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Schweinemarkt und Schweinepreise

Corona-Krise: Schweinemarkt in den USA kollabiert

US-Farm
am Dienstag, 21.04.2020 - 11:44 (Jetzt kommentieren)

In den USA erleben die Schweinehalter wegen der Corona-Maßnahmen eine schwere Krise.

Die Marktpreise für Schweine sind in wenigen Wochen um 50 Prozent abgestürzt, weil der Absatz weggebrochen ist. Die Farmer verlieren jeden Tag viel Geld, und einige diskutieren bereits, ob es nicht billiger ist, die Schweine zu töten, als sie auf unbestimmte Zeit weiter zu füttern und nur noch Kosten zu verursachen.

Der Präsident des National Pork Producer Council (NPPC) sagte vorige Woche, dass es in den Lebensmittelgeschäften derzeit ausreichend Schweinefleisch gibt, so dass sich die Verbraucher, trotz der coronabedingten Schließung vieler großer Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe, noch keine Sorgen um die Versorgung machen müssen.

"Die Krise ist derzeit auf den Farmen und nicht im Lebensmittelgeschäft", sagte Nick Giordano, ein NPPC-Analyst.

Immer mehr Schlachter machen dicht

Eine Gruppe von Schweinen steht im Schlamm

Aber die Schließung der großen Schlachthöfe geht weiter und  könnte auch die Krise auf den Farmen weiter verschärfen und am Ende auch zu Knappheit in den Geschäften führen. Am Montag teilte jedenfalls der Großschlachter JBS mit, dass nun auch das Werk in Worthington, Minnesota, auf unbestimmte Zeit geschlossen würde. Die Anlage schlachtet täglich 20.000 Schweine und beschäftigt mehr als 2.000 Mitarbeiter.

Zuvor hatte bereits der Fleischriese Smithfield den Schlachthof in Sioux Falls, South Dakota, der für 4 bis 5 Prozent der US-amerikanischen Schweinefleischproduktion verantwortlich ist, dicht gemacht. Vorausgegangen waren eine ganze Reihe von Schließungen oder mindestens Drosselungen in Rind-, Schweine- und Geflügelschlachtereien im ganzen Land. "Wenn noch mehr Schlachthöfe stillgelegt werden, werden wir große Schwierigkeiten bekommen", sagte Ted Seifried, Marktstratege der Zaner Ag.

"Wir haben die Tiere, aber wenn wir sie nicht schlachten und das Fleisch in Lebensmittelgeschäfte bringen können, haben wir ein riesiges Problem", sagt Seifried weiter.

Ganze Branche lahmgelegt

Die Pandemie und die damit einhergehende wirtschaftliche Krise setzen den gesamten US-Fleischsektor unter enormen wirtschaftlichen Druck. Bestellungen von zu Hause und die Schließung fast der gesamten der Food-Service-Branche "haben zu großen Problemen in der gesamten Lebensmittelversorgungskette geführt, mit unmittelbaren und dramatischen Auswirkungen im ganzen Land", sagen Wissenschaftler der Iowa State University in einer Untersuchung.

"Wenn man bedenkt, dass die Amerikaner die Hälfte ihrer Kalorien außer Haus zu sich nehmen, hat sich das Verbrauchsmuster dramatisch verändert, und die Fehlausrichtung von Produktion und Angebot hat einige echte Herausforderungen verursacht", sagte der US-Agrarminister Sonny Perdue gegenüber Medien.

"Infolgedessen sehen die Landwirte, dass die Preise und ihre Marktversorgungskette vom Virus betroffen sind, wie sie es nie zuvor erwartet hätten", sagt Perdue weiter.

Mäster machen Riesen-Verluste

ASP drückt Chinas Schweineproduktion.

Derzeit wird eine Rekordzahl von 71,3 Millionen Schlachtschweinen auf den US-Farmen gehalten. Dermot Hayes, Wissenschaftler von der Iowa State University sagt dazu: "Es gab bereits zu viele Schweine, bevor die Coronavirus-Pandemie den Food-Service-Markt für Schweinefleisch zerstört hat". Hayes schätzt aber auch, dass noch ausreichend Schlachtkapazität verfügbar ist, obwohl einige sehr große Anlagen die Produktion gedrosselt haben. Außerdem gibt es noch reichlich Schweinefleisch am Markt, sagte Hayes.

Nach Angaben des USDA waren auch die US-Vorräte an gefrorenem Schweinefleisch im Februar um 7 Prozent und bei Schweinebäuchen um 38 Prozent größer als im Jahr zuvor. Hayes geht davon aus, dass die US-Schweinefarmer in diesem Jahr etwa 37 US-Dollar pro geschlachtetem Schwein Verlust machen, oder insgesamt 5 Milliarden US-Dollar.

Vor Ausbruch des Coronavirus erwarteten Analysten, dass die Schweinemäster im Jahr 2020 etwa 10 US-Dollar pro geschlachtetem Schwein verdienen würden. In den Jahren 2018 und 2019 litten die Schweinmäster bereits unter den chinesischen Vergeltungszöllen, die die US-Exporte nach China massiv einschränkten.

Farmer bekommen 19 Milliarden US-Dollar Hilfen

„Wir haben gesehen, dass die Preise für Schweine um 50 Prozent gefallen sind und für Rinder um etwa 30 Prozent, da die Verarbeitung von Schweinefleisch und Rindfleisch aufgrund von Betriebsschließungen und Betriebsverlangsamungen um 30 Prozent zurückgegangen ist – auf die Ebene der Schlachtanlagen “, sagte der Ökonom Scott Irwin von der University of Illinois.

"Werksschließungen oder Drosselungen haben erhebliche regionale und nationale Auswirkungen, die sich auf den Markt auswirken werden, wenn die Mäster bereits unter Marktunsicherheit und wirtschaftlichen Schwierigkeiten leiden", sagte Colin Woodall, von der National Cattlemen's Beef Association.

Landwirtschaftsminister Sonny Perdue kündigte am Freitag Hilfen in Höhe von 19 Milliarden US-Dollar für Landwirte und Viehzüchter an, die vom nationalen Notfall COVID-19 schwer betroffen waren. Das Programm wurde speziell für Landwirte entwickelt, die ihre Produkte normalerweise an die Lieferkette für Restaurants und Lebensmitteldienstleistungen verkaufen, die durch geschlossene Schulen und Restaurants dramatisch gestört wurde. Diese Hilfe wird in zwei Teilen verteilt und als Coronavirus Food Assistance Program (CFAP) bezeichnet.

Neben Barzahlungen in Milliardenhöhe wird die Coronavirus-Hilfe auch den Kauf von so viel Milch und Fleisch wie möglich zur Hungerhilfe umfassen, sagte Landwirtschaftsminister Sonny Perdue.

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