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China und der Schweinemarkt

China: Schweinebestände explodieren gerade – Analysten sind skeptisch

Gesunde Schweine in einem Stall
am Freitag, 20.11.2020 - 12:20 (Jetzt kommentieren)

China baut seine Schweineproduktion nach der Afrikanischen Schweinepest (ASP) viel schneller aus als erwartet. Manche Analysten zweifeln die Daten an.

Grafik chinesischer Schweinefleisch-Importe im zeitlichen Verlauf

Das Angebot an Schweinefleisch zum kommenden Neujahrsfest in China wird 30 Prozent größer sein als vor einem Jahr, teilte das chinesische Landwirtschaftsministerium diese Woche mit. Die rasche Erholung der Schweineproduktion würde neben den umfangreichen Schweinefleischimporten und der veränderten Verbrauchernachfrage die Schweinefleischversorgung gegenüber dem Vorjahr um etwa 30 Prozent verbessern.

Gleichzeitig würden die Preise für Schweinefleisch im Vergleich zum Vorjahr deutlich sinken, hieß es auf einer Pressekonferenz des Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten.

Chinas Schweineproduzenten haben nach Angaben des Ministeriums in den ersten drei Quartalen des Jahres etwa 12.500 neue große Schweinefarmen eröffnet und mehr als 13.000 bestehende Farmen wieder in Betrieb genommen, hieß es weiter. Der Neuaufbau des chinesischen Schweinebestandes sei viel schneller und besser als erwartet erfolgt, nachdem die Zahl der Tiere wegen der Afrikanische Schweinepest um mindestens 40 Prozent dezimiert wurde.

Schweine-Bestände und Produktion wachsen – Preise fallen

Chinas Schweinefleisch-Produktion

Das chinesische Landwirtschaftsministerium hatte sich im vorigen Jahr das Ziel ausgegeben, den Schweine-Bestand bis Ende 2020 wieder auf 80 Prozent des Niveaus von vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu bringen. Bei der letzten Zählung im September 2020 lagen die Schweinebestände bei 370 Millionen oder 84 % des Niveaus im Jahr 2017, meldeten die chinesischen Behörden, während die Zuchtsauen 38,22 Millionen oder 86 % des Niveaus von 2017 erreichten.

Die Schweinefleischpreise sind zuletzt sieben Wochen in Folge gesunken, da wieder mehr Schweine geschlachtet werden, hieß es weiter und der durchschnittliche Schweinepreis fiel zuletzt auf 50,56 Yuan (7,59 USD) pro kg. Das ist allerdings immer noch deutlich mehr als im vorigen Jahr und erst recht als vor ASP.

Die chinesische Regierung hatte zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des Angebots und zur Stabilisierung der Preise ergriffen. Dafür wurden auch große Menge Schweinefleisch aus zentralen Reserven auf den Markt gebracht und rekordhohe Mengen importiert.

Schweinezüchter und Unternehmen sind zudem relativ schnell zurück auf den Markt gekommen, und erzielen im Rahmen der unterstützenden Politik der Regierung derzeit oft sehr hohe Gewinne. Chinas Nachfrage und Angebot nach Schweinefleisch werden nach offizieller Einschätzung im vierten Quartal deutlich ausgeglichener sein, da sich die Schweineproduktion nach Aussagen des Landwirtschaftsministeriums weiter sehr schnell erholt.

Einige Analysten zweifeln die Daten an

Schweinebestand in China.

Bereits im dritten Quartal stieg Chinas Schweinefleischproduktion gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent auf 8,4 Millionen Tonnen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuter. Es war das erste Quartal seit Juli-September 2018, in dem die Schweinefleischproduktion gegenüber dem Vorjahr wieder gestiegen ist. Im Jahr 2019 war die Produktion auf ein 16-Jahrestief von 42,6 Millionen Tonnen gefallen.

Nach Prognosen der Rabobank sollte die Produktion in diesem Jahr eigentlich um weitere 20 Prozent schrumpfen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2020 war die Erzeugung gegenüber dem Vorjahr jedoch nur 10,8 Prozent auf 28,38 Millionen Tonnen gesunken, teilte das chinesische National Bureau of Statistics mit.

„Das ist viel mehr als erwartet", sagte Pan Chenjun, Senior Analyst bei der Rabobank, über die Menge des produzierten Schweinefleischs, gegenüber Reuters. Der starke Anstieg im dritten Quartal wurde jedoch durch ein besonders schwaches Vergleichsquartal im Jahr 2019 unterstützt, in dem die Produktion gegenüber dem Vorjahr um 42 Prozent auf nur 7 Millionen Tonnen abstürzte.

Einige Analysten stellten die offiziellen Daten jedoch in Frage, die unter anderem zeigten, dass die Zahl der Zuchtsauen um 28 Prozent auf 38,22 Millionen Tiere gestiegen ist. Die Zahl der geschlachteten Schweine ging in den ersten neun Monaten um 11,7 Prozent auf 361,86 Millionen zurück, wie die Daten des Statistikamtes zeigten.

Xiong Kuan, Analyst bei Cofco Futures, sagte gegenüber Reuters, dass im letzten Monat weniger als 24 Millionen Schweine geschlachtet wurden, was zwar einem Anstieg von 8 Prozent gegenüber September entspricht, aber immer noch weit unter der vor ASP üblichen monatlichen Schlachtung von 45 Millionen liegt.

Die aktuellen Erzeugerpreise für Schweine finden Sie im Marktbereich auf agrarheute.

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