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Absturz der Schweinepreise in China – und Panik am Schweinemarkt

schweine
am Montag, 21.06.2021 - 12:49 (Jetzt kommentieren)

Der dramatische Absturz der Schweinepreise in China setzt die Preise in vielen Ländern massiv unter Druck und führt zu Panikverkäufen, sagen Analysten.

schweinepreise

Betroffen sind vor allem die USA, Europa und Brasilien. Der Grund: Der Wettbewerb der großen Exporteure um den Absatz am größten Schweinemarkt der Welt. Doch ganz offensichtlich haben die Chinesen ihre Schweinebestände nicht zuletzt mit Hilfe gigantischer Schweinehochhäuer schneller wieder aufgestockt, als die meisten westlichen Beobachter erwartet hatten.

Am chinesischen Terminmarkt in Dalian stürzen die Preise jedenfalls immer weiter in die Tiefe – und reißen die Kurse nun auch in den USA und in Europa mit nach unten. Seit März ging es dort um 40 Prozent abwärts. Indirekt drückt dieser Kursrutsch auch auf den deutschen Markt, denn bei den großen europäischen Exporteuren fallen die Preise ebenfalls. Am Terminmarkt in Dalian werden lebende Schweine derzeit mit 17.955 Yuan je Kilogramm gehandelt – das sind umgerechnet etwa 2,30 Euro je kg LG. Der sehr starke Preisrückgang hat den Markt ganz offensichtlich überrascht, sagen Analysten.

Chinesische Analysten führen den drastischen Preisverfall auch auf das Verhalten chinesischer Farmer zurück, die angesichts der fallenden Preise nun verstärkt Schweine zur Schlachtung bringen. "Im Moment herrscht wirklich Panik, weil die Preise immer weiter fallen", sagte ein Analyst der Rabobank gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

„Wenn es Panikverkäufe gibt, folgen viele weitere, und das macht es dann noch schlimmer.“ Die chinesische Regierung hat die Bauern aufgefordert, die Schweine lieber noch länger zu halten, doch das hat offenbar nicht gut funktioniert.

Schweinepreise in den USA im Abwärtstrudel

schweinebestand

Auch in den USA hat der Schweinemarkt reagiert: Dort waren die Preise für lebende Schweine (Lean-Hogs) an der Chicago Mercantile Exchange (CME) vorige Woche zweimal um ihr tägliches Limit gefallen. Auslöser waren neben der Entwicklung in China die fallenden US-Großhandelspreise für Schweinefleisch, berichten Händler.

Chinas Schweinebestand ist im Mai um 23,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, hatten staatliche Medien am Mittwoch unter Berufung auf das Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten mitgeteilt, und damit den Kursrutsch ausgelöst. Die CME-Schweine-Futures brachen ein, als US-Analysten vor dem Hintergrund dieser Daten die Exportnachfrage Chinas in Frage stellten: Die Chinesen waren zuletzt der wichtigste Abnehmer von US-Schweinefleisch.

Chinas Schweinebestand wurde durch den Ausbruch von ASP um 40 Prozent dezimiert, sagen die offiziellen Daten. In jüngster Zeit sind die Preise für Schweine in China jedoch dramatisch gefallen. „Nachrichten aus China, dass die Schweineherde angeblich fast wieder aufgebaut ist, haben alle ziemlich erschreckt", sagte ein US-Viehhändler.

Chinas Preisverfall wirkt auch auf Deutschland

schweinepreise.

Die deutschen Schweinepreise sind in der vorigen Woche von 1,57 auf 1,48 Euro je kg gefallen, unter anderem auch wegen des starken Einbruchs der chinesischen Preise, glauben Analysten. „Die Auswirkungen des Preisverfalls in China sind weltweit zu spüren“, heißt es in einer Mitteilung des deutschen Schlachtkonzerns Tönnies.

Die deutschen Schweinepreise hatten sich zuletzt gerade etwas erholt, nachdem sie im vorigen Jahr wegen des ASP-bedingten Einfuhrverbots Chinas dramatisch abgestürzt waren. Der Ausfall Deutschlands als Exporteur führte dann zu einer massiven Verlagerung der Handelsströme. Dabei konnten andere EU-Länder wie Spanien ihre Exporte nach China massiv ausbauen. Gleichzeitig konnte Deutschland seine Verkäufe innerhalb Europas erhöhen.

„Der europäische Schweinefleischmarkt ist von Exporten nach China abhängig, daher spiegeln sich die fallenden chinesischen Preise auch am europäischen Markt wider“, hieß es aus Schlachthofkreisen.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) sagt, dass das derzeitige positive Bild auf dem heimischen Schweinemarkt die Preise stützen müsste. „Faktoren wie das knappe Angebot an Schlachtschweinen, die aktuelle Fußball-Europameisterschaft und das gute Grillwetter bieten beste Voraussetzungen für einen steigenden Markt“, ist der DBV überzeugt.

Doch die weitere Entwicklung der deutschen Schweinepreise wird wohl sehr davon abhängen, wie die Entwicklung in China und in anderen europäischen Länder weitergeht.

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