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ASP und Schweinemarkt

ASP: Wie viele Schweine hat China noch?

China ASP
am Mittwoch, 15.01.2020 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

China meldet, dass der Sauenbestand wieder zunimmt. Analysten glauben, dass die Zahl Schweine auch 2020 schrumpft.

Chinas Sauenbestand nimmt wieder zu. Das melden die chinesische Behörden. Analysten der Rabobank glauben hingegen auch für 2020 an einen weiteren Rückgang des Bestandes. Und sie vermuten außerdem weitere offiziell nicht immer erfasste ASP-Ausbrüche.

Sollten sich diese Prognose bestätigen, dann dürfte die Versorgungslücke bei Schweinefleisch in China noch größer werden und auch länger bestehen bleiben als bisher gedacht. Auch der Importbedarf würde weiter hoch sein und vielleicht sogar weiter wachsen – zusammen mit den schon sehr hohen Preisen.

Die Schweine- und Verbraucherpreise in China eilen jedenfalls von Rekord zu Rekord. Chinas Verbraucherpreisindex kletterte im Dezember auf ein Achtjahreshoch. Grund sind die in hohem Tempo weiter steigenden Schweinefleischpreise.

Unklare Datenlage – hohe Schlachtzahlen

Schweine

Chinas Sauenherde ist im Dezember gegenüber dem Vormonat um 2,2 Prozent gestiegen, teilten die chinesischen Behörden mit. Im Oktober hatten die Chinesen gemeldet, dass die Sauenherde um fast 40 Prozent kleiner war als im Jahr zuvor, nachdem die Afrikanische Schweinepest viele Millionen Schweine und Sauen getötet hatte. Außerdem wurden viele Bauern durch die Seuche daran gehindert, ihre Farmen schnell wieder aufzufüllen.

Yu Kangzhen, stellvertretender Minister für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten, sagte vor Journalisten, dass die Zahl der Sauen seit September wieder um 7 Prozent zugenommen hat. Auch bei den Matschweinen sei es im November erstmals seit einem Jahr wieder zu einem Anstieg gekommen, teilte der Minister im vorigen Monat mit.

Yu Kangzhen gab im Dezember allerdings keine Daten zum aktuellen Schweinebestand bekannt. Er sagte jedoch, dass die Zahl der zur Schlachtung angemeldeten Schweine gegenüber dem Vormonat um 14,1 Prozent sehr kräftig gestiegen sei. Der Grund dafür ist, dass die Bauern im Vorfeld des Neujahrsfestes besonders viele Schweine ablieferten. Chinesische Bauern mästen viele Schweine in der Regel bis zum Neujahrsfest, weil Schweinefleisch dann besonders stark nachgefragt und am besten bezahlt wird.

200 Millionen tote Schweine

China Schweine

Minister Yu wiederholte außerdem verschiedenen Äußerungen von Beamten, dass die Fleischversorgung während der Feiertage auch aufgrund des wiederholten Verkaufs von Schweinefleisch aus staatlichen Reserven ausreichen würde. Geht man einmal davon aus, dass wegen der Afrikanischen Schweinepest  - nach offiziellen Angaben etwa 40 bis 45 % des gesamten chinesischen Schweinebestandes getötet werden mussten, entspricht dies einer Zahl von reichlich 200 Mio. Schweinen.

Das wäre mehr als ein Viertel des weltweiten Schweinebestandes. Gleichzeitig wird die riesige Versorgungslücke am chinesischen Markt erkennbar – die auch über einen starken Zuwachs der Importe nicht gestopft werden kann. Nach Schätzungen von Analysten, könnte die Lücke sogar noch größer werden. Zum Vergleich: In gesamten Europäischen Union werden knapp 150  Millionen gehalten, in Deutschland sind es knapp 26.Millionen Tiere, in den USA rund 75 Millionen und in Brasilien etwa 38 Millionen Schweine.

Lücke ist riesig – Preise steigen weiter

China Schweine

Allerdings hat China hat auch die Produktion bei anderen Fleischarten kräftig angekurbelt, um die große Lücke etwas zu stopfen. Zumal auch bei diesen Fleischarten die Preise kräftig gestiegen sind. Doch dieser Zuwachs dürfte nicht wirklich ins Gewicht fallen, denn Schweinefleisch ist in China „ein Grundnahrungsmittel“ und vor ASP wurden jährlich rund 56 Mio.Tonnen verbraucht.

Gleichwohl hat man die Produktion von Geflügelfleisch 2019 um etwa 3 Millionen Tonnen oder rund 15 Prozent ausgeweitet, teilte Yang Zhenhai, Direktor der Tierhaltung und Veterinärbehörde des Ministeriums mit. Trotzdem zogen die Preise für Schlachtschweine auch in der ersten Januarwoche weiter an. Und ausländische sowie chinesische Analysten erwarteten, dass es zu den Feiertagen Ende Januar aufgrund des großen Mangels an frischem Schweinefleisch weiter steil bergauf geht, sagte Pan Chenjun, Senior Analyst bei der Rabobank, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Trotz der Zunahmen der Sauenherde sagte Minister Yu, dass das Verhindern von weiteren Ausbrüchen der Afrikanischen Schweinepest für die Behörden eine sehr komplexe Aufgabe sei und gleichzeitig das größte Risiko für die Erholung des Schweinebestandes.

Schweineherde wird auch 2020 schrumpfen

schweine

Während die Anzahl der offziell bestätigten Ausbrüche weiter zurückgegangen ist, hat sich das Virus landesweit jedoch weiter verbreitet und Yu sagte, die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Ausbruchs würde mit wieder steigender Schweinezahl und kälterem Wetter, bei dem das Wasser einfriert und das Waschen und Desinfizieren schwieriger macht, wieder zunehmen. "In China wird es deshalb weiterhin zu Ausbrüchen kommen", sagte er.

Laut dem Direktor der Veterinärbehörde hat seine Behörde kürzlich 10 Berichte über ASP-Ausbrüche untersucht, von denen aber nur einer bestätigt wurde. Der Rabobank Analyst Pan sagte hingegen, er glaube, basierend auf Berichten von Landwirten, dass weiterhin vereinzelte Fälle der Krankheit aufgetreten seien,  aber nicht so häufig wie zuvor.

Die Rabobank-Bank prognostizierte in ihrem November-Bericht deshalb, dass Chinas Schweineherde im ersten Halbjahr 2020 weiter schrumpfen wird. Es wurde geschätzt, dass sie dann um 55 Prozent kleiner sein wird, als vor dem Ausbruch der Krankheit Mitte 2018. Damals wurden 442 Mio. Schweine gezählt. Ein Rückgang um 55 Proznet Prozent bedeutet, dass Mitte 2020 nur noch knapp 200 Mio. Schweine in China vorhanden wären - und damit nicht einmal die Hälfte des ursprünglichen Bestandes.

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