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Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Afrikanische Schweinepest und die Folgen

ASP-Ausbruch – kollabiert dann der Markt?

Tierarzt Schweine
am Freitag, 13.12.2019 - 06:46 (Jetzt kommentieren)

Was passiert, wenn in Deutschland die Afrikanische Schweinepest ausbricht? Für viele Landwirte ein Horrorszenario.

Fakt ist: Der Markt könnte komplett zusammenbrechen. Bereits im vorigen Jahr hatte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, auf die immensen Folgen eines Ausbruchs in Deutschland hingewiesen.

Krüsken sagte: „Breite sich der Erreger in Deutschland aus, drohe ein wirtschaftlich katastrophales Szenario". Exportländer würden Schweinefleisch nicht mehr abnehmen, in Deutschland würden die Preise drastisch fallen. Die möglichen Schäden für die deutsche Landwirtschaft könnten bei zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr liegen.

Rechne man noch die Kosten für die Seuchenbekämpfung und die Schäden für die gesamte Ernährungsbranche hinzu, lande man schnell in "zweistelliger Milliardenhöhe". Außerdem befürchtet der DBV bei einem ASP-Ausbruch eine Existenzkrise für viele Schweinebauern und auch für die Unternehmen der Branche. 

Hier kommen Sie zum Topthema:Afrikanische Schweinepest (ASP)

ISN: Anspannung aber keine Panik

Landwirt und Tierarzt

Doch die Branche hat sich auf den Ernstfall vorbereitet. Das sagt Torsten Staeck, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Er sagt zu der akuten Bedrohungssituation und der Stimmung unter Schweinebauern: „Anspannung - ja, aber bei uns herrscht alles andere als Panik“. Denn Fakt ist: Die Sicherheitsvorkehrungen bei den deutschen Schweinehaltern sind streng, und auch die Behörden bereiten sich mit Übungen auf einen möglichen Ausbruch der Seuche in Deutschland vor. „Das zeigt, welch große Bedeutung wir dem Ganzen zumessen“, betont Staack.

Das Problem ist aber: Auch ein Krankheitsausbruch, auch unter Wildschweinen, hätte für die deutschen Bauern gravierende Folgen. Auch dann käme nämlich der Export in Länder außerhalb der EU abrupt zum Stillstand. Innerhalb der Europäischen Union wäre hingegen (theoretisch) weiterhin Handel möglich. Der Grund: Die Länder sind in Zonen aufgeteilt. Und nur für direkt betroffene Zonen müssten Transportverbote verhängt werden.

Damit hätte ein an der Schweinepest gestorbenes Wildschwein in Brandenburg keine Handelsverbote für die Schweinehochburgen in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen zur Folge. Zumindest wenn es um den Export in andere EU-Länder ging.

Drittlandexport wäre tot

Schweine

Völlig anders sähe hingegen die Sache bei Ausfuhren in Drittländer aus. Wichtigster Abnehmer für Deutschland und andere Exporteure ist in diesem Fall China. Dort wurde der Schweinebestand infolge einer verehrenden ASP-Epidemie bereits um die Hälfte dezimiert – dass sind rund 220 Mio. Schweine. Zum Vergleich: Der gesamte europäische Schweinebestand liegt bei knapp 150 Mio. Tieren. Die direkten Folge der dramatischen Angebots-Verknappung in China sind eine Verdopplung der dortigen Preise und ein bis dahin nicht gekannter Importboom.

Die andere Seite der Medaille: Die starke Nachfrage aus China hat auch die Schweinepreise hierzulande auf zuletzt 2,0 Euro/kg nach oben getrieben – und die EU-Kommission hält einen weiteren Anstieg bis weit ins nächste Jahr hinein für möglich. Diese Rallye wäre mit  einem Exportverbot wohl abrupt zu Ende. Und die Preise dürften abstürzen.

„Wenn hier die Afrikanische Schweinepest ausbrechen würde, wäre dieser Markt sofort zu“, so Staack. Wie hoch der Schaden dann für die hiesige Fleischwirtschaft wäre, lasse sich derzeit nicht beziffern, erklärte der Marktkenner. Wie sich die Märkte in diesem Fall verschieben könnten, sei auch nicht wirklich abzuschätzen. Staack hält es jedoch für möglich, dass die Chinesen trotzdem deutsches Schweinefleisch kaufen würden - jedenfalls wenn die Krankheit nur bei Wildschweinen auftreten würde. Das erfordere jedoch Verhandlungen und teure Tests: Landwirte müssten dann nachweisen, dass ihre Tiere gesund seien.

