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Schweinemarkt und China

China baut wieder riesige Schweine-Hochhäuser

China hat Probleme den Schweinebestand zu stabilsieren
am Donnerstag, 25.06.2020 - 14:48 (Jetzt kommentieren)

Chinas Schweinebestand wächst wieder. Ein Grund: China baut in der Nähe seiner Metropolen große industrielle Schweinefarmen und kehrt damit die jahrelange Politik um, die Produktion in ländliche Regionen zu verlagern.

Nun räumt die chinesiche Regierung der Ernährungssicherheit offenbar Vorrang vor den massiven Umweltproblemen ein, nachdem die Afrikanische Schweinepest (ASP) die riesige chinesische Schweineherde fast um die Hälfte dezimiert hat.

Der weltweit größte Schweinefleischverbraucher will den Bestand durch den Bau riesiger industrieller Farmen im ganzen Land um 200 Millionen Schweine aufstocken, um die Produktion vor dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Jahr 2018 wieder zu erreichen.

Neue Farmen in den Vororten von Großstädten sind jedoch mit enorm hohen Kosten verbunden, denn es gibt große Probleme mit Abwasser und Gülle von landwirtschaftlichen Betrieben im Wasser und im Boden.

Diese Umweltprobleme hatten die Regierung zuvor veranlasst, zwischen 2015 und 2017 viele Farmen in ländliche Regionen zu verlegen oder ganz dicht zu machen. Nun werden aber wieder zahlreiche Groß-Farmen am Stadtrand von Peking gebaut – ebenso wie in zahlreichen anderen Megastädten.

Viele Schweine-Hochhäuser werden neu gebaut

Schweinehochhaus in China

"Wir sind ein Schlüsselprojekt zur Stabilisierung der Fleischversorgung in Peking", sagte Zu Sheng, Eigentümer der Großfarm Sifanghong Agriculture. Auch das chinesische Schweinefleisch-Unternehmen New Hope Liuhe baut in Peking eine mehrstöckige Farm, in der jährlich 150.000 Schweine produziert werden sollen. Zahlreiche andere Farmen sollen zudem wieder aufgebaut und erweitert werden, berichtet die Pekinger Stadtregierung.

Die chinesische Zentral-Regierung sieht die Stabilisierung der Schweinefleischversorgung offenbar als entscheidend für die Ernährungssicherheit des Landes an, nachdem die Inflation in Chinaim Jahr 2019 aufgrund der Rekordpreise für Schweinefleisch explodiert war, glauben verschiedene Analysten. Um eine Mindestversorgung in jeder Region zu gewährleisten, soll künftig jede Provinz und jede größere Gemeinde eine bestimmte Menge an Schweinefleisch produzieren.

Aus diesem Grund nimmt der Bau gigantischer mehrstöckiger Schweinefarmen zu, sagte Zou Zhihong, ein in Shanghai ansässige Manager der US-Farm-Ausrüstungsfirma Hog Slat. Die massenhafte Aufzucht von Schweinen in der Nähe städtischer Gebiete würde jedoch die früheren Kampagnen zur Rettung der Umwelt, bei der mehr als 200.000 meist kleine landwirtschaftliche Betriebe in der Nähe von dicht besiedelten Gebieten geschlossen wurden, auf den Kopf stellen.

Riesige Anlagen in Stadtnähe – ein Strategiewechsel

ASP drückt Chinas Schweineproduktion.

"Es ist eindeutig eine Korrektur früherer Politiken", sagte Wang Lisheng, ein chinesischer Ökonom gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, und er fügte hinzu, "dass die politischen Entscheidungsträger aus der Krise des letzten Jahres offenbar gelernt haben, dass sie das Risiko diversifizieren müssen."

In der Umgebung von Peking, wo mehr als 20 Millionen Menschen leben, sollen bis 2022 rund 890.000 Schweine pro Jahr produziert werden. Damit könnte man ein Zehntel des dortigen Schweinefleischbedarfs decken. Dies geht aus einem Plan der Pekinger Stadtverwaltung hervor, der in diesem Jahr ausgearbeitet wurde, berichtet Reuters.

Um diese Ziele zu erreichen, wählte die Stadtregierung geeignete Standorte für neue Farmen aus und forderte die Unternehmen auf, Grundstücke zu suchen, um die umständlichen Verfahren zu vereinfachen, die normalerweise erforderlich sind, um Land für die Schweinezucht zu finden. Andere große Städte und Industrieregionen machen eine ähnliche Entwicklung durch.

Produktion schrumpft noch – Importe auf Rekordstand

Schweinehälften hängen im Schlachthof

Die Wirkungen der starken Expansion der Zuchtschweine-Bestände lassen aber offenbar noch einige Zeit auf sich warten. Die Rabobank geht in einer aktuellen Prognose nämlich davon aus, dass die chinesische Schweinefleisch-Produktion – trotz der kräftig wachsenden Zuchtsauenbestände – in diesem Jahr noch weiter schrumpft.

Die Folge: Die Schweinefleisch-Importe der Chinesen bewegen sich weiterhin auf Rekordkurs. Der weltweit größte Verbraucher von Schweinefleisch importierte im April eine Rekordmenge von 400.000 Tonnen. Das war ein Plus von fast 170 Prozent gegenüber dem Vorjahr, berichten die chinesischen Zollbehörden.

Ein Grund für die besonders hohen Einfuhren waren die sehr niedrigen Preise in den USA, die von den chinesischen Einkäufern genutzt wurden, um sich mit günstigem Fleisch einzudecken, berichten Analysten. Im März lag die Einfuhrmenge allerdings auch schon bei 390.000 Tonnen und in den ersten vier Monaten des Jahres kaufte China etwa 1,35 Millionen Tonnen Schweinefleisch am Weltmarkt. Das ist fast eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.

Schweinepreise fallen aber wieder

China Schweine

Der steile Anstieg der chinesischen Preise für Schweinefleisch zeigt jedoch Wirkung. Zum einen kaufen die chinesischen Verbraucher immer weniger Schweinefleisch. Zum anderen meldet das chinesische Statistikamt, dass die Preise für Schweinefleisch zuletzt wieder kräftig gesunken sind.

Dennoch ist das Niveau immer noch doppelt so hoch wie im vorigen Jahr und um ein Vielfaches höher als in den USA oder in Europa. Die USA könnten als Lieferant künftig allerdings ausfallen, denn zwischen den beiden größten Wirtschaftsnationen bahnt sich – wegen der Auseinandersetzungen über Honkong - ein neuer Handelsstreit an.

China hat jedenfalls damit gedroht, Importe von Schweinefleisch und anderen Agrarprodukten aus den USA zu stoppen. Das würde die Einfuhren der Europäer wohl weiter ankurbeln. Die europäischen Exporte nach China waren bereits in den ersten 4 Monaten des Jahres um 72 Prozent auf 725.000 Tonnen gestiegen und dürften im Jahr 2021 einen neuen Rekordwert erreichen, sagt die Europäische Kommission.

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