspreise nur noch bei 175 Euro. Im Südwesten Deutschland wurde Mais ab Station ebenfalls schwächer mit nur noch 170 bis 174 Euro gehandelt. Fob-Oberrhein lagen die Kurse zwischen 171 Euro und 172 Euro/t.

Am heutigen Mittwoch beginnen die vorderen Maispreise den Handel an der MATIF im Plus. Der Frontmonat März wird mit 171 Euro notiert.

Rapspreise weiter im Abwärtsstrudel

Die Rapsreise sind am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit April 2018 gefallen. Ein Grund waren die schwächeren Sojapreise. Weiterer Druck kam von den billigen Importen aus der Ukraine. Kräftig nach unten ging es am Dienstag zudem mit den Palmölpreisen.

Der Maikontrakt für den MATIF-Raps beendete den Handel am Dienstag nur noch bei 357,50 Euro/t. Im Vergleich zum Vortag war dies ein Rückgang von 2,50 Euro. Die Vorwochenpreise wurden um 5,0 Euro verfehlt. Für die neue Ernte 2019 (August) lagen die Kontraktpreise am Dienstag bei 357,50 Euro und damit ähnlich hoch wie die vorderen Preise.

Am Kassamarkt in Hamburg wurde Raps am Dienstag mit 358 Euro/t notiert. In Mannheim lagen die Kurse bei 363 Euro/t und am Mittelandkanal bei 357 Euro.

Am heutigen Mittwoch beginnen die Rapspreise den Handel an der MATIF etwas fester. Der Maitermin wird zunächst mit 358,25 Euro notiert und damit 0,75 Euro höher.

Weiterer Preissturz bei Futtergerste

Die Preise für Futtergerste sind weiter dramatisch gefallen. Am Hamburger Exporthafen lagen die Preisangebote am Dienstag nur noch bei 173 Euro/t. Das waren 13 Euro weniger als in der Vorwoche und 30 Euro niedriger als Anfang Februar als die Gerste noch für 203,50 Euro gehandelt wurde.

Futterweizen notierte in Hamburg am Dienstag bei 196 Euro. Das waren immer noch 23 Euro höhere Preis als für als Gerste. In Südoldenburg wurden für Futterweizen zur Anlieferung im Februar am Dienstag noch 201 Euro geboten.

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