Wenn auch Hausschweine betroffen wären

Schweinemast Anlage

Noch schlimmer wäre es für die Bauern, wenn ein Hausschwein mit ASP infiziert würde. Dann müssten alle Tiere des Hofes komplett gekeult werden. Zwar sind Landwirte über die Tierseuchenkasse versichert, bekämen also den Wert der getöteten Tiere ersetzt. Entschädigungen würden jedoch nur für den unmittelbar von der Seuche betroffenen Hof geleistet.

Gezahlt wir dann lediglich für die getöteten Schweine und die damit im Zusammenhang stehenden Kosten, informiert Sabine Ohnesorge, Kreissprecherin des Veterinäramt Minden-Lübbecke, in der Schweinhochburg Westfalen.. Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, würde die Umgebung für eine bestimmte Zeit abgesperrt. Es gelten dann für mindestens 40 Tage Verbringungsverbote: Alle Tiere müssen in dieser Zeit dort bleiben, wo sie sind und es dürfen keine neuen Schweine eingestallt werden.

Auch nach Ablauf dieser 40 Tage wäre ein Verbringen nur in Ausnahmefällen möglich, erklärte Sabine Ohnesorge weiter. Hinzu kommt: Die Schweinebauern, deren Höfe ebenfalls im Sperrbezirk liegen, die ihre schlachtreifen Schweine aber nicht verkaufen könnten, würden nicht durch die Tierseuchenkasse entschädigt.

Zäune sollen helfen

Schweinemast Anlage

Diskutiert wird nun, ob Deutschland sich vor der immer weiter nach Westen vorrückenden ASP-Epidemie durch Zäune schützen müsse. Das hätte Dänemark ebenso gemacht wie Tschechien oder Belgien. Allerdings: Das Zäune, wie sie an der Grenze Dänemarks aufgestellt wurden, die Einschleppung verhindern, glauben Experten, des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Greifswald nicht. Der Zaun sei wohl eher ein Signal Dänemarks an seine Handelspartner, sagte die Sprecherin des FLI, Elke Reinking: „Wenn Schweine dadurch wollen, dann kommen sie auch da drüber oder drunter.“

Sinnvoll seien Zäune hingegen für die Eindämmung der Krankheit. „Das hat man in Tschechien und auch in Belgien gemacht, und das gilt im Moment als Blaupause, wie man die Krankheit unter Wildschweinen in den Griff kriegen kann“, sagte Reinking. Auch das Landvolk Niedersachsen und die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) fordern eine konsequente Einzäunung, um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu stoppen.

„Aus unserer Sicht wäre das auch in Westpolen eine adäquate Maßnahme, um ein Einschleppen der hoch ansteckenden und für Schweine tödlich verlaufenden Krankheit zu verhindern“, sagen Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke und ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes. Sie verweisen auf die guten Erfahrungen, die sowohl in Tschechien als auch Belgien bereits mit Zäunen rund um Seuchenherde zur Eindämmung der ASP gemacht wurden.

Verbreitung auch durch Menschen möglich

Tierarzt

Betrachtet man den Verlauf der Infektion in Europa genauer, etwa auf der Verlaufskarte des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI), fällt auf, dass der Virus immer wieder sehr große Distanzen überbrückt. Von sogenannten Sprunginfektionen ist dann die Rede. So brach ASP 2017 plötzlich in Tschechien aus, nachdem die Krankheit zuvor viel weiter im Osten aufgetreten war. Anfang 2018 gab es dann sehr überraschend den ersten Fall in Belgien. Auch der letzte Fall in Polen zeigt einen Sprung von 250 Kilometern. Eigentlich viel zu weit für jedes Schwein.

„Wildschweingebunden würde sich die Seuche lediglich 15 bis 20 Kilometer pro Jahr ausbreiten“, sagt dazu Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Die Erklärung dafür ist einfach: Wichtigster Faktor bei der Übertragung des Virus ist nicht das Wildschwein - sondern der Mensch und möglicherweise auch Fahrzeuge. Denn das Virus hält sich nicht nur in den Tieren auf, sondern auch in verarbeitetem Fleisch, und das über viele Monate. So könnte das Virus also auch nach Deutschland kommen: Menschen bringen belastete Nahrungsmittel mit und werfen sie hier einfach weg. Wildschweine könnten sie fressen – und wären dann infiziert.

Ein weiteres Problem: Eine Schutzimpfung gegen die Afrikanische Schweinepest ist nach Aussagen von Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), bislang nicht in Sicht, auch wenn die Wissenschaft fieberhaft daran arbeitet. „Wir haben bisher nichts, was einen vielversprechenden Hinweis gibt“, sagt Mettenleiter. Hinzu kommt: Das ASP-Virus unterscheidet sich komplett vom Erreger der klassischen Schweinepest. Es sei der bisher einzige bekannte Vertreter einer ganzen Virusfamilie.

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