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Afrikanische Schweinepest

China: Schweinebestand fällt ins Bodenlose

Schweine
am Montag, 07.10.2019 - 14:30 (Jetzt kommentieren)

Chinas Schweineherde hat sich halbiert. Bis zum Ende des Jahres könnte die Anzahl der Schweine um 55 Prozent einbrechen.

Zu diesem Ergebnis kamen Analysten der Rabobank in einer neuen Marktprognose. Damit wird die Versorgung mit Schweinefleisch im Reich der Mitte immer enger. Zahlreiche andere asiatische Länder sind ebenfalls von der Seuche betroffen und verlieren große Teile ihrer Schweinebestände.

Die Preise für Schweine und für Schweinefleisch steigen deshalb auf immer neue Rekordwerte. Die chinesische Regierung versucht mittlerweile durch zahlreiche Maßnahmen gegen zu steuern. Erste chinesiche Städte subventionieren zudem den Fleischeinkauf ihrer Bürger.

Gleichzeitig kurbelt die immer größer werdende Versorgungslücke die chinesischen Importe von Schweinefleisch kräftig an. Davon profitieren ganz besonders die großen Schweinefleischexporteure in Europa, Südamerika und die USA.

55 Prozent weniger Schweine

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In den ersten acht Monaten des Jahres 2019 ist Chinas Schweineherde aufgrund des verheerenden Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) um die Hälfte geschrumpft. Bis Jahresende wird die Zahl der Schweine voraussichtlich um 55 Prozent abnehmen, teilten Analysten der Rabobank vorige Woche mit.

Nach Einschätzung der Bank wird sich das Tempo der Herdenverluste in den kommenden Monaten wahrscheinlich aber verlangsamen. Grund ist, dass zahlreiche Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Bekämpfung von ASP - beim weltweit größten Produzenten und Konsumenten Schweinefleisch - ergriffen wurden.

Die Rabobank-Experten sagten jedoch, dass die sehr instabilen Marktbedingungen in den nächsten drei bis fünf Jahren sicherlich anhalten werden.

Produktion schrumpft langsamer

Die Afrikanische Schweinepest ist für Schweine tödlich, da bislang kein Impfstoff verfügbar ist. Nach Angaben der Weltorganisation für Tiergesundheit ist ASP in China vor mehr als einem Jahr zum ersten Mal aufgetaucht und hat sich inzwischen auf über 50 Länder ausgeweitet.

Die Rabobank rechnet in ihrem Bericht damit, dass die Produktion von Schweinefleisch in China im Jahr 2019 um 25 Prozent schrumpft und im Jahr 2020 nochmals um bis 15 Prozent zurückgeht. Aufgrund der hohen Schlachtungen bei den noch lebenden Tieren, ist der Rückgang der Produktion jedoch geringer als der Herdenverlust.

Gleichzeitig soll Chinas Verbrauch von Tierfutter - wie Sojabohnen - nach Meinung der Rabobank im Jahr 2019 um 17 Prozent einbrechen. Der Futterverbrauch soll sich jedoch bis 2020 wieder um 8 Prozent erholen.

Sehr hohe Verluste. kaum Prävention

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Die englischsprachige chinesische Tageszeitung South China Morning Post sprach mit dem Bauern Chen Yun, der rund 10.000 Schweine in der südlichen Provinz Jiangxi hielt. Chen Yun erklärte, dass er mehr als fünf Millionen Yuan (ca. 638.000 Euro) verloren habe, nachdem ASP im vergangenen Jahr in seinem Betrieb ausgebrochen war.

Er sagte: „Das größte Problem ist, dass es keine wirksamen epidemischen Präventionsmaßnahmen gibt. Hinzu kommt: Lokale Versicherungsunternehmen und Regierungen haben uns nicht für die durch die Ausbreitung von ASP verursachten Verluste entschädigt.“

"Wir haben die toten Schweine begraben, die in wenigen Tagen gestorben sind, und mussten dann die noch lebenden Schweine zu einem unschlagbaren Preis verkaufen, einschließlich Zuchtschweinen, Sauen und Ferkeln.", so Chen Yun. Die chinesische Regierung hat nun zahlreiche Maßnahmen zur Steigerung der Schweinepopulation ergriffen, darunter auch Subventionen für Züchter.

Immer mehr asiatische Länder betroffen

Besonders von ASP betroffen ist neben China derzeit auch Vietnam. Die Krankheit breitet sich außerdem auch in Kambodscha, Laos und Myanmar aus. Weitere ASP-Ausbrüche wurden aus Südkorea und von den Philippinen gemeldet. Außerdem dürfte auch Thailand bedroht sein, berichten Analysten.  

In Vietnam könnten rund 25 Prozent der Schweinepopulationen Opfer von ASP werden. Ein weiterer Rückgang um fünf Prozent ist für 2020 absehbar. Analysten gehen davon aus, dass diese Defizite nicht durch Importe ausgeglichen werden können und der gesamte asiatische Schweinefleischmarkt 2019 und 2020 strukturell unterversorgt bleibt.

Die Preise steigen entsprechend kräftig an und sind in China bereits seit einiger Zeit auf Rekordstand. Außerdem dürfte Geflügelfleisch eine wachsende Rolle beim Schließen der Fleisch-Lücke spielen.

Hohe Preise wirken sich aus

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Andererseist liefern die sehr hohen Preise natürlich einen großen Anreiz für eine Aufstockung der Schweinebestände. Es besteht jedoch auch die Gefahr einer Wiederansteckung durch ASP. Hohe Preise dürften in einigen Ländern auch ein Eingreifen der Behörden auslösen, um die Verfügbarkeit von Fleisch zu einigermaßen erschwinglichen Preisen sicherzustellen.

Dies ist in China bereits geschehen. Ab dem 1. September konnten die Bewohner von Nanning, der Hauptstadt der südwestlichen Region Guangxi, täglich bis zu 1 kg Schweinefleisch mit einem Rabatt von mehr als 10 Prozent auf den durchschnittlichen Marktpreis der letzten 10 Tage kaufen, berichten regionale Zeitungen.

Die Einzelhandelspreise für Schweinefleisch sind in ganz China sehr kräftig gestiegen und erreichten immer neue Rekordwerte. Ende August lagen die Preise nach Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft im nationalen Mittel bei 35,12 Yuan pro kg (4,55 Euro/kg). Das waren 57 Prozent mehr als die Chinesen vor einem Jahr bezahlt mussten.

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