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Prognose Schweinemarkt 2020

ASP und die Folgen: Ausnahmezustand am Schweinemarkt

Schweine
am Mittwoch, 05.02.2020 - 09:58 (Jetzt kommentieren)

Die Afrikanische Schweinepest verändert die Märkte. Schweinebauern profitieren bisher davon – durch hohe Preise. Doch auch der heimische Markt ist bedroht.

Schweine

Nie zuvor wurde der Schweinemarkt durch ein einzelnes Ereignis dermaßen beeinflusst: den Ausbruch der Afrikanische Schweinepest (ASP) in China. Die Folgen sind bis nach Europa und natürlich auch in Deutschland zu spüren. Und sie bestimmen die Entwicklung für die nächsten Monate und Jahre. Davon sind sowohl Experten der EU-Kommission als auch Analysten der Rabobank überzeugt. In ihren aktuellen Prognosen erwarten sie für die Schweinebauern auch 2020 noch sehr hohe Preise.

Hinzu kommt: „Auch andere Märkte werden durch das riesige Loch in der chinesischen Versorgungsbilanz massiv beeinflusst“,  sagen die EU-Analysten. Das betrifft sowohl die übrigen Fleischarten – wie Geflügel und Rind – als auch den Markt für Fleischalternativen und den Handel mit Eiweißfutter. Der Grund dafür ist schnell gefunden. Vor Ausbruch der Seuche stand etwa die Hälfte des weltweiten Schweinebestandes in chinesischen Ställen. Von diesen Tieren wiederum hat ASP bereits wohl beinahe die Hälfte getötet - rund 220 Mio. Schweine.

„Damit fehlt global gesehen gut ein Fünftel des bisher produzierten Schweinefleischs“, sagt der deutsche Marktexperte Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Zahl ist gewaltig, denn in der gesamten Europäischen Union werden insgesamt 150 Mio. Schweine gehalten - in Deutschland sind es knapp 26 Mio. Tiere.

Als Folge der dramatischen Verknappung in China haben sich zum einen die dortigen Preise verdoppelt und zum anderen gibt es einen bis dahin nicht gekannten Importboom. Auch wenn die ASP im Griff ist, wird am Schweinemarkt wohl nicht nichts mehr so sein wie zuvor. Das glauben jedenfalls die Experten der Kommission und der Rabobank in ihren Untersuchungen.

Schweinepreise bleiben auch 2020 hoch

Schweinepreise

Die Auswirkungen der globalen ASP-Epidemie lassen sich am besten an den Schweinepreisen ablesen. Kurz vor dem Jahreswechsel durchbrachen die Notierungen in Deutschland die 2,00-Euro-Marke. Das hatten deutsche Schweinebauern seit mindestens 20 Jahren nicht erlebt. Auch bei den Ferkelpreisen konnten sich die Bauern über ein Allzeithoch freuen.

Nach dem Jahreswechsel ging es mit den Notierungen dann zwar nach unten. Auslöser waren die typische saisonale Nachfrageschwäche in Europa zum Jahresbeginn und die Handelsschwäche durch chinesische Neujahrsfest und den Ausbruch des Corona-Virus. Doch dieser Rückgang dürfte nicht von Dauer sein. Denn die Ursachen für den Preiseboom haben sich auch Anfang 2020 nicht geändert.

Im Gegenteil! Die riesige chinesische Versorgungslücke durch ASP und die zusätzlichen Probleme mit dem Corona-Virus dürften den Export und die Preise in den nächsten Monaten wieder nach oben treiben. Davon geht auch die Europäische Kommission aus. Sie erwartet für 2020 im Schnitt sogar höhere Preise als 2019.

Erst ab 2021 – mit einer allmählichen Erholung der chinesischen Produktion - rechnen die EU-Experten mit einem Rückgang der Preise. Wenn es gut läuft. Denn die ASP-Epidemie in China könnte auch viel länger dauern. Der deutsche Experte Albert Hortmann-Scholten sagt: „Ich persönlich rechne mit einem Zeitraum von mindestens sieben bis acht Jahren, bis die Produktion des Jahres 2017 wieder erreicht wird“.

Deutschland ist weiter gefährdet

ASP China

Eine Sache könnte den Boom jedoch sehr schnell ins Stocken bringen: Ein ASP-Ausbruch in Deutschland. Für viele Landwirte ein Horrorszenario. Seit Monaten rücken Krankheitsfälle in Polen immer näher an die deutsche Grenze. Kommt es in Deutschland zum Ausbruch, könnte der Markt komplett zusammenbrechen. Es wären keine Exporte in Drittländer mehr möglich - und die Schweinepreise würden drastisch abstürzen.

