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Fleischbranche

Corona-Ausbruch bei Tönnies bremst auch bayerischen Fleischmarkt

Mastbullen bei der Fütterung
am Montag, 29.06.2020 - 16:28 (Jetzt kommentieren)

Der Corona-Ausbruch bei Tönnies im nordrhein-westfälischen Gütersloh wirkt sich auch auf den bayerischen Fleischmarkt aus. Besonders im Allgäu führt die Schließung des Tönnies-Schlachthofs Kempten zu einer verlangsamten Rindfleischproduktion.

Bis zum Beginn der Produktionskette – der Kälberzucht – mache sich das Aussetzen der Schlachtungen in den Tönnies-Tochterbetrieben Kempten und Bamberg bemerkbar, meldet die dpa. Die längere Mastzeit bei den Rindern führe zu geringeren Kapazitäten in den Ställen und somit bei den Mastkälbern zu einer geringeren Nachfrage.

Ein Viertel der Rinder aus dem Allgäu in Kempten geschlachtet

Nach Angaben der Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh Allgäu wird etwa ein Viertel ihrer Rinder am Tönnies-Standort Kempten geschlachtet. Der Erzeugergemeinschaft gehören etwa 5000 Betriebe an. Ein wichtiger Ausweichstandort sei für diese Betriebe jetzt der Vion-Schlachthof in Buchloe: Mit normalerweise 600 bis 700 Tieren pro Woche würden dort ohnehin die meisten Schlachtungen durchgeführt. Vion erklärte, zusätzliche Rinder „im Rahmen des Möglichen“ abzunehmen.

Verflechtungen der Tönnies-Unternehmen stellt Fleischindustrie vor Herausforderungen

Die Corona-Krise erforderte kurzfristige Änderungen in den komplexen Strukturen des Tönnies-Konzerns. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks werden die in Kempten geschlachteten Tiere gewöhnlich zur Zerlegung in die Zentrale nach Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh gebracht. Nach dem Corona-Ausbruch in der Tönnies-Zentrale müsse der Betrieb in Kempten nun selbst die Schlachtköper zerlegen und das Schlachten vorerst einstellen. Ein Tönnies-Sprecher kündigte an, nach der Zerlegung der vor Ort geschlachteten Tiere den Schlachtbetrieb in Kempten wieder aufnehmen zu wollen. Dies war für diese Woche geplant.

Mehr Regionalität wäre krisensicherer

Thomas Bechteler, Geschäftsführer der Allgäuer Herdebuchgesellschaft, wies hinsichtlich des Ausmaßes der Corona-Fälle in Gütersloh auf die sich über Jahrzehnte entwickelten Strukturen der Schlachtindustrie mit ihren gewachsenen Betrieben hin. Dazu hätten auch die höheren Standards beigetragen.  

In der Folge hätten viele kleine Betriebe die Produktion aufgeben müssen. „Wenn man das heute wieder aufbauen will, braucht man enorme Investitionen“, so Bechteler. Die regionale Vermarktung würde eine solche Entwicklung grundsätzlich zwar unterstützen, müsse sich dazu aber noch stärker durchsetzen.

Mit Material von dpa

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