Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Schweinemarkt und Schweinepreise

China: Steiler Anstieg der Schweinepreise – neue ASP-Krise?

Schweine
am Dienstag, 09.02.2021 - 12:41 (Jetzt kommentieren)

In China steigen die Schweinepreise wieder steil an. Auslöser sind neue Fälle Afrikanischer Schweinepest (ASP).

Schweinepreis in China

In China sind die Schweinepreise am Terminmarkt am Montag (8.2.) um 4 Prozent nach oben geschossen. Hintergrund sind die aufflammende Sorgen über die erneute Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest im Land und den Folgen für die Versorgung. Noch vor zwei Wochen hatte das chinesische Statistikamt berichtet, dass Chinas Schweinefleischproduktion 2020 nur noch um 3,3 Prozent kleiner war als im Jahr zuvor.

Der Grund: Die Schweinebestände haben sich wegen der sehr hohen Schweinepreise deutlich schneller erholt als erwartet. Vor allem die großen industriellen Schweineunternehmen stocken ihre Bestände in sehr hohem Tempo auf. Sie bauen dazu viele neue Produktionsanlagen.

Diese Erholung steht nun möglicherweise wieder Frage – wenn man der Preisentwicklung am chinesischen Terminmarkt in Dalian folgt. Dort können seit Januar Futures auf lebende Schweine gehandelt werden, wobei der vordere Termin derzeit der September 2021.

Terminmarkt reagiert auf neue ASP-Gerüchte

Am 8. Februar schloss der Schweine-Futures für September 2021 mit 26.880 Yuan pro Tonne  – das sind etwa 3.451 Euro je Tonne – oder gut 4 Prozent höher als am Vortag. Gleichzeitig ist das der höchste Preis seit dem Handelsstart an der Dalian Commodity Exchange am 08. Januar. Damals begann der Handel bei 28.290 Yuan je Tonne (3.631 Euro).

Seitdem haben die Schweinepreise in Dalian rund 13 Prozent nachgegeben, um dann Anfang Februar allmählich wieder zu steigen. Die neue Preis-Rallye wird offenbar von intensiven Diskussionen über das Ausmaß neuer ASP-Fälle in der Schweineherde des Landes angetrieben, sagte ein chinesischer Analyst gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Hintergrund sind Berichte, dass eine neue Variante der Afrikanischen Schweinepest die Produktion in den Zuchtbetrieben Chinas erneut beeinträchtigten können. Diese neuen Fälle haben offenbar zu einer deutlichen Veränderung der Stimmung am chinesischen Markt und zu neuen Sorgen der Produzenten und Verarbeiter geführt.

Die chinesischen Behörden haben die neuartigen ASP-Fälle bisher aber nicht bestätigt.

Neue ASP-Variante bereits in den Beständen?

sauen.

Sollte es zu einer erneuten Ausbreitung von ASP kommen, könnte dass die offizielle Prognose, wonach die Schweineherde sich in der ersten Hälfte des Jahres 2021 vollständig von der verheerenden Epidemie erholt haben soll, völlig auf den Kopf stellen.

Im Jahr 2019  dezimierte  ASP die chinesischen Schweineherde um mehr als die Hälfte, und trieb die Schweinefleischpreise auf ein Rekordniveau. Das führte auch zur höchsten Verbraucherinflation seit Jahren. Analysten sagten gegenüber Reuters, dass möglichweise 20 Prozent der Sauen in Nordchina in den letzten Monaten von neuen Variante der Schweinepest betroffen waren und in einigen Teilen des Südens sogar bis zu 30 Prozent.

Sehr hohe Ferkelpreise, die für ein 7-Kilogramm-Schwein nahe bei 1.600 Yuan (205 Euro) liegen, lassen ein weiterhin sehr knappes Ferkelangebot erkennen und möglichweise auch hohe Ferkelverluste, heißt es weiter. Das sehr kleine Ferkelangebot sowie die unverändert hohen Futterkosten dürften die Produktionskosten der Schweineerzeuger jedenfalls wieder deutlich nach oben treiben und damit auch die Schweinepreise, glauben nicht wenige Analysten.

Schweinefleisch in China weiter knapp und sehr teuer

china.

Ende Januar hatte Chinas National Bureau of Statistics mitgeteilt, dass sich Chinas Schweinebestände und die Produktion deutlich erholt haben. Danach sollte Chinas Schweinefleischproduktion im Jahr 2020  – gegenüber dem Vorjahr – nur noch um 3,3 Prozent auf 41,13 Mio. Tonnen zurückgegangen sein, nachdem sie 2019 um 21 Prozent eingebrochen war.

Viele Analysten hatten jedoch einen viel größeren Rückgang erwartet, nachdem ASP Chinas Zuchtschweinebestand so stark dezimiert hatte. Chinas Schweinbestand war bis Mitte 2019 um mehr als die Hälfte geschrumpft, nachdem die Krankheit China Mitte 2018 erreicht hatte. „Der Bestand ist ziemlich hoch, und höher als wir erwartet hatten. Im November waren wir noch von einem Rückgang von 10 bis 15 Prozent ausgegangen", sagte ein Analyst der Rabobank gegenüber Reuters.

Auch andere Analysten hatten einen Rückgang zwischen 5 und 10 Prozent erwartet. Nach den Daten des Statistikamtes schlachtete China im Jahr 2020 rund 527 Millionen Schweine. Das wären nur 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die offiziellen Daten zeigten zudem, dass Chinas Schweineherde von 370 Millionen Ende September auf 406,5 Millionen Ende Dezember zugenommen haben soll.

Trotz des Produktionsanstiegs sind die aktuellen Verbraucherpreise für Schweinefleischpreise jedoch weiterhin hoch und lagen Ende Januar bei durchschnittlich 47 Yuan pro Kilogramm (6 Euro/kg), und damit fast auf dem gleichen Niveau wie im Jahr zuvor.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...