Bereits im vorigen Jahr hatte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, auf die immensen Folgen eines Ausbruchs in Deutschland hingewiesen. Krüsken sagte: „Breitet sich der Erreger in Deutschland aus, drohe ein wirtschaftlich katastrophales Szenario." Exportländer würden Schweinefleisch nicht mehr abnehmen. Die möglichen Schäden für die deutsche Landwirtschaft könnten seiner Einschätzung nach bei zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr liegen. Außerdem befürchtet der DBV bei einem ASP-Ausbruch eine Existenzkrise für viele Schweinebauern.

Doch die Branche ist auf den Ernstfall vorbereitet. Das sagt zumindest Torsten Staeck, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Er beschreibt die akute Bedrohungssituation und der Stimmung unter Schweinebauern folgendermaßen: „Anspannung – ja. Aber bei uns herrscht alles andere als Panik.“ Denn Fakt ist auch: Die Sicherheitsvorkehrungen bei den deutschen Schweinehaltern sind streng, und auch die Behörden bereiten sich mit Übungen auf einen möglichen Ausbruch der Seuche in Deutschland vor. „Das zeigt, welch große Bedeutung wir dem Ganzen zumessen“, sagt Staeck.

Bei ASP wäre der Markt zu

Wildschutzzaun gegen ASP

Eine Unsicherheit gibt es aber. Auch ein Krankheitsausbruch bei Wildschweinen hätte für deutsche Bauern gravierende Folgen. Auch dann käme nämlich der Export in Länder außerhalb der EU abrupt zum Stillstand. Innerhalb der Europäischen Union wäre hingegen weiterhin Handel möglich. Denn die Länder sind in Zonen aufgeteilt. Und nur für direkt betroffene Zonen müssten Transportverbote verhängt werden.

Damit hätte ein an der Schweinepest gestorbenes Wildschwein in Brandenburg keine Handelsverbote für die Schweinehochburgen in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen zur Folge. Zumindest wenn es um den Export in andere EU-Länder geht.

Völlig anders sähe die Sache bei Ausfuhren in Nicht-EU-Länder aus. Wichtigster Abnehmer für Deutschland ist China. „Wenn hier die Afrikanische Schweinepest ausbrechen würde, wäre dieser Markt sofort zu“, sagte Staack. Wie hoch der Schaden dann für die hiesige Fleischwirtschaft wäre, lasse sich derzeit nicht beziffern, sagte der Marktkenner.

Wie sich die Märkte in diesem Fall verschieben könnten, sei auch nicht wirklich abzuschätzen. Staack hält es jedoch es für möglich, dass die Chinesen trotzdem deutsches Schweinefleisch kaufen könnten - falls die Krankheit nur bei Wildschweinen auftreten würde. Das erfordere jedoch intensive Verhandlungen und teure Tests

Boom dauert nicht ewig

Schweinehälften

Gott sei Dank blieb Deutschland bisher von ASP verschont. Und die Exporte der Europäer sind bereits 2019 neue Rekordwerte gestiegen. Nach Meinung der Kommission dürften die Ausfuhren weiter zunehmen und ihren Höhepunkt erst 2022 erreichen. Dann werden Exporte von mehr als 4,5 Millionen Tonnen erwartet. Das ist fast doppelt so viel wie vor dem ASP-Ausbruch in China.

Ganz besonders profitieren vom Chinaboom Spanien und Deutschland. Doch auch dieser Export-Boom dauert nicht ewig. „Wenn der asiatische Fleischmarkt sich wieder erholt, wird die EU-Produktion zusammen mit den Schweinepreisen stark zurückgehen“, prognostiziert die Kommission. Ein Grund dafür ist der ebenfalls kräftig schrumpfende Verbrauch. Viele Konsumenten werden nämlich nicht vom preisgünstigeren Geflügel zum Schweinefleisch zurückkehren. Außerdem glaubt die Kommission – ebenso wie Rabobank - an eine Zunahme der alternativen pflanzlichen Ernährung.

Diese Entwicklung könnte in den nächsten Jahren ebenfalls Druck auf die Fleischpreise ausüben. Nach Auflassung der Kommission könnten die Schweinpreise deshalb spätestens ab 2023 wieder deutlich sinken. Doch sicher ist das nicht. Einige Analysten - wie etwa die Rabobank - sind wegen der unsicheren Aussichten in China - wesentlich zurückhaltender. So könnte der Boom auch noch etwas länger dauern. Nicht zuletzt die aktuellen Probleme mit dem Corona-Virus könnten die Erholung der chinesischen Produktion verzögern.

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