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Schweinemarkt und China

China: Neue ASP-Welle bringt Schweine-Hochhäuser zum Einsturz

Schweinehaltung und Schweinestall
am Freitag, 07.05.2021 - 09:40 (4 Kommentare)

Chinas industrielle Schweineunternehmen stecken in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Der Rückgang der Schweinepreise und die explodierenden Kosten verursachen herbe Verluste. Hinzu kommen die hohen Folgekosten der zweiten ASP-Welle. Möglicherweise ist der Schweinehochhaus-Boom schneller wieder vorbei als gedacht.

Entwicklung der Schweinepreise in China am Terminmarkt

Der Rückgang der Schweinepreise und die explodierenden Kosten bringen die großen chinesischen Schweineunternehmen in große Schwierigkeiten. Der Bau und die Unterhaltung der vielen gigantischen Schweinehochhäuser im Land kostet sehr viel Geld – und rechnet sich nur bei sehr hohen Schweinepreisen.

Wegen der durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) dramatisch dezimierten Schweinebestände, waren die Schweinepreise in den letzten beiden Jahren auf ein Vielfaches ihres ursprünglichen Niveaus gestiegen. Die Folge: Massive Investitionen in riesige industrielle Schweinefarmen, Schweinehochhäuser und sogar ganze Schweinestädte. Es gab einen gewaltigen Boom – und die großen industriellen Unternehmen machten sehr hohe Gewinne.

Mittlerweile dominieren solche Megabetriebe wie Muyuan Foods und New Hope oder Guangxi Yangxuang die chinesische Produktion – denn sie erzeugen jährlich viele Millionen Schweine. In der neuen Schweinestadt von Muyuan sind es 2,1 Millionen Tiere jährlich. Noch vor wenigen Jahren hielten Familienbetriebe mit bis zu 50 Tieren in China etwa zwei Drittel aller Schweine. Doch das ist Vergangenheit.

Doch nun kommen der Boom ins Stocken: Die Erbauer der Schweinehochhäuser schreiben rote Zahlen. Der Grund: Der scharfe Rückgang der Schweinepreise und die explodierenden Kosten, bringen die Schweinegiganten in Bedrängnis. Eine Ursache ist, dass die Schweinepreise bereits deutlich niedriger sind, als im vorigen Jahr – Analysten sagen bis zu 40 Prozent - auch wenn das Niveau im langfristigen Vergleich immer noch sehr hoch ist.

Doch die laufenden Kosten der Schweinehochhäuser sind nach Angaben chinesischer Manager mindestens 30 Prozent höher als in „normalen“ industriellen Schweinfarmen. Aber es gibt offenbar noch mehr Probleme!

Chinas Schweinemarkt: fallende Preise und explodierende Kosten

chinas schweinbestand.

Den Rückgang der Schweinepreise und die möglichen ökonomischen Schwierigkeiten der chinesischen Schweinegiganten bestätigt jedenfalls auch der Terminmarkt in Dalian: Dort waren die Preise im Zuge der zweiten ASP-Welle und der Tötung von mehreren Millionen Zuchtsauen im Februar noch einmal kräftig gestiegen – auf rund 30 Yuan oder umgerechnet 3,85 Euro je kg Lebendgewicht für den September-Termin. Im März und vor allem im April ging es jedoch dann wieder rund rund 10 Prozent nach unten auf knapp 27 Yuan bzw. 3,46 Euro.

Für die späteren Termine zeigt der Terminmarkt in Dalian dann noch erheblich niedrigere Preise an. Fakt ist allerdings auch: Im Vergleich mit Europa sind die aktuellen Preise immer noch gigantisch und bedeuten für ein 120-kg-Schwein immerhin einen Erlös von 415 Euro. Doch die Schweinegiganten stecken trotzdem in Schwierigkeiten. Ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zeigt: Im ersten Quartal 2021 brachen die Gewinne aller großen chinesischen Top-Unternehmen dramatisch ein – mit Ausnahmen des Marktführers Muyuan.

