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Schweinemarkt und China

China baut Schweine-Hochhäuser und Mega-Schweinestädte - Die Fakten

25 Meter hohes Schweinehochhaus in Maasdorf bei Halle
am Dienstag, 04.05.2021 - 12:35 (4 Kommentare)

In China entstehen immer mehr gigantische Schweinehochhäuser. Sie haben sieben oder zehn Etagen mit tausenden Schweine. Die Fakten in der Übersicht.

In China entstehen gigantische Schweinehochhäuser. Doch warum? - Das sind die Hintergründe.

  • Ja, es gibt in China eine zweite ASP-Welle.
  • Nein, die Erholung der Schweinebestände wird dadurch nicht gestoppt.

Der Grund: Es entstehen immer mehr gigantische Schweinehochhäuser. Sie haben sieben, zehn oder gar dreizehn Etagen, und sie beherbergen viele 10.000 Schweine – und die Mega-Anlagen bestimmen auch das Tempo des Bestandsaufbaus.

Anders als vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) dominieren die großen industriellen Schweine-Unternehmen wie Muyuan Food und New Hope mittlerweile die chinesische Produktion. Und sie errichten nicht nur einzelne Schweinhochhäuer, sondern wie Muyuan auch einmal eine ganze Schweine-Stadt, mit insgesamt 21 Gebäuden, in der Nähe der Großstadt Nanyang.

Oder sie bauen einen riesigen Sauen-Komplex auf dem Yaji-Berg in Südchina, wie die Firma Guangxi Yangxuang – mit bis zu 13 Stockwerken. Anders als vor ASP unterstützen die chinesischen Behörden diese Entwicklung nicht nur mit Geld und mit administrativen Mitteln. Die Megaschweinfarmen entstehen auch wieder der Nähe großer Städte – und sie arbeiten außerdem auch mit sehr viel ausländischem Know-How.

„Ein Hochhaus hat große Vorteile", sagt Xu Jiajing, Manager von Yangxiang, gegenüber der Nachrichtagentur Reuters. „Es spart Energie und Ressourcen. Die verbrauchte Landfläche ist lange nicht so groß, aber man kann viel mehr Schweine aufziehen." Unternehmen wie Yangxiang pumpen deshalb viel Geld in solche Gebäude - etwa 30 Prozent mehr als in einstöckige moderne Farmen.

China: Die größte Schweinefarm der Welt – bis jetzt

ASP drückt Chinas Schweineproduktion.

Die wohl größte Schweinefarm der Welt entsteht in der Nähe der Großstadt Nanyang – wo am Ende 105.000 Sauen gehalten und jährlich 2,1 Millionen Schweine erzeugt werden sollen – berichten verschiedene chinesische und auch internationale Medien. Jedes der Gebäude hat sechs Stockwerke mit jeweils 5.000 Sauen in jedem Hochhaus.

Ein Schlachthof vor Ort soll die Schweine schlachten und verarbeiten. Das Gelände erstreckt sich über 180 Hektar - dazu kommt ein eigener Logistikpark. Die Futtermühle auf dem Gelände soll jährlich 720.000 Tonnen Futter produzieren. Das wäre die mit Abstand größte Schweinfarm der Welt – und der Bau zeigt in welche Richtung sich die chinesische Schweineproduktion trotz ASP entwickelt.

Die seit Jahren andauernde Verschiebung von kleinen Familienbetrieben hin zu großen gigantischen Industriefarmen hat sich während er ASP-Krise noch einmal stark beschleunigt. Das ist auch auf die enormen Gewinne zurückzuführen, die sich in den letzten Jahren wegen der Rekordpreise für Schweine und Schweinefleisch erzielen ließen.

Landknappheit fördert den Schweine-Hochhausboom: viele Risiken

Schweine in einem Schweinestall

Schweine-Hochhäuser boomen in China auch aus Mangel an geeignetem Land. Eine Mega-Schweine-Farm kann ein vielfaches der Schweine beherbergen und erzeugen wie eine normale Farm auf derselben Fläche. Aufwärts zu bauen bedeutet jedoch auch höhere Kosten und eine größere Komplexität, sagen die meisten Ausrüster.

Die zusätzliche Ausrüstungen - ein Großteil davon wird importiert - wird zur Reduzierung von Krankheiten, Umweltauswirkungen und Arbeitskosten eigesetzt. Das erhöht die Ausgaben jedoch erheblich. Analysten glauben dennoch, dass sich die Schweinehochhäuser nicht nur China weiter ausbreiten werden, sondern auch in anderen asiatischen Ländern, mit ähnlichen Bedingungen.

In Europa sind Schweinehochhäuser jedoch nicht mehrheitsfähig – sowohl aus gesellschaftlichen und tierethischen Gründen, als auch wegen der hohen Kosten. Die hohen Bestanddichten bergen zudem ein großes Risiko, da Krankheiten wie das ASP in China weiterhin verbreitet sind und es keinen Impfstoff gibt. Ein Sprecher von Muyuan sagte, dass sie ihre Produktionsprozesse seit dem Ausbruch der Schweinepest überarbeitet haben und die Biosicherheit der Farmen stark erhöht wurde.

Zudem wird auch das Futter sterilisiert, bevor es von außen in die Futtermühle vor Ort gelangt, um eine mögliche Kontamination zu vermeiden. In den Schweinehochhäusern wird außerdem die Luft gefiltert und Wärmebildkameras prüfen die Körpertemperatur der Schweine, heißt es. Gesundheitliche Risiken erhöhen jedoch die Kosten enorm, zumal das Risiko eines ASP-Ausbruchs – bei so vielen Tieren unter einem Dach –  erhebliche Konsequenzen hätte. Jeder Ausbruch würde zu einer umfassenden Keulung führen, und damit zu hohen wirtschaftlichen Schäden.

China: Fallende Schweinepreise und hohe Futterkosten

Die Sorge vieler Großfarmen ist zudem ein starker Preisverfall. Denn gleichzeitig sind die Produktionskosten immer noch viel höher als vor dem Ausbruch der Schweinepest. Das Risiko besteht darin, dass die Preise unter die Kosten fallen. Mehr Automatisierung soll die Kosten deshalb senken. Aber ein Krankheitsausbruch auf einer Großfarm würde alle Gewinne kosten.

„Wenn die Preise unter 20 Yuan pro Kilogramm fallen (2,60 Euro je kg LG), werden etliche große Unternehmen Verluste erleiden", sagte Xiao Lin, ein chinesischer Analyst gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Am Terminmarkt sind die Schweinefleischpreise seit Jahresbeginn zwar gesunken, sie bewegen sich zuletzt jedoch seitwärts – und liegen für den Septembertermin bei etwa 27 Yuan je kg Lebendgewicht, das sind etwa 3,42 Euro je kg LG.

Analysten der Rabobank erwarten, dass Chinas Schweinefleischproduktion im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr um 8 % bis 10% wachsen wird. „Wir haben unsere Schätzung aufgrund des Keulungen, die durch die neue ASP-Welle verursacht wurden, nach unten korrigiert. Wir glauben aber trotzdem, dass die Schweinefleischproduktion weiter wachsen wird, da die Sauenherde trotz der Verluste im Winter gegenüber dem Vorjahr weiter zunimmt, “ heißt es seitens der Rabobank.

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