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Ökolandbau

Bio-Schweine: Kleiner Markt mit hohen Preisen

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
20.11.2018

Die Preise für Bio-Schweine sind fast dreimal so hoch wie für konventionell gemästete Tiere. Dennoch ist der Markt in der Vergangenheit kaum gewachsen.

Bioschweinefleisch

Im Zeitraum von 2013 bis 2015 ging die Produktion sogar zurück. Seit 2016 nimmt die Zahl der Biomastschweine jedoch wieder zu. Im vorigen Jahr wurde der Bestand um etwa 13 Prozent aufgestockt, berichtete die AMI in einer Marktanalyse.

Damit dürfte sich die Anzahl der ökologisch gehaltenen Mastschweine in Deutschland auf mehr als 133.000 Tiere erhöht haben. Auch die Produktion von ökologisch erzeugtem Schweinefleisch erreicht damit einen neuen Spitzenwert von rund 25.500 t.

Im Vergleich zum konventionellen Bereich ist der Biofleischmarkt jedoch extrem klein. Weniger als 1 Prozent aller Mastschweine stehen in ökologisch wirtschaftenden Betrieben. Gleichzeitig stammt nur 0,5 Prozent des erzeugten Schweinefleisches in Deutschland aus Ökobetrieben.

Bei Milch liegt der Ökoanteil immerhin bei etwa 3 Prozent und bei Rindfleisch bei 4,3 Prozent. Bei der Produktion von Schaffleisch erreicht der Ökobereich sogar einen Marktanteil von 11 Prozent. 

Preise für Bioschweine fast dreimal höher

Biopreise Schwein

Rund 3,70 Euro je kg Schlachtgewicht haben die Ökolandwirte in den letzten drei Jahren für ihre Schweine bekommen. Ein Drittel der Schlachtschweine wurde dabei ohne Klassifizierung zum Festpreis vermarktet.

Die Mäster von konventionell gehaltenen Schweinen mussten 2017 mit durchschnittlichen Erlösen von 1,65 Euro je kg SG auskommen. Im Jahr 2018 bewegen sich die konventionellen Schweinepreise im Jahresmittel bisher bei 1,46 Euro je kg. Die Preise für Bioschweine sind in diesem Jahr also 2,5mal höher.

Allerdings entwickelt sich nach Einschätzung der AMI der Markt für Bioschweinefleisch zweigeteilt. Während sich die Verbandsware weiterhin gut und zu stabilen Preisen verkaufen lässt, ist der Preis für EU-Bioware außerhalb von Verträgen zurückgegangen. Auch die im Vergleich zum konventionellen Bereich ohnehin deutlich höheren Kosten sind weiter gestiegen.

Ökomäster machen Gewinn

Biokosten Schwein

Dennoch arbeiten die Ökomäster laut Untersuchungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wirtschaftlich. Danach wurden im Wirtschaftsjahr 2017/18 in der ökologischen Schweinemast stabile Nettoerlöse von 3,70 Euro je kg Schlachtgewicht erzielt.

Dem standen allerdings steigende Ferkelpreise und steigende Futterkosten gegenüber. Für ein 30 kg Ferkel mussten im zurückliegenden Wirtschaftsjahr knapp 148 Euro bezahlt werden, mit weiter steigender Tendenz. Die Futterkosten lagen bei gut 51 Euro je dt Mischfutter.

Mit einer direktkostenfreien Leistung von etwa 47 Euro je Mastschwein wurde nach den Berechnungen der LWK Niedersachsen dennoch ein gutes wirtschaftliches Ergebnis erzielt. Wegen der gestiegenen Ferkel- und Futterkosten konnte das Niveau des Vorjahres von 54 Euro je Mastschwein jedoch nicht gehalten werden. Und der ökonomische Druck nimmt weiter zu, erwartet die LWK Niedersachsen.

Kosten steigen, Preise nicht

Bioferkel

Die Kosten steigen offenbar weiter, die Erlöse aber eher nicht. Deshalb geht es auch bei den Biobetrieben um eine stärkere Leistungsoptimierung. Nach Einschätzung der niedersächsischen Landwirtschaftskammer sind künftig mindestens 22 aufgezogene Ferkel pro Sau und Jahr sowie 800 g tägliche Zunahmen in der Mast nötig. Die Futterwertung sollte bei 1:3,1 liegen.

Bislang ist jedoch auch die Nachfrage nach Biofleisch bei den großen Einzelhändlern und den Discountern gewachsen. Ähnlich wie bei Biomilch, dürfte dies ein wichtiger Treiber für die weitere Marktentwicklung sein. Die Frage ist allerdings, ob durch ein wachsendes Angebot an Biofleisch in einem sehr kleinen Markt Druck auf die Preise entsteht.

Die von der AMI genannten niedrigen Preise bei der nicht verbandsgebundenen EU-Bioware lassen dies jedenfalls vermuten. Ein limitierender Faktor für die Marktentwicklung ist zudem weiterhin die sehr knappe Versorgung mit Bioferkeln. Dies hat nicht nur die Preise für Bioferkel auf mehr als 150 Euro für ein 30 kg Ferkel nach oben getrieben, sondern auch die Kosten in der Mast weiter erhöht.

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