Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Agrarhandel

China senkt Einfuhrzölle für Schweinefleisch

Agrarhandel
am Freitag, 27.12.2019 - 10:07 (Jetzt kommentieren)

China wird ab dem neuen Jahr die Zölle für mehr als 850 Produkte senken, teilte das Finanzministerium am Montag mit. Darunter auch für Schweinefleisch.

Hintergrund sind die Auswirkungen des Handelskrieges mit den Vereinigten Staaten, die die chinesische Wirtschaft zunehmend beeinträchtigen. Aber auch die Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf die  Versorgung mit Schweinefleisch in China.

Die Zolländerungen wurden vorgenommen, um "die Importe von Produkten zu erhöhen, bei denen ein relativer inländischer Mangel herrscht, oder auch von ausländischen Spezialitäten für den täglichen Verbrauch", heißt es in einer Erklärung auf der Website des Ministeriums.

China und die Vereinigten Staaten haben Anfang dieses Monats versucht ihren langwierigen Handelskrieg abzukühlen und ein Phase-1-Abkommen angekündigt, mit dem einige US-Zölle im Austausch für mehr chinesische Käufe von amerikanischen Agrarprodukten und anderen Gütern gesenkt werden.

Niedrigere Zölle für Schweinefleisch

Das chinesische Finanzministerium gab nun bekannt, dass der Zollsatz für gefrorenes Schweinefleisch von 12 Prozent auf 8 Prozent gesenkt wird, da China versucht, eine riesige Versorgungslücke zu schließen, denn die chinesische Schweineherde wurde durch die Afrikanische  Schweinepest um die Hälfte dezimiert.

Insider der Fleischindustrie sowohl in China als auch in den USA sagen jedoch, dass die Maßnahme die geplanten Vergeltungszölle für US-amerikanisches Schweinefleisch nicht betrifft. Peking hat in den letzten Wochen  jedoch darauf verzichtet die zusätzlich angekündigten Zölle auf US-amerikanische Sojabohnen- und Schweinefleisch-Einfuhren zu erheben, und zwar um seinen gutem Willen gegenüber den USA zu zeigen, da die beiden Länder sich der Unterzeichnung eines Handelsabkommens nähern.

Die Zölle für Schweinefleisch aus den USA, die derzeit bis zu 72 Prozent betragen, werden mit Inkrafttreten der Steuersenkung im neuen Jahr auf 68 Prozent gesenkt.

Importe werden weiter angekurbelt

Agrarhandel

"US-amerikanisches Schweinefleisch wird im Vergleich zu Konkurrenzprodukten also weiterhin einen erheblichen Nachteil haben, bis Chinas Vergeltungsmaßnahmen gegenüber den USA in Angriff genommen werden", heißt es in einer Erklärung der US-amerikanischen Meat Export Federation.

Die neuen Maßnahmen werde jedoch dazu beitragen, die Schweinefleischimporte Chinas insgesamt anzukurbeln und die Binnenknappheit zu verringern, sagen Analysten. "Dies ist Teil der ernsthaften Bemühungen der chinesischen Regierung, die Versorgung mit Schweinefleisch deutlich zu verbessern.

Dies wird definitiv helfen", sagte Jim Huang, Geschäftsführer von China-America Commodity Data Analytics. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest, der im August vorigen Jahres begann, hat Chinas Schweineherde beinahe halbiert, wie offizielle Daten zeigten, und die Schweinepreise sind auf Rekordniveau gestiegen.

Import bereits auf sehr hohem Niveau

ASP China

Peking hat eine Reihe von Maßnahmen zur Steigerung der Schweineproduktion durchgeführt und geplant und gleichzeitig die Einfuhren verschiedener Fleischsorten erhöht, um die Inlandsnachfrage zu befriedigen. China hat im November 229.707 Tonnen Schweinefleisch eingeführt, ein Plus von mehr als 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Schweinefleischimporte beliefen sich in den ersten elf Monaten des Jahres auf 1,733 Millionen Tonnen, ein Plus von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Fast alle Schweinefleischeinfuhren, die nach China kommen, sind gefrorenes Schweinefleisch. Die Europäische Union (vor allem Deutschland und Spanien), Kanada und die USA gehören zu den Top-Exporteuren.

China wird auch die Einfuhrzölle für andere Produkte wie Ferroniob - das als Zusatz zu hochfestem Stahl und Edelstahl für Öl- und Gaspipelines, für Pkw und Lkw verwendet wird - im Jahr 2020 von 1 Prozent auf null senken, um seine Hightech-Entwicklung zu unterstützen. 

Chinas Wirtschaft wächst derzeit auf dem schwächsten Stand seit fast 30 Jahren und könnte im nächsten Jahr einem weiteren Abwärtsdruck ausgesetzt sein. Die Regierung hat jedoch anegündigt, das Wachstum im Jahr 2020 in einem angemessenen Rahmen zu halten und die Politik zukunftsorientiert und effektiv zu halten.

Weitere Zollsenkungen geplant

Der US-Handelsvertreter Robert Lighthizer sagte nach Bekanntgabe der Zollsenkungen, China habe sich bereit erklärt, im Rahmen des Anfang Januar zu unterzeichnenden Phase-1-Handelsabkommens in den nächsten zwei Jahren zusätzliche US-Waren und -Dienstleistungen im Wert von 200 Milliarden US-Dollar zu kaufen.

Wenn die Käufe getätigt werden, würde dies einen enormen Anstieg der US-Exporte nach China bedeuten. Peking sagte dazu, dass die höheren Einkäufe den wachsenden Bedürfnissen der Chinesen entsprechen, da das Land seine Märkte für den globalen Handel weiter öffnet. China will außerdem ab dem 1. Juli die Einfuhrzölle für einige Produkte der Informationstechnologie weiter senken, teilte das Ministerium außerdem mit.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...
Auch interessant