Die Gewinnrückgänge begannen bereits im vierten Quartal 2020 und die Margen schrumpfen im ersten Quartal 2021 noch viel schneller, berichten Analysten. Neben den im Vergleich zum Vorjahr deutlich niedrigeren Schweinepreisen explodieren nämlich auch die Kosten – nicht nur für Futtermittel und für die extrem knappen Zuchtschweine und Ferkel – sondern wie hierzulande auch: Für Energie, Transport und alle möglichen benötigten Rohstoffe und Vorprodukte.

Und auch die Baukosten für die noch nicht fertiggestellten Schweinehochhäuser und Großanlagen gehen gerade durch die Decke. Wegen der zweiten ASP-Welle haben die Unternehmen zudem viele teure Zuchtsauen geschlachtet oder die Tiere mussten gekeult werden. Auch das verursachte empfindliche Verluste. Hinzu kommt: Viele Schlachtschweine kamen aus Angst vor ASP-Infektionen erheblich früher und leichter an den Schlachthaken als üblich. Das senkte die Gewinnspanne zusätzlich.

So rechnet ein der Top-Geldgeber der Branche, die chinesische Tech-Bank Food, mit Gewinneinbrüchen zwischen 50 und 60 Prozent für die meisten Mega-Unternehmen in diesem Jahr. Wenn die Schweinepreise weiter fallen und die Kosten so hoch bleiben, könnte es auch noch schlimmer kommen.

Schweinegiganten tief in den roten Zahlen - Folgekosten von ASP

Schweineproduktion in China.

Einige der Schweine-Giganten haben wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage selbst schon Gewinnwarnungen herausgegeben. Dazu gehörten unter anderem die Nummer zwei und vier am chinesischen Markt: Die Jiangxi Zhengbang Gruppe und New Hope Liuhe. New Hope erwartet für das erste Quartal sogar einen Gewinneinbruch von 93 Prozent: Begründet wurde das mit niedrigeren Schweinepreisen, hohen Futterkosten und den enorm gestiegenen Kosten für ASP-Schutzmaßnahmen in Großanlagen und Schweinehochhäusern.

Der Branchenführer Muyuan Foods ist das einzige große Unternehmen, dass noch ein Gewinnwachstum prognostiziert. Analysten gehen davon aus, dass Muyuan vor allem bei der Bekämpfung von ASP deutlich bessere Arbeit geleistet hat, als die Konkurrenz. Außerdem produziert man verstärkt eigene Sauen und Ferkel – muss nicht teuer zukaufen. Das Unternehmen betreibt auch die größte Schweinefarm der Welt in der Nähe der Großstadt Nanyang  – wo jährlich 2,1 Millionen Schweine erzeugt werden sollen - und über 100.000 Sauen gehalten werden.

Ob die Schweinepreise weiter fallen und damit auch die Gewinne – während die Kosten steigen, ist aber noch offen. Die weitere Entwicklung wird jedenfalls davon abhängen, ob die großen Unternehmen die Afrikanische Schweinepest in den Griff bekommen. Analysten berichten, dass es keine offizielle Berichte über ASP-Ausbrüche in Großanlagen gibt. Gerade in den großen Hochhäusern, mit einer extrem hohen Tierdichte, ist die Ansteckungsgefahr aber sehr hoch – bei einem Ausbruch müssten sofort viele tausend Schweine gekeult werden.

Indirekt bestätigen die Schweinegiganten mit ihren hohen Quartalsverlusten jedoch zahlreiche ASP-Ausbrüche und die negativen Folgen der Krankheit für die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen. Davon ist auch der der Analyst der Rabobank Pan Chenjun überzeugt. Er sagt ausdrücklich: „ASP bleibt weiter das Hauptproblem für die chinesischen Großunternehmen, nicht die Rentabilität“.

Einblicke in Chinas Schweinehochhäuser

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